18.05.2016, 00:10 Uhr

Glück ab, gut Land! Gut Licht!

Alois Reikersdorfer im Interview (Foto: © ImmoFouks)
Vor mehr als 15 Jahren hat Alois Reikersdorfer RE/MAX nach Österreich geholt und zu einem Höhenflug angesetzt. Der ImmoFokus traf den alles andere als stillen Aufsichtsratsvorsitzenden zu einer Ballonfahrt in Bad Waltersdorf.

Warum wurden Sie Unternehmer?
"Ich wollte immer schon selbstständig werden, ein Unternehmen aufbauen. Es hat mich die unternehmerische Freiheit gereizt. Vor allem aber: Ich wollte etwas für mich und meine Familie schaffen. Etwas was man weitergeben kann. Ich war jahrelang erfolgreich in der Automobilbranche tätig und hatte ein durchaus gutes Gehalt. Das war mir aber zu wenig. Ich wollte mehr erreichen, mein eigener Herr sein. Die Immobilienbranche hat mich immer fasziniert. Also habe ich der Automobilindustrie den Rücken gekehrt und mein eigenes Unternehmen gegründet. Zu diesem Zeitpunkt, das war Anfang der 80er Jahre, 1981 um genau zu sein, war von RE/MAX, zumindest in Österreich, noch keine Rede."

Haben Sie den Schritt in die Selbständigkeit nie bereut?
"Nein. Natürlich gab es vor allem am Anfang Schwierigkeiten. Vieles ging mir zu langsam, auch der wirtschaftliche Erfolg stellte sich nicht so rasch wie erwartet ein. Anfangsschwierigkeiten halt. Es war mitunter ein harter Weg – aber heute sind wir die Nummer 1 in Österreich. Neben der Vermittlung ist auch die Hausverwaltung ein weiteres Standbein geworden."

Weil Sie immer wieder Familienunternehmen betonten. Sind noch andere Familienmitglieder im Unternehmen tätig?
"Wir sind ein richtiges Familienunternehmen. Meine drei Kinder sind alle im Unternehmen tätig. 1997 übergab ich die Geschäftsführung unseres Immobilienunternehmens an meinen ältesten Sohn Bernhard. Ich habe mich zu dieser Zeit intensiver um unsere Bauprojekte gekümmert. Zu dieser Zeit waren wir auch als Bauträger aktiv. 1999 habe ich dann erfahren, dass RE/MAX einen Master-Franchiser für Österreich sucht. Diese Chance habe ich ergriffen und RE/MAX nach Österreich geholt. 2006 übernahm mein jüngerer Sohn Peter die Leitung des Immobilienbüros in Amstetten und eröffnete weitere Standorte. 2010 übernahm Bernhard von mir die alleinige Geschäftsführung von RE/MAX Austria – und ich zog mich in den Aufsichtsrat zurück."

Ein Mandat, das Sie aber sehr aktiv ausüben.
"Ja, ich kümmere mich intensiv um den weiteren Ausbau des Makler-Netzes. Ich arbeite gerne an der Ausarbeitung und Umsetzung von Visionen."

Wo sehen Sie die Zukunft?
"Viele Makler sind reformunwillig, die wollen, dass alles beim Alten bleibt. Diese werden aber nicht überleben, davon bin ich überzeugt. Man muss mit der Zeit gehen. Man darf nicht stehen bleiben."

Wo liegt das Erfolgsrezept von RE/MAX?
"RE/MAX ist das weltweit erfolgreichste Immobilien-Franchise-System. RE/MAX Austria vergibt an rechtlich selbständige Franchise-Nehmer das Recht zur Nutzung der Marke. Das unterscheidet uns nicht von anderen Franchise-Systemen. Entscheidend aber ist der Rundum-Service. Wir helfen bei der Standortsuche. Helfen bei der Ausbildung, bieten Unterstützung durch ein ausgefeiltes Marketing-Konzept, hochwertige Schulungen und Seminare, umfassendes Marktwissen. Das sind Synergien, von denen alle im Netzwerk profitieren können. Während sich Einzelkämpfer mit vielen zeitintensiven Tätigkeiten – die jedoch ihr Geschäft nicht bis kaum fördern – aufhalten, greifen die RE/MAX-Franchise-Nehmer auf ein praxiserprobtes Konzept zu. Vom 1. Tag an – es ist alles da, der RE/MAX-Mehrwert ist enorm. Und dennoch sind wir unermüdlich am tüfteln und entwickeln, um noch weitere USPs zu generieren. Stillstand ist Rückschritt. Daher setzen wir alles daran, uns kontinuierlich weiterzuentwickeln. Denn wer meint, sich auf seiner Marktführerschaft ausruhen zu können, liegt falsch. Gerade als Marktführer muss man vorangehen und den Takt vorgeben.

Wen sehen Sie als direkten Mitbewerber?
"Die Mitbewerber kommen überwiegend aus dem Bankenbereich. Auch sie die haben nun erkannt, dass es auf Kooperationen und auf das Miteinander ankommt."

Sie spielen hier auf Raiffeisen an, die sich erst kürzlich als bundesweit kooperierende Gruppe präsentiert haben?
"Das, was Raiffeisen jetzt macht, Kooperation innerhalb von ganz Österreich ist sicher der richtige Weg. Muss ich wohl sagen, weil wir das schon immer so gemacht haben (lacht). Aber im Ernst: Je mehr Kooperation innerhalb der Branche, desto besser für den Konsumenten und damit wiederum für die Attraktivität unserer Dienstleistung. Vielleicht kommen wir eines Tages noch so weit, dass wir auch über die Markengrenzen so kooperieren wie jetzt innerhalb, ich würde es mir wünschen."

Was hat aus Ihrer Sicht RE/MAX in Österreich so stark gemacht?
"Die Offenheit und Klarheit gegenüber den Konsumenten, wie sie der RE/MAX Code of Ethics vorgibt, die wegweisende Ausbildung unserer Mitglieder mit der ständigen Qualitätskontrolle (wir machen flächendeckendes Mystery Shopping - unangekündigt für alle RE/MAX Büros -schon seit beinahe 10 Jahren), ständige Innovationen und der konsequente Markenaufbau. Nicht umsonst ist RE/MAX die bekannteste Immobilienmarke Österreichs."

Betreiben Sie noch andere Unternehmen?
"Wir sind ein reines Familienunternehmen mit mehreren Unternehmen. Neben RE/MAX Austria betreiben wir auch eigene RE/MAX Büros, eine Hausverwaltung und sind auch in der Schweiz und Deutschland an Unternehmen beteiligt."

Würden Sie (nochmals) gründen - was würden Sie anders machen?
"Aus heutiger Sicht würde ich nichts anders machen, denn nur durch Fehler die man macht, kann man lernen."

Welche Bedeutung haben die neuen Medien, wie z.B. Facebook, Twitter & Co?
"In unserem Geschäftszweig ist die Nutzung der neuen Medien unumgänglich. Facebook, Twitter, Xing, Youtube sind Medien, die in unserem Unternehmen genutzt werden (u.a. für Objektinformationen, Objektbewerbung, Ankündigung von Veranstaltungen, Informationen rund ums Wohnen, Berichte über Marktentwicklungen, Rekrutierungstool)."

Würden Sie sich als ehrgeizig bezeichnen?
"Auf jeden Fall. Ohne gesunden Ehrgeiz geht es nicht. Ehrgeizig sein bedeutet aber nicht, kein Teamplayer zu sein. Ziel ist es, Kunden bundesländerübergreifend zu betreuen, gemeinsam am Markt aufzutreten und so Synergien z.B. in den Bereichen Produktentwicklung, Marketing, Aus- und Weiterbildung, Einkauf usw. zu nutzen."

Kritiker werfen Ihnen vor zu schnell gewachsen zu sein. Immer wieder wurde Kritik an der Ausbildung laut.
"Diese Zeiten sind vorbei. Wie in jedem anderen Unternehmen machen auch wir Fehler. In der Regel stellt sich bald heraus, ob jemand zu uns passt. Wenn nicht, dann müssen wir uns von ihm trennen. Makler brauchen vor allem eine fundierte Ausbildung, praktische Erfahrung und soziale Kompetenz. Das sind die Grundpfeiler. Für Glücksritter ist in unserer Branche kein Platz. Viele Makler sind Egoisten. Sie schauen nur auf ihren persönlichen Vorteil. Kooperation sieht anders aus. Sind wir uns ehrlich. Auch die Immo-Card ist zahnlos."

Was nützt dem Konsumenten die Immo-Card?
"Nichts."

Sie sind nun seit rund 35 Jahren in der Immobilienbranche tätig. Was hat sich geändert?
"Lange Zeit hatten Immobilienmakler einen schlechten, fürchterlichen Ruf. Sie galten als unseriöse Abzocker, die allein schon für das bloße Aufsperren der Wohnungstür ein Honorar stellten. Das Image verursacht durch wenige schwarze Schafe haftete jahrelang an unserer Branche. Aus diesem Grund investieren wir viel in interne Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, einerseits, um eine einheitliche Qualitätssicherung zu gewährleisten - und andererseits, um den komplexen Anforderungen des Jobs Rechnung zu tragen.

In unserer firmeninternen Akademie werden Neu- und Quereinsteiger von Beginn an professionell geschult, um als professioneller Immobiliendienstleister eigenständige Immobilienmakler tätig zu sein. Denn schließlich besteht das Geschäft des modernen Maklers nicht nur in der Zusammenführung von Angebot und Nachfrage. Vielmehr übernimmt ein gelernter Profi auch die Rolle eines Beraters und Dienstleisters, der neben rechtlichen und steuerlichen Grundkenntnissen über fundierte Marktkenntnisse verfügen muss. Darüber hinaus gilt es häufig, Kunden bei der Finanzierung einer Immobilie, beratend unter die Arme zu greifen."

Haben Sie privat ihre Traumimmobilie schon gefunden?
"Ja. Ich habe mit meiner vor zwei Jahren verstorben Frau ein Haus gebaut – und dort wohne ich auch heute noch. Das ist meine Traumimmobilie."

Was sollte ein am Maklerberuf Interessierter mitbringen?
"Die Fähigkeit, sich in den Kunden hineinzuversetzen und dessen Bedürfnisse zu verstehen, steht an oberster Stelle. Man sollte es nicht nur tun, weil man glaubt, dass man damit schnell viel Geld verdienen kann. Wer das schnelle Geld sucht ist bei uns falsch am Platz. Engagement und Herzblut gehören einfach dazu. Egal aus welcher Branche man kommt. Wer Spaß am Umgang mit Menschen hat und Abwechslung im Beruf schätzt, ist in der Makler-Zunft sicher gut aufgehoben. 2015 konnten wir unser Rekordergebnis von 2014 mit einem Plus von über vier Prozent nochmals toppen. In Zeiten wie diesen ist es nicht selbstverständlich, sich über Umsatzsteigerungen freuen zu dürfen, schon gar nicht nach einer Rekordsteigerungsrate von über 17 Prozent im Jahr 2014. Die starke Marke, die flächendeckende Präsenz und vor allem die im RE/MAX-Netzwerk gelebten Werte wie Transparenz, permanente Weiterbildung und Kooperation, sind für diese stetige Aufwärtsentwicklung seit dem Start 1999 verantwortlich."

... und Ihre Ziele für 2016?
"Ein Ziel ist sicher der Ausbau der Marktführerschaft. Aufgrund der aktuell vorherrschenden Marktbedingungen wird es 2016 notwendig sein, die Anzahl der Makler im RE/MAX-Netzwerk deutlich zu erhöhen, um das vorhandene Markt-Potential auch ausschöpfen zu können."

Ein Verdrängungswettbewerb?
"Keineswegs. In Österreich werden noch immer sehr viele Transaktionen ohne Makler durchgeführt. International ist das ganz anders. Da ist in Österreich noch immer genug Potential für ein schönes Wachstum der gesamten Branche. Wir müssen nur den Kunden den Mehrwert besser erklären. Das ist eine Aufgabe, der wir uns stellen müssen."

Gibt es denn noch weiße Flecken in Österreich?
"Die gibt es. Sie werden aber von Jahr zu Jahr weniger. Für das Jahr 2016 hat RE/MAX die neuen Ziele bereits definiert: Neben der Erweiterung des Standort-Netzwerkes und einer weiteren Steigerung der Marktanteile bei Wohnimmobilien steht im kommenden Jahr besonders die Verstärkung der Immobilienvermittlung für gewerbliche Kunden im Fokus. Wir haben uns in diesem Bereich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt, für die RE/MAX-Organisation gibt es aber aufgrund der einzigartigen österreichweiten Präsenz noch enormes Potential und das wollen wir nutzen."

Wie ich höre haben Sie der Automobilbranche nicht ganz Ade gesagt?
"Beruflich ja – privat nein. Ich war noch mit Bekannten aus meiner Zeit im Autohandel geschäftlich verbunden und hatte mit ihnen auch noch Autohäuser betrieben. Diese Anteile habe ich verkauft, weil ich mich intensiver um das Immobiliengeschäft kümmern wollte. Einige Oldtimer darunter ein … Jaguar Mk2 stehen in meiner Garage. Das ist ein Hobby von mir geblieben."

... und das Ballon-Fahren?
"Das auch. Wann immer das Wetter passt und es sich ergibt."



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