Der Wirtschaftsbund fordert das Schulfach "Berufsorientierung" und will die duale Ausbildung noch mehr vorantreiben.
BEZIRK (höll). Aktuell gibt es in Oberösterreich rund 24.000 Lehrlinge – im Bezirk sind es 1756. Laut Studien, soll die Zahl der Lehranfänger in den nächsten 14 Jahren auf knapp die Hälfte sinken. Grund dafür seien die sinkende Geburtenrate und der Trend zu höherer Bildung, heißt es vom Wirtschaftsbund. Dieser hat vergangene Woche einen Antrag beim Wirtschaftsparlament eingereicht und fordert darin das Schulfach "Berufsorientierung", eine Basisausbildung für deren Lehrer und eine verpflichtende Potentialanalyse für Schüler in der siebenten Schulstufe. Die BezirksRundschau sprach mit WB-Bezirksobmann Klemens Steidl.Die Zahl der Lehranfänger im Bezirk Braunau steigt wieder. Warum dieser Antrag?
Klemens Steidl: Braunau ist ein Vorzeigebezirk. Nur in zwei Bezirken in Oberösterreich gibt es einen Lehranfängerzuwachs. Es ist dringend notwendig, dass die duale Ausbildung aufgewertet wird und, dass wir die potentiellen Lehranfänger schon viel früher abholen als bisher.
Wie stellt sich der Wirtschaftsbund das vor? Mit einem Schulfach "Berufsorientierung"?
Steidl: Unter anderem, ja. Wichtig ist vor allem, dass die Kinder bereits ab der siebenten Klasse mit der Wirtschaft in Berührung kommen. Wir haben in Mattighofen gerade ein Projekt gestartet, dass genau in diese Richtung geht. Wir zeigen den Kindern und deren Eltern schon in der siebenten Klasse, welche Betriebe und Ausbildungsmöglichkeiten es in ihrer Region gibt - und das zusammen mit diesen Betrieben vor Ort.
Im Mai waren im Bezirk 44 Lehrstellen beim AMS ausgeschrieben – 37 junge Menschen waren als Lehrstellensuchend gemeldet. Wo liegt das Problem?
Steidl: Neigung und Eignung – das sind die Schlüsselwörter. Nicht jeder Jugendliche, der gerne eine bestimmte Lehre machen möchte ist auch dafür geeignet. Deshalb fordern wir auch eine verpflichtende Potentialanalyse in der siebenten Schulstufe. Je früher die eigenen Stärken und Schwächen herausgefunden werden, umso besser kann die Unterstützung bei der Berufswahl sein.
"Rauben" die höheren Schulen den Betrieben die Lehrlinge?
Steidl: Es stimmt: Die Aufnahmebedingungen in höheren Schulen sind einfacher geworden. Heute werden auch Kinder mit einem durchschnittlichen Zeugnis aufgenommen. Teilweise hören zwei Drittel nach der ersten Klasse in einer höheren Schule wieder auf. Diese Jugendlichen dann aufzufangen und in eine Lehre zu bringen ist nicht mehr so einfach. Wir müssen am Image der Lehre arbeiten und das Modell "Lehre mit Matura" weiter propagieren. Wir sind selbst schuld. Zu lange Zeit haben wir die Lehre schlecht geredet.
Ist das nicht Widerspruch in sich, wenn die Jugendlichen eine "Lehre mit Matura" machen und dann als ausgelernte Fachkräfte studieren gehen?
Steidl: Gar nicht. Die Matura muss nicht das Studium zum Ziel haben. Oft werden auch höhere Positionen im Lehrbetrieb angestrebt. Die Unternehmen wollen ihre Fachkräfte wieder vermehrt selbst aus- und weiterbilden. Die "Lehre mit Matura" ist ein das dieser Entwicklung gerecht wird.







