01.08.2016, 17:30 Uhr

Interview mit Tina Leisch über Traiskirchen. Das Musical.

Tina Leisch und Bernhard Dechant (Foto: Herlitschka)
Wie kann aus den Ereignissen des Sommers 2015 das Musical "Traiskirchen. Das Musical" werden?
Tina Leisch: Damals standen wir, wie viele andere, vor den Toren des Lagers, um zu helfen. Vor allem bemühten wir uns darum, in einer Zeit, in der alle über Flüchtlinge sprachen, den gerade angekommenen selber Gehör zu verschaffen. Und da Theater unser Beruf ist, luden wir Geflüchtete ein, gemeinsam mit uns ein Theaterstück, eine Performance zu entwickeln. Wir haben dazu Texte aus Elfriede Jelineks "Die Schutzbefohlenen" verwendet und zur Performance "Schutzbefohlene performen Jelineks Schutzbefohlene" entwickelt.

Welcher Gedanke steckte dahinter?
Wir wollten mit Schutzsuchenden, gemeinsam etwas entwickeln, in der Theaterarbeit ein gemeinsames Statement erarbeiten. Wir haben vor dem Traiskirchner Lagertor die Leute angesprochen, ob sie nicht Theater spielen möchten. Da ja niemand Deutsch konnte, hatten wir die Idee, das Stück als Deutschkurs zu inszenieren: Der ORS-Mitarbeiter spricht Jelineks Texte vor, die Schutzsuchenden sprechen sie nach. So haben unsere SchauspielerInnen sozusagen Deutsch gelernt mit Jelinek.

Wo habt Ihr geprobt?
Heute noch ein großer Dank an die Musikschule Traiskirchen, die uns den Proberaum zur Verfügung gestellt hat.

Inzwischen gibt es ein neues Projekt, das am 14. Jänner 2017 seine Uraufführung im Wiener Volkstheater haben soll: "Traiskirchen. Das Musical" ...
Dafür suchten wir künstlerisch aktive und interessierte Menschen-SchauspielerInnen, MusikerInnen, TänzerInnen, SängerInnen - mit Migrationshintergrund - auch solche, die schon länger in Österreich leben. Der Inhalt des Stückes steht schon fest: Wir wollen anhand der Ereignisse aus dem Sommer 2015 zeigen, dass die Konfliktlinien nicht so sehr zwischen Österreichern und Flüchtlingen verlaufen, sondern vielmehr zwischen Religionen, Interessen, Lebensanschauungen. Es soll ein Musical mit Musik aus aller Welt werden ...

Das heißt, es wird verschiedene KomponistInnen geben?
Ja. Die Songs werden bei verschiedenen Musikern weltweit in Auftrag gegeben, unsere fünfköpfige Liveband wird diese Songs, die aus verschiedenen Musikkulturen kommen werden, arrangieren und miteinander zu einem Ganzen verbinden.

Ein großes Projekt. Wie kann das ein KünstlerInnenkollektiv wie "Die schweigende Mehrheit", dem Sie ja angehören, bezahlen?
Wir bekommen Förderungen vom Bundeskanzleramt und von der MA7 in Wien und suchen jetzt noch Sponsoren. Unser Anspruch ist, dass die Mitwirkenden - es sollen etwa 40 sein, ein Teil von ihnen hat auch schon bei den Schutzbefohlenen mitgewirkt, den Rest casten wir noch - ihre Auftritte auch bezahlt bekommen. Wenigstens zu einem Mindestmaß von 50 Euro pro Abend. Wir proben diesmal in Wien.

Was erwartet das Publikum ab 14. Jänner im Volkstheater?
Ein Musical mit Liebesgeschichten, mit Leidenschaft, mit Drama, ein Spektakel mit Komik - rund um die Kernfrage: Was ist im Sommer 2015 mit uns in Österreich passiert? Und was muss geschehen, wer findet das Zaubermittel, um die Kriegstreiber zu Fall zu bringen, die ja schlussendlich für die Situation der Flüchtenden verantwortlich sind.
(Die Fragen stellte Gabriela Stockmann.)
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.