Nationalpark nicht zielführend
(28.07.10)
Nicht überall stoßen die Bestrebungen des WWF, die March-Thaya-Auen in einen Nationalpark zu integrieren, auf Verständnis. Weinviertel-Manager DI Hermann Hansy dazu: „Ein Nationalpark ist nicht das Gelbe vom Ei.“
BEZIRK GÄNSERNDORF. Der WWF ist beim Projekt RAMSAR-SKAT Projektpartner des Weinviertel Managements, dessen Aufgabe es ist ein grenzüberschreitendes Naturraummanagement in Kooperation mit den Gemeinden aufzubauen. Ziel ist das Zusammenspiel zwischen Naturschutz und Regionalentwicklung. Geplant ist die Errichtung eines RAMSAR-Zentrums, dessen Ausschreibung im August startet. Trotzdem wirbt der WWF gleichzeitig für die Errichtung eines Nationalparks.
„Es soll ein Miteinander zwischen regionalen, wirtschaftlichen sowie Naturschutzinteressen geben“, erklärt Weinviertel Manager DI Hermann Hansy. „Ein Nationalpark ist hierfür nicht zielführend. Es gibt hier sicher innovativere Formen das Gebiet schützenswert zu halten.“
Hansy sieht in einem Biosphärenpark ein gängigeres Modell zu Erhaltung der Region. Hier gibt es auch schon eine Machbarkeitsstudie dazu. „Ein Biosphärenpark garantiert ein sinnvolleres Nebeneinander zwischen Wirtschaft-, regionalen und Naturschutzinteressen. Bei der Entscheidung für einen Nationalpark werden allerdings die Schotten für die Region dicht gemacht“, ist Hansy überzeugt.
Außerdem wären die Kosten für einen Nationalpark viel höher und man müsse viele Privateigentümer und deren Anrechte erst alle unter einen Hut bringen. Laut Hansy können die betroffenen Gemeinden der Idee eines Biosphärenparks viel mehr abgewinnen als jener eines Nationalparks.
Naturraum- und Standortraumprojekt
Neben diesem Naturraumprojekt gibt es auch ein Standortraumprojekt des Weinviertels und der Region Zahorie (Slowakei), bei dem die March als gemeinsamer Naturraum auftritt.
„Die Region befindet sich zwischen zwei großen Ballungsräumen, deren Weiterentwicklung nicht abgeschlossen ist. Ein grenzüberschreitendes Projekt wie ein Biosphärenpark ist vom beiderseitigen Interesse, das ist bei einem Nationalpark nicht gegeben“, erklärt Hansy.
Im Rahmen einer Umfrage bei Jugendlichen sei der Stellenwert des Naturschutzes zwar hoch, aber die Wünsche nach einer besseren Infrastruktur, Freizeiteinrichtungen uvm. stehen an vorderster Stelle.
Hansy: „Die Politpensionisten, mit denen der WWF für den Nationalpark wirbt, sind den wenigsten Jugendlichen überhaupt noch bekannt.
Zur Sache
Nationalparks genießen die höchste Schutzpriorität des Naturschutzes und sind nur soweit der Allgemeinheit zugänglich zu machen, als es der Schutzzweck zulässt. Es gibt drei Zonen: die Naturzone (keine wirtschaftliche Nutzung), Naturzone mit Managementmaßnahmen (zielgerichtete Nutzung), Außenzone (Fremdenverkehr- und Verwaltungszone).
Ein Biosphärenpark dient in erster Linie der Erhaltung, Pflege und Wiederherstellung einer durch traditionelle Wirtschaftsweisen entwickelte Arten- und Biotopvielfalt. In Biosphärenparks sollen gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung Konzepte zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung der Region erarbeitet und umgesetzt werden.
Martina Gschiel
L Hansy Hermann KW 30
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Lesermeinungen zu diesem Artikel:
Wolfgang Rehm, am 31.07.2010 um 19:23
Hat Herr Hansy Angst, die Kontrolle über die Entwicklung zu verlieren? Die Rundumschläge gegen die Politpensionisten“ sind schon etwas fragwürdig, und entbehren insbesondere deshalb nicht einer unfreiwilligen Komik, als wir es mit dem Weinviertelmanager von Alter und Habitus ja offensichtlich mit einem ausgewiesenen Jugendvertreter zu tun haben. Die damit erzeugte unfreiwillige Ironie ist aber für den Herrn offensichtlich kein Hindernis, den Alleinvertretungsanspruch für Jugendliche zu stellen.
In Wahrheit sind Nationalpark und Biosphärenpark kein Widerspruch sondern könnten sich sogar sinnvoll ergänzen. Von der angesprochenen Machbarkeitsstudie für zweiteren. ist aber zumindestens die Zonierung reif für den Papierkorb. Derzeit ist das Schutzniveau der March-Thaya Auen nicht ausreichend,.wie die „ innovativere Formen das Gebiet schützenswert zu halten“ aussehen sollen, bleibt leider offen. Ein Nationalpark bietet hier mehr als ein Biosphärenpark und auch dieses Instrument könnte (unter Beibehaltung der Vorgaben der IUCN) in innovativer Art und Weise eingesetzt und an die regionalen Besonderheiten angepaßt werden. Dass beim „Miteinander zwischen regionalen, wirtschaftlichen sowie Naturschutzinteressen“ letzere ganz hinten kommen ist leider kein Zufall dementsprechend noch ein breiter Weg zu einem wirklich ausgewogenen Interessensausgleich zurückzulegen. Die bisherige Einstellung eines beliebigen Zugriffs auf die March /Thaya Auen die als Manövriermasse dienen, bei der der Naturchutz nur dann einen Platz hat, wenn er anderen Interessen nicht im Weg ist, ist nicht zukunftsfähig; das Schüren von Ängsten vor einer Komplettabschottung „für die Region“ (klingt ein bißchen nach dem Motto „die Region bin ich“) in Konsequenz nicht zielführend.