01.06.2016, 10:45 Uhr

Vöslauer legte Trinkbrunnen still

Viele Jahrzehnte erfreute sich dieser Trinkwasserbrunnen in den Badkolonnaden in Bad Vöslau großer Beliebtheit. Es kam - wie auf dem golden blitzenden Schild zu lesen ist - Vöslauer Heilwasser aus den Wasserläufen.
BAD VÖSLAU. Das Bild ist Geschichte: Aus einem historischen Trinkwasserbrunnen in den Badarkaden sprudelte Vöslauer Heilwasser aus der Quelle 1, die sich im Besitz der Firma Vöslauer befindet. Der Trinkwasserbrunnen war als kostenlose Wassertankstelle in der Bevölkerung sehr beliebt: Viele Menschen füllten hier kistenweise Flaschen mit dem kostbaren und gesunden Gratis-Nass auf, anstatt es im Supermarkt zu kaufen. Manchmal bildeten sich sogar Warteschlangen. Doch seit heuer ist der Brunnen trocken.
DI Herbert Schlossnikl, Vöslauer-Vorstand, erklärt: "Der Brunnen hatte ein technisches Gebrechen, eine Chance auf Wiedereröffnung gibt es im Moment nicht."
Dass Vöslauer mit dem kostbaren Wasser aber geizt - dagegen verwehrt sich Schlossnikl. Als Ersatz - "weil wir wollen, dass Vöslauer Mineralwasser den Menschen auch weiterhin gratis zum Trinken zur Verfügung steht" - wurde der bisherige Brunnen bei der Sauna umgebaut, "um daraus besser trinken zu können - und das 24 Stunden am Tag".
Der in der Bevölkerung geäußerten Idee, aus Wasserspargründen an den Brunnen einen Wasserhahn zu installieren, kann er nichts abgewinnen. "Bei einem Wasserhahn gelten hohe Hygienestandards für ein Mineralwasser. Man kann einen solchen daher nicht einfach installieren." Sämtliche Vöslauer Quellen sind im Eigentum von Vöslauer Mineralwasser AG. Im Gegenzug zur privatisierten Nutzung des Wassers profitiere Bad Vöslau touristisch. Schlossnikl zitiert eine Studie der Coroporate Communication Cluster Vienna gemeinsam mit Marketmind vom Herbst 2015: "99 Prozent der Befragten, die Bad Vöslau kennen, verbinden die Stadt mit dem Begriff Mineralwasser, 51 Prozent mit der Marke Vöslauer und 48 Prozent mit dem Thermalbad Vöslau. Die Bekanntheit auszubauen und weiter ins Thermalbad zu investieren", sei Ziel von Vöslauer, so Schlossnigl.

Wasserdruck im Test

Übrigens: Unsere Redakteurin testete persönlich den Wasserdruck im neuen Trinkbrunnen vor der Sauna. Zum Befüllen einer 1 Literflasche musste sie bis 35 zählen. Beim Befüllen der gleichen Wasserflasche unter dem Küchen-Wasserhahn zählte sie nur bis 16.

Das Interview im Wortlaut

BEZIRKSBLÄTTER: Warum ist der Brunnen stillgelegt? Er war eine beliebte „Abfüllstation“ und der Ersatzbrunnen beim Saunaeingang kann diese Funktion nicht ausreichend übernehmen.
DI HERBERT SCHLOSSNIKL: Leider ist auf Grund eines technischen Gebrechens der Trinkbrunnen unter den Arkaden des Thermalbads nicht mehr einsatzfähig. Dies ist uns bei der Re-Aktivierung des Brunnes Anfang des Jahres aufgefallen. Da Vöslauer auch weiterhin einen Trinkbrunnen zur Verfügung stellen wollte, wurde der bisherige Brunnen bei der Sauna umgebaut, um daraus besser trinken zu können. Sowohl der ehemalige Brunnen in den Arkaden als auch der neue Brunnen beim Saunaeingang sind als Trinkbrunnen gedacht.

Gibt es die Chance auf eine „Wiedereröffnung“?
Im Moment gibt es aus den oben genannten Gründen leider keine Chance auf eine Wiedereröffnung.

In der Bevölkerung wird diese Maßnahme der Firma Vöslauer, die immerhin mit Quellwasser aus Bad Vöslau große Geschäfte macht, als „Geiz“ hingestellt. Man will unterbinden, dass sich die Menschen „kistenweise“ das Wasser vom Brunnen holen. Wäre das tatsächlich so ein Verlust? Um Wasser zu sparen, könnte man ja auch einfach einen Wasserhahn installieren, der zum Auf- und Abdrehen wäre...
Sowohl der alte Brunnen, wie auch der neue Brunnen bei der Sauna sind Trinkbrunnen. Es war uns wichtig, dass Vöslauer Mineralwasser den Leuten auch weiterhin zum Trinken frei zur Verfügung steht. Das hat sich auch mit dem neuen Trinkbrunnen nicht geändert. Bezüglich Wasserhahn: Auch hier gelten hohe Hygienestandards für ein Mineralwasser. Man kann einen solchen daher nicht einfach installieren.

Des Weiteren wird kritisiert, dass Wasser eine öffentliche Ressource sein sollte, die allen Menschen zur Verfügung steht. Wie stehen Sie zur laufenden Debatte um eine Privatisierung des Wassers - sehen Sie sich da in Bad Vöslau als Vorreiter?

Wasser steht den Menschen in Bad Vöslau als öffentliche Ressource zur Verfügung. Der Trinkbrunnen vor der Sauna ist rund um die Uhr für alle Menschen zugänglich.

Wie sehen die „Besitzverhältnisse“ von Vöslauer in Bezug auf die hiesigen Quellen aus? Ist Vöslauer Eigentümer oder Pächter oder Dauerpächter. Und was bringt dies (finanziell, materiell) der Stadt Bad Vöslau?

Eigentümer sämtlicher Quellen ist die Vöslauer Mineralwasser AG (Vöslauer ist kein Pächter). Vöslauer ist ein stabiler Arbeitgeber mit 193 MitarbeiterInnen und ist eng mit dem Standort Bad Vöslau verbunden. Der Ort, die Quelle, die Region sind ein wesentlicher Teil der Identität von Vöslauer. Vöslauer würde es ohne Bad Vöslau und die Quelle nicht geben und umgekehrt wären der Ort und die Region ohne Vöslauer nicht das, was sie sind. Das zeigen auch die Ergebnisse einer Studie des Corporate Communication Cluster Vienna gemeinsam mit Marketmind (Herbst 2015). Daraus geht hervor, dass 99 Prozent der Befragten, die Bad Vöslau kennen, die Stadt mit dem Begriff Mineralwasser, 51 Prozent mit der Marke Vöslauer und 48 Prozent mit dem Thermalbad Vöslau verbinden. Vöslauer ist sich seiner Verantwortung bewusst und nutzt das Thermalbad Vöslau als Herzstück, im Sinne des Unternehmens und der Region, bestmöglich. Die Bekanntheit auszubauen und weiterhin in das Thermalbad Vöslau zu investieren ist ein wichtiges Ziel für die Zukunft von Vöslauer.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.