27.04.2016, 00:10 Uhr

Blog-Beitrag EINS AUS VIER – remax.at – 2016 – Peter Reikersdorfer

(Foto: © Kurhan – fotolia.com)
„Siehst du dir bitte mal den Mietvertrag an“

Wie so oft bekomme ich von einem guten Bekannten einen Anruf mit der Bitte den Mietvertrag für sein „neues“ Haus mal schnell durchzulesen ob auch alles in Ordnung sei. Gesagt, getan. Was macht man nicht alles für seine Bekannten.

Gleich vorweg, ich bin kein Jurist, aber Kauf- und Mietverträge für Immobilien gehören (hoffentlich ☺) zum täglichen Brot eines Immobilienmaklers und man kennt durchaus die Punkte über die in der Praxis am häufigsten gestritten und diskutiert wird.

Zum angesprochenen Mietvertrag: Da wäre schon mal die Kündigungsmöglichkeit für den Vermieter. Unter Einhaltung einer 3-monatigen Kündigungsfrist kann er meinen Bekannten jederzeit wieder vor die Tür setzen. Ganz ohne Grund. „Das kann er doch gar nicht“ so mein Bekannter, „Im Gesetz gibt es ja Kündigungsschutz für den Mieter“. Blöd nur, dass dieses Objekt (weil Einfamilienhaus) nicht unter das Mietrechtsgesetz fällt. Somit kann dies sehr wohl vereinbart werden. „Interessant, das wusste ich gar nicht …“.

Weiter geht’s:
„Bei der Miete habe ich wirklich gut verhandelt, mehr als € 1.000,- wollte ich inklusive Betriebskosten nicht bezahlen, wir haben uns jetzt auf € 950,- geeinigt“, so mein Bekannter. Das ist ja auch ok, aber die Betriebskosten wurden für 200 Quadratmeter mit einer Vorauszahlung von € 50,- pro Monat angesetzt. Das sieht jetzt ganz nett aus, aber spätestens nach der ersten Betriebskostenabrechnung kommt dann mit der Nachzahlung und der neuen, höheren Vorschreibung schon die Überraschung.

Kurzes Schweigen am anderen Ende der Leitung.

Wir besprechen noch fünf, sechs weitere offensichtliche Risikopassagen im Mietvertrag. Letztlich hat das Telefonat knapp eine Stunde gedauert. Eifriges Mitschreiben bei meinem Bekannten inklusive.

Eigenlob stinkt, ich weiß. Aber der Satz von meinem Bekannten am Ende des Telefonats, „Ihr seid ja wirklich gut drauf, vielen herzlichen Dank. Du hast mir sehr geholfen.“, gibt einem dann wieder Recht. Wie oft höre ich: „Wären wir doch gleich zu euch gekommen“. In den meisten Fällen hilft das aber leider sowohl mir als auch unseren Kunden nichts mehr.

Fazit: Der Vermieter möchte sich natürlich in alle Richtungen absichern. Zu viele Geschichten hat er schon von nicht zahlenden, zerstörerischen Mietnomaden gehört, die danach Jahre lang ohne einen Euro zu bezahlen die Wohnung besetzen und verwüsten. Die Ängste sind legitim und sorgen vielleicht für etwas Verständnis bei einem Mieter, der sich über den einen oder anderen forsch formulierten Absatz im Mietvertrag wundert. Dieser ist dann aber auch für den Mieter meist nur teilweise verhandelbar. Man sollte als Mieter schon immer auch die derzeitige Marktsituation im Auge haben und ein Gespür dafür entwickeln, wie lange der Ast ist auf dem man sitzt. In der aktuellen Situation am Immobilienmarkt ist es häufig eben ein sehr feiner Ast. Wird der Mietvertrag nicht so unterschrieben wie vom Vermieter gewünscht, dann kommt oft der nächste Mieter zum Zug.

Es ist ganz offensichtlich, dass sich sowohl Mieter und Vermieter, am umkämpften Immobilienmarkt, Beratung und Unterstützung wünschen. Das ist auch der Anspruch, den ich an andere Immobilienmakler stelle. Jeder Kunde ist dankbar, wenn er eine ausführliche und auch wertvolle Beratung erhält. Laut Gesetzgebung ist das in unserer Branche nicht selbstverständlich. Das Gesetz sieht lediglich vor, dass ein Immobilienmakler sein Honorar für die Vermittlungstätigkeit von Immobilien erhält. Ein Mindestmaß an Dienstleistung oder Beratungsumfang ist im Gesetz nicht vorgesehen. In diesem Fall halten wir uns aber definitiv nicht an das Gesetz.

Kostenlose Beratung bei RE/MAX
Wir beraten Sie kostenlos und laden Sie zu einem unverbindlichen ersten Beratungsgespräch gerne ein.

Links:
Der richtige Kaufpreis – Teil 1
Die richtige Marketingstrategie – Teil 2
Die richtige Verhandlungsstrategie – Teil 3
Immobilien-Verkauf: Wer ist der ideale Käufer?
0