Lebensmittelaufsicht machte 1000 Kontrollen zu wenig
(04.03.10)
GRAZ. Unsere Lebensmittel sind sicher – das dachte man zumindest. Acht Todesopfer hat der mit Listerien verseuchte Käse des Hartberger Herstellers „Prolactal“ bis dato gekostet.
Der Fall wirft weitere Fragen auf, vor allem, ob es hier auch Fehler in der Kontrolle gegeben hat. Wenn ja, könnte sich ein solcher Fall jederzeit wiederholen. Der Leiter der steirischen Lebensmittelaufsicht, Gernot Handler, erklärt: „Wir arbeiten nach einem Plan, den das Ministerium vorgibt. Demnach hätten wir im Vorjahr 5.916 Kontrollen durchführen und 2.991 Proben nehmen müssen.“
Dieses Soll wurde bei Weitem nicht erfüllt. Tatsächlich wurden nur 4.928 Kontrollen und 1.942 Proben durchgeführt, also in beiden Fällen um rund 1.000 zu wenig. Die Begründung: Personalmangel. „Wir hatten im Vorjahr viele Krankenstände“, so Handler. Einen Rückschluss auf strukturelle Mängel will Handler aber nicht zulassen: „Die Betriebe sind seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2006 selbst für die Kontrolle zuständig. Wir überprüfen lediglich stichprobenartig und bei Verdachtsfällen.“ In der Behörde sieht man Handlungsbedarf. „Unsere Aufgaben werden durch ständig neue EU-Verordnungen immer mehr, ich befürchte einen weiteren Kontrollengpass“, warnt Handler.
Verordnung wird überarbeitet
Eine schwierige Situation, die auch die Gesetzgeber in Bund und EU nachdenklich stimmt. Derzeit wird auf europäischer Ebene intensiv verhandelt, bereits im Juni soll eine überarbeitete Verordnung beschlossen werden, die die Information für die Konsumenten neu regelt. Die österreichischen Vertreter pochen vor allem auf eine verbesserte Herkunftsbezeichnung. Die Kontrolle wird dies aber nicht ersetzen.
Lesermeinungen zu diesem Artikel:
tille48, am 10.03.2010 um 20:41
Der Zugang zu gesunder Ernährung ist zu erleichtern ...
(Gesundheitsminister Alois Stöger)
Bei der immer größer werdenden Bedeutung von Fertigprodukten sollte auch die Verantwortung der Nahrungsmittelindustrie deutlich erhöht und die exakte Kontrolle der Produkte eingefordert werden.
Es geht nicht nur um die Wertigkeit der Ware die man kauft, sondern auch, und viel wichtiger, um die Gesundheit der Konsumenten, wie am aktuellen Negativbeispiel aufgezeigt wurde.
Die vorhandenen Gütesiegel und Qualitätsversprechungen sind also nicht sehr viel wert: Milch aus den Niederlanden nach Deutschland, von Deutschland den Topfen nach Österreich und daraus wird hier dann der „österreichische“ Quargel gemacht.
Mit trauriger Gewissheit kann man nur feststellen, dass wir auf die Sicherung des Konsumentenschutzes durch die Arbeiterkammer (AK) und ihrer Organisationen nicht verzichten können.
In diesem Zusammenhang sollte man auch die Großeinkäufer der Supermarkketten nicht aus der Verantwortung entlassen und hinterfragen, wieso etliche Tage nach Bekanntwerden dieser Beeinträchtigung noch immer Konsumenten dieses Produkt im Laden kaufen können und daran erkranken.