25.07.2016, 09:18 Uhr

Wieso "ich" ein Priester wurde

(Foto: Zarl)

Der neue Seitenstettner Priester Matthäus Kern erzählt von Berufung und Familie.
Interview: Thomas Leitsberger

SEITENSTETTEN. „Ich bin bereit", erklärte Matthäus Kern. Der 30-Jährige wurde in Seitenstetten geweiht und darf sich nun Priester nennen. Doch warum wählt man diesen Weg?

Die BEZIRKSBLÄTTER fragten nach: Warum entscheidet man sich für die Priesterweihe, ein Leben in einem Stift und gegen Frau und Familie?
MATTHÄUS KERN: Ich habe mich nicht gegen Frau und Familie entschieden, sondern für ein Leben im Dienste Gottes und an den Mitmenschen. Dies deshalb, weil ich mich dazu von Gott berufen fühle. In die Berufung zum Priestertum bin ich schön langsam hineingewachsen.
Als ich nämlich eingetreten bin, war dies für mich nicht so ganz klar gewesen. Für mich war damals nur klar, dass ich in einer Gemeinschaft Gott suchen möchte und Lehrer werden wollte. Letzteres bin ich ja auch geworden. Erst während meiner Studienzeit habe ich die Berufung zum Priestertum verspürt. Im Rahmen eines Liturgieseminars besuchten wir eine Kirche (Maxglan in Salzburg), und jeder sollte sich den Platz suchen, an dem er sich in Zukunft sieht. Für mich blieb nur mehr der Priestersitz übrig.
Auf den habe ich mich dann auch gesetzt und mir gegenüber sah ich Jesus als den guten Hirten in einem Glasfenster dargestellt. Da wurde ich stutzig und irgendwie wurde mir dann bewusst: Ja, ich sollte Priester werden!

Warum gerade in Seitenstetten?
Ins Stift Seitenstetten hat mich Gott via die Homepage des Stiftes geführt. Denn ich habe "IHM" damals gesagt, dass "ER" mir bitte den Weg zeigen möge und die Homepage des Stiftes Seitenstetten war im Jahr 2007, als ich auf der Suche nach einem Kloster war, die modernste der Homepages der österreichischen Benediktinerstifte – sie ist es auch heute noch!

Wie hat Ihr Umfeld reagiert?
Meine Mutter war sehr überrascht. Aber meine Schwester hat damals das Eis gebrochen, indem sie sagte: „Wenn du dabei glücklich wirst, dann mach es! Ich bin immer für dich da!“.

Wie ist Tagesablauf und was tun Sie am Wochenende?
Das Grundgerüst meines Tagesablaufs sind die Chorgebetszeiten und die tägliche Eucharistiefeier. Um 5 Uhr stehe ich von Montag-Freitag auf, am Samstag erst um 6 Uhr, weil wir da erst die Laudes um 7 Uhr haben, am Sonntag um 5:30 Uhr, Laudes ist um 6:30 Uhr. Nach dem Frühstück geht jeder von uns an meine Arbeit. Montag bis Freitag unterrichte ich am Stiftsgymnasium Katholische Religion.
Ab Herbst bin ich zusätzlich Kaplan in der Pfarre Kematen-Gleiß, eine unserer Stiftspfarren. Zugleich werde ich ab Herbst auch mein Pastoraljahr machen. Dabei handelt es sich um ein Einführungsjahr in die diversen pastoralen Tätigkeiten, die es in einer Pfarre gibt. Man könnte auch sagen, dass es sich dabei um die „praktische Ergänzung“ zum Studium handelt.
Am Wochenende kann es durchaus vorkommen, dass man eine Einladung zum Essen hat und der kommt man dann auch nach. Ansonsten komme ich meinen liebsten Beschäftigungen nach: Lesen, Wandern und auch dem guten Film bin ich nicht abgeneigt.

Welche Ziele haben Sie? Gibt es einen Plan, wo Sie sich in zehn, zwanzig, dreißig Jahren sehen?
Ich mache mir weniger Gedanken um Ziele, da ich versuche im Heute Gottes zu leben. Das drückt sich auch in unserem Gehorsamsgelübde aus. Wir Benediktiner versuchen darauf zu hören, was die Situation gerade erfordert, was gefragt ist. Aber natürlich habe ich auch meine Wünsche und Bedürfnisse. So würde ich sehr gerne Psychologie und Philosophie fertig studieren und sodann auch am Gymnasium unterrichten.

Wie schätzen Sie das Verhältnis zwischen Gott, Kirche und Glaube in der Gesellschaft ein? Sind die Menschen heute weniger gläubig als früher?
Für mich steht fest: Gott ist da. Dies lässt sich naturwissenschaftlich nicht beweisen. Wer jedoch hinter unsere Wirklichkeit schauen möchte, der – und davon bin ich überzeugt – kann Gott auch wahrnehmen! Die Kirche muss meiner Ansicht nach den Menschen bei diesem Schauen hinter unsere Wirklichkeit noch mehr eine Hilfe sein.
Aber sie muss sich auch noch mehr auf das Evangelium Christi besinnen. Sie muss noch mehr Licht für die Welt und Salz der Erde sein (vgl. Mt 5,13-16). Damit meine ich: Sie muss sich noch mehr auf die Seite derer stellen, die keine Stimme in der Gesellschaft haben: auf die Seite der Armen, der Alleingelassenen und Einsamen, der Menschen, die mit physischen und psychischen Beeinträchtigungen leben müssen, auf die Seite der Flüchtlinge, auf die Seite der vielen Kranken, auf die Seite der Familien und der Alleinerzieher, usw. Zum Thema Glauben: Bei meinen Schülern kann ich durchaus eine Offenheit für den Glauben wahrnehmen und ich würde mir auch nicht anmaßen zu sagen, die Menschen von heute wären weniger gläubig als dies noch bei meiner Großelterngeneration der Fall war. Für mich steht nur fest: Es ist anders geworden! Damit meine ich: Die Kirche ist ein Player oder ein Dienstleistungsanbieter unter vielen geworden.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.