Raiffeisenbank Reutte: Rückblick auf das Geschäftsjahr 2011
REUTTE. Das Jahr 2011 stand sehr im Banne der Schuldenkrise im Euro-Raum. Die unzähligen Diskussionen um die Zukunft Griechenlands, die immer schwieriger zu bewältigende Schuldenlast der Euro-Staaten sowie die negativen Realzinsen sorgten für ein nachlassendes Vertrauen bei den Anlegern.Die Geschäftseinheit „Regionalbank“, mit ihrem Fokus auf die Lebens – Finanz – Dienstleistung zeigte sich davon unbeeindruckt und kann auf ein äußerst zufrieden stellendes Jahr zurückblicken. „Gekrönt wurde dieses mit einer zweifachen „Victor“-Auszeichnung bei einem der bedeutendsten Test von Banken in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol“, freut sich Christian A. Frick, zuständiger Regionalbank-Geschäftsleiter.
Ganz anders das Bild bei den Vermögensanlageeinheiten Bankhaus Jungholz in Österreich und der Schweiz sowie dem 2010 erworbenen Stuttgarter Bankhaus Bauer. „Die Nachfrage nach hochwertigen Private Banking-Dienstleistungen, eine Domäne unserer Bank, hat in den letzten Jahren einen erheblichen Einbruch erfahren“, so Johannes Gomig, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Reutte.
Viele, vor allem deutsche Kunden bevorzugen in der jetzigen Phase die Anlage in Festgeldern und Sparbüchern. Gerade Banken in Deutschland versuchen ihre aus den gestiegenen Basel II-Anforderungen resultierenden Liquiditätsprobleme mit hohen Zinssätzen für Kundeneinlagen in den Griff zu bekommen. Da die Raiffeisenbank Reutte mit ihrer guten Liquiditätssituation nicht gewillt ist, diesen Zinswettbewerb mitzumachen, fließen seit einigen Jahren beträchtliche Anlagegelder ab.
„Der Konzern Raiffeisenbank Reutte hat aktuell drei Herausforderungen zu bewältigen: Sinkende Erträge aus Vermögensberatung und -verwaltung, geringere Zinserträge für die überschüssigen Gelder der Bank und eine seit Jahren existente Reduzierung des Kunden-Geschäftsvolumens“, so der für die Finanzen zuständige Vorstand Ralf Götz. Reduzierungen im Aufwandsbereich sind für ihn die logische Folge. Mit ein Grund für den Entschluss der Geschäftsleitung, die für das aktive Bearbeiten des deutschen Marktes 2006 gegründete Bankhaus Jungholz International Private Banking AG aufzulösen. Durch den Kauf des Bankhauses Bauer werden die Kräfte in Stuttgart gebündelt.
Standortvorteile, wie etwa das Bankgeheimnis in Österreich oder der Schweiz, spielen in der Zukunft keine Rolle mehr. Die Bank rechnet damit, dass auch für Österreich wahrscheinlich ab 2014 der automatisierte Informationsaustausch innerhalb der EU gelten wird. Das derzeit anonyme Einheben einer 35 %igen EU-Quellensteuer – eine Errungenschaft aus dem Jahr 2000 – würde damit aufgehoben werden. Die Schweiz steht vor der Umsetzung eines Besteuerungsabkommens mit Deutschland, das bereits Österreich mit den Eidgenossen abgeschlossen hat.
Die Bank will sich mit ihren Vermögensanlageeinheiten in den drei Ländern Österreich, Deutschland und Schweiz klarer positionieren und sich damit noch stärker von ihren Mitbewerbern, vor allem Banken aus Deutschland, unterscheiden. „Wir werden unseren ausgefeilten Beratungsprozess um wichtige Module erweitern und so den Mehrwert für den Anleger markant steigern“, so Johannes Gomig zum für die Bank wichtigsten Element im Private Banking.
Das Bankhaus Jungholz wurde für seine hervorragende Beratungsqualität beim größten Test von Vermögensverwaltern im deutschsprachigen Europa, dem Elite Report der Finanzfachzeitschrift „Handelsblatt“, zum 9. Mal in Folge mit dem Premiumprädikat „Summa cum laude“ ausgezeichnet.
Das Kunden-Geschäftsvolumen erfuhr im Jahr 2011 eine Reduzierung um 8 % auf EUR 3 Milliarden. Der Rückgang beim Betriebsergebnis auf EUR 1,3 Mio. bringt die nicht immer einfachen Rahmenbedingungen zum Ausdruck, mit denen sich die Raiffeisenbank Reutte mit ihren Tochterbanken derzeit auseinander setzt.
Die Bilanzsumme liegt mit EUR 696 Mio. nur unwesentlich unter der des Vorjahres. „Mit Eigenmitteln von EUR 108 Mio. und einer Solvabilitätskennziffer von rund 22 % überschreitet die Raiffeisenbank Reutte die gesetzlich vorgeschriebene Quote von 8 % beinahe um das Dreifache. Das lässt uns in dieser Hinsicht beruhigt den schärferen Eigenmittelbestimmungen von Basel III entgegensehen“, so Ralf Götz. „Auch kann die Bank damit unter Bedacht auf das Wohl aller Anspruchsgruppen die Arbeit an einer Neuausrichtung ohne die besagten Standortvorteile fortsetzen“, so der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Moosbrugger.
Bei der Generalversammlung am 26. Juni 2012 wurden die turnusmäßig ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Wolfgang Moosbrugger (AR-Vorsitzender), Mag. Gerhard Mader (stv. AR-Vorsitzender) und Walter Pittracher für eine Periode von vier Jahren wiedergewählt. Roland Schweißgut schied aus dem Aufsichtsrat aus.





