23.04.2016, 19:39 Uhr

"Das ist keine Freunderlwirtschaft"

FPÖ-Vizebürgermeister erhält Auftrag zur Sanierung des Gemeindesaales.

KOTTINGBRUNN. Ein Schelm, der denkt, es könnte sich um Freunderlwirtschaft handeln, wenn Vizebürgermeister Klaus Windbüchler (FPÖ) - im FirmenABC der Wirtschaftskammer als "Möbelhändler" ausgewiesen - den Auftrag erhält, den Gemeindesaal eher oberflächlich zu renovieren. Sprich - Teile des Parketts zu erneuern, das Foyer mit neuem Filzboden auszustatten, neu auszumalen, Lampen zu reinigen, die WCs umzubauen und sonstige Kleinstarbeiten durchzuführen. Die Arbeiten wurden in der letzten Gemeinderatssitzung bei Windbüchler in Auftrag gegeben - um 26.400 Euro brutto. Es habe ("wieder einmal") kein Gegenangebot gegeben, kritisiert SPÖ-Geschäftsführer Andreas Kieslich. Bürgermeister Christian Macho (ÖVP): "Stimmt nicht, es gibt noch ein weiteres Anbot, das aber um 15.000 Euro teurer ist." Noch vor einigen Jahren standen für eine grundlegende Gemeindesaal-Sanierung 80.000 Euro "im Raum".

Bemüht um Transparenz

Macho betont, dass ihm bewusst war, dass diese Auftragsvergabe als "Freunderlwirtschaft" verstanden werden könnte. Deshalb habe man sich besonders um Transparenz bemüht und schon im Vorfeld gecheckt, wieviel Geld in der Vergangenheit für diverse Instandhaltungsarbeiten im Gemeindesaal investiert wurden - und man kam zum Schluss, dass Windbüchlers Angebot "preisangemessen" sei.

Windbüchler ist Möbelhändler

Die Kompetenz von Windbüchler steht für Macho außer Zweifel: "Man kann sagen, er ist ein Raumausstatter", sagte der den Bezirksblättern, "er arbeitet mit Subunternehmen zusammen." Mit Pfuschern etwas? "Aber nein, es sind renommierte Firmen wie Installateur Saip, Elektrotechnik Leitner und Klapper".
Warum es keine fundiertere Sanierung des Gemeindesaals gibt, liegt eher daran, dass seine zukünftige Nutzung noch unklar ist. Geplant ist, alle sportlichen Aktivitäten aus dem Gemeindesaal nach Abschluss der Volksschulsanierung oder des Neubaus in die dortige Veranstaltungshalle zu verlegen. "Und wir müssen auch noch abwarten, wie sich das Zentrum von Kottingbrunn entwickeln wird", sagt Macho.

Mehrheit für diese Auftragsvergabe

Windbüchler selbst zweifelt nicht daran, die geplante Gemeindesaal-Sanierung bestens durchführen zu können - und er steht auch zu der Billigvariante. "Jeder weiß, dass so ein alter Bau, wenn man ihn ganz aufmacht, ein Fass ohne Boden werden könnte, das mehrere 100.000 Euro auch verschlingen könnte."
Im Gemeinderat stimmten 6 Personen gegen die Auftragsvergabe, vier enthielten sich - die Mehrheit war jedoch dafür. Während der Debatte war Windbüchler - er ist auch Vorsitzender des Bauausschusses - im Gemeinderat anwesend, mitstimmen durfte er aus Befangenheit aber nicht.
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