11.05.2016, 12:52 Uhr

Pendler-Rennen - vom Öffi-Cockpit aus betrachtet :-)

Ich hab schon das Öffi-Ticket parat, Markus bereits den Fuß am Gaspedal... (Foto: Verena Silhanek)
Auf der ÖBB-App Scotty Mobil suchte ich mir die schnellste Öffi-Verbindung von Baden, Wienerstraße 89, der Bezirksblätter-Redaktion, zum Café Central in der Herrengasse 14 im ersten Wiener Bezirk. Mein "Konkurrent" war immerhin Kollege Markus Leshem, der - als einstiger Taxler-Profi - Schleichwege weiß und alles dran setzen wollte, mit dem Auto schneller zu sein, als ich mit der Bahn.
Scotty Mobil nannte mir den Bahnhof Baden, schneller Regionalzug, Umsteigen in die U6 in Wien Meidling zum Westbahnhof und von dort in die U3 zur Herrengasse.
Ich aber wählte den mir angenehmeren Weg.

Um die Parkplatzsuche beim Badener Bahnhof zu vermeiden, stieg ich in Pfaffstätten in die Schnellbahn ein - diese Version sollte laut "Scotty Mobil" 55 Minuten dauern. Parkplatz direkt vorm Bahnhof. Dann ein wenig zappeln auf Bahnsteig 2. Würde der Zug pünktlich um 8.48 Uhr kommen? Er kam. In Mödling wechselte ich - Geheimtipp einer langjährigen Bahnpendlerin sei Dank - den Zug. Stieg bequem innerhalb von zwei Minuten in die schnellere Regionalbahn um (Empfehlung einer Pendler-Expertin! :-) ) und fuhr bis Wien Mitte. Las ein wenig die Zeitung, checkte meine E-Mails am iPhone (Manchmal brach die Internet-Verbindung ab, was ein wenig nervte...). Die Zeit verging so schnell, dass ich nicht einmal in Versuchung kam, auch noch den Laptop aufzuklappen und etwas zu schreiben.

Den einzigen echten Stress machte mir während der insgesamt 40minütigen Bahnfahrt der Auto-Kollege. Ständig rief er an und fragte - "Wo bist du? Ich bin schon beim Matzleinsdorferplatz, ich bin schon vor dem Parlament, jetzt aber noch - wohin mit dem Auto? Aber es wird knapp!" Mein Siegeswille war angestachelt - auch, weil mir Öffis prinzipiell sympathischer sind als Autos. Aber ich konnte nichts beeinflussen.

In Wien Mitte stieg ich am falschen Ende des Zuges aus, der Umstieg in die U3 war nicht vorne, sondern "hinten". Ich begann zu laufen - ich wusste, es würde knapp werden, dieses Rennen gegen das Auto. Das Laufen sollte sich bezahlt machen, ich kam zur U3, die gerade einfuhr. Schnell rein in den ersten Waggon. Drei Stationen (via Stubentor, Stephansplatz) und fünf Minuten später - Ausstieg Station Herrengasse. Wieder war ich am falschen Ende des Zuges, wieder lief ich zum Aufgang Herrengasse. Eine Rolltreppe war kaputt. Aber was soll's, ein wenig Aufwärmen fürs Tennis heute Abend...

Oben auf der Straße angekommen, war es nur noch ein paar Schritte zum Café Central. Der Kollege war nirgends zu sehen, ich machte vorm Eingang mein Sieger-Selfie mit "Daumen hoch" und bestellte mir entspannt einen Einspänner.

Da vibriert mein Handy. Kollege Markus ist dran. "Ich bin schon da", sagt er triumphierend - soeben habe er sein Siegerfoto vor dem Eingang des Kaffeehauses gemacht. "Aber ich bin schon drin", schmunzle ich. Fazit: Öffi schlägt Auto - hauchdünn. 55 Minuten Zug gegen 57 Minuten Auto. Kollegen aus der Mödlinger Redaktion, die ihr Wettrennen eine Stunde früher starteten, zogen eine eindeutigere Bilanz: Auf der kürzeren Strecke schlug die Bahn im Morgenverkehr das Auto um eine halbe Stunde!

Und soeben kommt auch Kollege Rainer Hirss - ein wenig verschwitzt - ins Café Central: Er war nämlich - etwas früher gestartet und einfach nur weil er's wissen wollte - per Rad unterwegs. Er brauchte für die ca. 30 Kilometer lange Strecke von Baden nach Wien 1 schweißtreibende 86 Minuten bzw. 1 Stunde 26 Minuten. Den Mödlinger Autofahrer hätte er im Frühverkehr wahrscheinlich auch "besiegt".

Aber unterm Strich kann man zusammenfassen: Bei starkem Verkehr ist die Bahn im Nahverkehr einfach Trumpf, vorausgesetzt, man kennt exakt die Zugverbindungen und eventuell "geheime Parkplätze" in der Nähe von Bahnhöfen. Oder man fährt per Rad zum Bahnhof...
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