13.03.2016, 13:12 Uhr

Blüte an seltenem Holz

Der Tattendorfer Biologe Otto Moog berichtet als Gastautor über die seltene Traubenkirsche.

TATTENDORF. Die Uferböschungen der Mittel und Unterlaufes der Triesting werden von zahlreichen Exemplaren der Traubenkirsche (wissenschaftlicher Name: Prunus padus) gesäumt.

Ein wertvoller Lieferant
Trotz ihrer unglaublich reichen und auffallenden Blütenpracht im Frühling gehen Viele an den Bäumen vorbei, ohne sie als eigene Art zu erkennen. Die „Einheimischen“, die den Wert dieser wilden Obstpflanze als Rohstoff-Lieferant für Saft, Mus, Marmeladen, Gelees, Liköre und Schnaps noch kennen, nennen sie „Elexn“ oder „Ölexn“. Die Ort Alexenau am Attersee hat seinen Namen übrigens nach dieser Wildkirsche erhalten. In früheren Zeiten fand die Rinde medizinische Verwendung als Mittel gegen Gicht und Rheuma. In der Homöopathie wird der aus der Rinde gewonnene Extrakt als schmerzstillendes und stärkendes Mittel bei Kopfschmerzen, Herzbeschwerden, Mastdarmleiden und Magenstörungen verordnet. Der Gattungsname verrät uns, dass die Traubenkirsche mit Kirsche, Pfirsich, Mandel, Schlehe und Zwetschke verwandt ist; sie gehören alle zur Gattung Prunus.

Duft nach Bittermandel
Die Pflanzen zeichnen sich durch einen sehr intensiven und auch typischen Duft aus: jungen Blätter und die Rinde riechen nach Bittermandel, die Blüten verströmen eine eigenartigen, sehr charakteristischen Geruch. Die Traubenkirsche wächst meist einzeln oder in kleinen Gruppen als großer Strauch oder mittelgroßer Baum, der 15 bis 20 Meter hoch werden kann. Sie gilt als Grundwasserzeiger und kommt auf frischen bis feuchten, humusreichen Böden, insbesondere in Auwäldern sowie an Bach- und Flussläufen vor. Zeitweise Überschwemmungen werden toleriert.

Traubenkirsche schlägt Wurzeln
Ein großer Wert dieses Baumes liegt in der Fähigkeit der Wurzeln, durch ihr großes Ausschlagvermögen die Bachböschungen zu festigen und dadurch die erodierende Kraft des Hochwassers zu mildern. Forstlich hat die Traubenkirsche durch ihr wenig dauerhaftes Holz keine wirtschaftliche Bedeutung. Gemeinsam mit Hasel, Esche und Weiden wird sie allerdings gelegentlich zur Herstellung von Maipfeiferln aus Holz verwende, da sie zur richtigen Zeit (im Mai) das fachmännische Abziehen der vorgeklopften Rinde zulässt. Den Namen Traubenkirsche verdankt Prunus padus den bis 15 cm langen, hängenden, leuchtend weißen Blütentrauben und später die Früchte wie kleine schwarze Trauben am Stiel hängen.
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