12.08.2016, 15:02 Uhr

Jobs: Die Zeit wird zu Problem

Halbjahresbilanz: AK-Bezirksstellenleiter Robert Schuster, Rechtsexpertin Cornelia Sanitzer-Weber, AK-Vizepräsident Michael Fiala.

Der Druck auf Arbeitnehmer wächst: Urlaub und Arbeitszeit als große Themen im Bezirk.

AMSTETTEN. Die Beschäftigten einer Gebäudereinigungsfirma werden gezwungen, falsche Arbeitszeitaufzeichnungen zu unterschreiben, berichtet Robert Schuster, Bezirkstellenleiter der Arbeiterkammer (AK) in Amstetten. Vermehrt wandten sich Betroffene in den vergangenen Monaten an die Arbeiterkammer. „Die Angst, den Job zu verlieren, verleitet dazu, die nicht korrekten Arbeitszeitaufzeichnungen zu unterschreiben“, so Schuster. Der ausgeübte Druck sei enorm.

Eine Million Euro erstritten

Im ersten Halbjahr 2016 forderte die AK Amstetten für insgesamt 119 Arbeitnehmer ausstehende Löhne und Gehälter ein. Einige Arbeitgeber hätten es auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen lassen, sagt Schuster.
Es mussten 20 Fälle dem AK-Rechtsschutzbüro übertragen werden, das die Klagen beim Arbeitsgericht einbrachte. Insgesamt konnten 925.552 Euro für die Arbeitnehmer erstritten werden.

Die Erreichbarkeit im Urlaub

Gerade in der Sommerzeit kommt es immer wieder rund um den Urlaub zu Konflikten, heißt es seitens der AK. Erreichbarkeit im Urlaub sei ein großes Thema, sagt Cornelia Sanitzer-Weber vom AK-Rechtsschutzbüro.
„Der Urlaub dient ausschließlich der Erholung", stellt Sanitzer-Weber klar. Zu Problemen komme es auch häufig bei der Urlaubsvereinbarung. „Urlaub muss zwischen Beschäftigten und Arbeitgeber vereinbart werden“, sagt dazu die Rechtsexpertin.

Eine sechste Urlaubswoche

Nicht nur Gewährung und Anspruch beschäftigen dabei regelmäßig Arbeiter und Kammer, auch das Thema sechste Urlaubswoche sorgt für Diskussionen.
„Wenn von den Arbeitnehmern immer wieder verlangt wird, dass sie länger arbeiten sollen, dann braucht es dazu auch ausreichend Erholungsphasen“, sagt AK-Nieder-österreich-Vizepräsident Michael Fiala, der eine sechste Urlaubswoche für alle Arbeitnehmer ab dem 25. Arbeitsjahr fordert.

Keine sechste Urlaubswoche

Auch die Unternehmer würden von "erholten, gesunden und motivierten" Angestellten profitieren. Dies würde sich auch in der Krankenstandsstatistik widerspiegeln, ist Fiala überzeugt.
Eine versteckte Lohnerhöhung ortet der Unternehmer und Amstettner Wirtschaftskammer-Obmann Reinhard Mösl in dieser Forderung und sieht eine zusätzliche Belastung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Die Forderung sei "der falsche Weg" und verweist etwa auch auf hohe Lohnnebenkosten für Unternehmen.


Halbjahresbilanz der Arbeiterkammer Amstetten:
Arbeits- und sozialrechtliche Beratungen: 1.690; Interventionen beim Arbeitgeber: 119; Kostenloser Rechtsschutz: 20; erreichte Gesamtsumme: 925.552 Euro
Info: noe.arbeiterkammer.at
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