20.06.2016, 15:55 Uhr

Alte Sprüche von der Jugend hinterfragt

Die Enthüllung der Erläuterungstafel durch Maria Hölzl und die Direktorin Brigitte Nowotny. Im Hintergrund sieht man die Turnhalle - oben die deutsch-nationalen Sprüche, die auf der ERläuterungstafel kommentiert sind.

Deutsch-nationale Turnersprüche in alter Bad Vöslauer Turnhalle waren Thema eines Integrations-Workshops an der Sportmittelschule.

BAD VÖSLAU. 1997, als im Zuge der Renovierung der 1877 erbauten alten Feuerwehrturnhalle deutsch-nationale Sprüche freigelegt wurden, war die Aufregung groß: Was tun mit diesem problematischen "Gedankengut", das das Deutsch-Tum so sehr in den Vordergrund stellt? Historiker empfahlen, die Sprüche zu erhalten und begleitend zu kommentieren. Das geschah auch. Dennoch waren manche Eltern von Sporthauptschülern irritiert: Wo müssen unsere Kinder da turnen?
Fast 20 Jahre nach der Freilegung der "alten Sprüche" ist das Thema Deutsch-Tum und sein Wiederaufleben in der Nazi-Zeit wieder sehr brisant. Gerade die Sportmittelschule wird ja von vielen Kindern mit Migrationshintergrund besucht.
Und so haben sich Kinder der 4. Klassen gemeinsam mit dem Arbeitskreis für Integration (Heidi Effenberger und Nicole Gebhart) und Religionspädagogin Maria Hölzl mit der Problematik dieser Sprüche befasst und eine neue Erläuterungstafel erschaffen, die nun bei beiden Turnhalleneingängen angebracht ist.
"Wir wollten die geistigen Wurzeln von Europa erneut hinterfragen - und haben uns damit auseinandergesetzt, wie auf der Basis solcher alten Sprüche das friedliche Miteinander in Europa möglich ist," erklärt Heidi Effenberger. Dass "Sprüche" lange leben, davon weiß eine Schülerin zu berichten. Ihre Oma habe in der Zwischenkriegszeit nach dem Ende der Monarchie an der Hauptschule Bad Vöslau (heute Sportmittelschule) ein Zeugnis bekommen, das standardmäßig mit dem veralteten Spruch "Fürchte Gott, ehre den Kaiser, liebe dein Vaterland" versehen war. Dass die Arbeit der Kinder lange weiterlebt, wünscht sich die Direktorin der Sportmittelschule, Brigitte Nowotny. Sie betont auch: "Es haben sich übrigens schon viele Jahrgänge mit diesen Sprüchen befasst."
Bürgermeister Christoph Prinz meint: "Leute, die immer noch alten Sprüchen folgen, gehören manchmal gemahnt."
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