23.05.2016, 19:21 Uhr

Was wirklich "spaltet"

Zum Jubel besteht nach diesem Auszählkrimi kein Grund, schon gar nicht für den neuen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen. Und der ganzen "Hautevolee", die ihn unterstützt hat, tut jetzt auch einmal Demut gut.
Dass Van der Bellen gewonnen hat, ist angesichts des hauchdünnen Ergebnisses mit 30.000 Stimmen Vorsprung bei über 4 Millionen gültigen Stimmen auch Glück. Denn Österreichs Landkarte - auch die im Bezirk Baden - ist eigentlich eindeutig blau. Wie ein Damoklesschwert schwebt diese Tatsache über Van der Bellens "Sieg".
Will heißen: Unser neuer Bundespräsident verdankt sein neues Amt dem eher weltoffenen und weniger ängstlichen städtischen Bürgertum und Volk. Er verdankt es denen, denen es vielleicht etwas "besser" geht, die noch etwas zu verlieren haben - und sei es nur ein wenig Prestige.
Die, die nichts (mehr) zu verlieren haben, die stundenlang pendeln müssen, keinen Greißler mehr im Ort haben und monatelang auf Arzt- und Operationstermine warten müssen und sich keine fair gehandelte Mode, keinen Schulschikurs und kein Biokisterl leisten können, die gilt es jetzt zu stärken. Die weitere Spaltung zwischen Arm und Reich, das Auseinanderdividieren von Tüchtigen und Schwächlingen, von Fremden und Einheimischen, muss gestoppt werden.
Wichtiger als die Person des Bundespräsidenten sind da Signale aus dem Parlament, aus der Gesetzgebung, es braucht eine neue Gesprächskultur, in der niemand ausgegrenzt wird - Flüchtlinge ebenso nicht wie Hofer-Wähler. Van der Bellens erste Kurzrede am Montag Abend war ein diesbezüglicher Hoffnungsschimmer.
Es braucht ein Bekenntnis zur Stärkung all jener, die schon fast nichts mehr haben - unter dem Motto: Gebt uns unser (Steuer)Geld zurück! Die Politik darf nicht länger vor den Konzernen w.o. geben, deren Chefs nicht gewählt werden, niemandem Rechenschaft ablegen müssen und die Milliarden nach Panama & Co verschieben. Dort, und nicht in den Massengräbern im Mittelmeer, und nicht in polarisierenden Bundespräsidentschaftswahlkämpfen, sind die Ursache der wirklichen "Spaltung der Gesellschaft".
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Günther Lassi aus Gmünd | 24.05.2016 | 11:40   Melden
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Gabriela Stockmann aus Baden | 24.05.2016 | 11:53   Melden
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