23.06.2016, 18:43 Uhr

Schwungvolles Konzert des Orchesters der Musikfreunde Braunau-Simbach

(Foto: Nemmer)
Der Saal der Musikschule in Ranshofen war bestens gefüllt, obwohl die Matinee am 19. Juni schon um 10.30 Uhr begann. Auf dem Podium stand ein Bösendorfer-Flügel, um den sich die Musikerinnen und Musiker drängten. Auf den Pulten lagen Noten, die so manches Profiorchester fordern. Es ist immer wieder bewundernswert, mit wie viel Leidenschaft, Spielfreude und Können sich die Musikfreunde im großen symphonischen Repertoire bewähren. Zum altgedienten Streicherkern des Orchesters sind in letzter Zeit etliche junge Mitglieder gestoßen. Wie schön, das lebendige Spiel der Generationen zu sehen, die sich in der Musik prächtig verstehen.

Mario el Fakih Hernández, aus Kuba stammender Absolvent der Dirigentenklasse an der Universität Mozarteum Salzburg, hat das Orchester in den beiden vergangenen Saisonen als Probenleiter charmant und perfekt trainiert. Im Herbst wird er sein erstes Engagement am Nationaltheater Weimar antreten und verabschiedete sich in diesem Konzert mit einem famosen, zu recht bejubelten Auftritt als Pianist. Da zeichnet sich wohl eine Doppelkarriere als Dirigent und Pianist ab. Wer derart stilsicher, elegant und tonschön J. S. Bachs d-Moll-Konzert spielen, wer mit derart viel Schwung und Gefühl und noch dazu technisch ohne Fehl und Tadel George Gershwins „Rhapsody in Blue“ interpretieren kann, der sollte dem Instrument treu bleiben. Die Partnerschaft mit dem liebevoll mitatmenden, die Lautstärke klug dosierenden Dirigenten Markus Fohr, klappte hervorragend. Das Orchester sorgte in beiden Fällen für seelenvolle Begleitung und steuerte viele eigene Farbtupfer bei, besonders in den Holzbläsern.

Zwischen Bach und Broadway liegt erstaunlicherweise Bayreuth – die sehnsuchtvoll offene Chromatik des Tristan-Akkords korrespondiert überraschend gut mit den „blue notes“ des symphonischen Jazz. Mit Richard Wagners Vorspiel zu „Tristan und Isolde“ hatte sich das Orchester die Latte hoch gelegt und übersprang sie mit Bravour und viel Gespür für satte, romantische Klangwelten.

Das glanzvolle Finale bildete die Suite aus Gershwins Oper „Porgy and Bess“. Da fanden Maestro Fohr und die Seinen zu einer mitreißenden Mischung aus Dramatik, Melodienzauber und swingender Rhythmik. Dies zündete so, dass es gleich noch einmal erklingen musste. Man freut sich schon jetzt auf das Silvesterkonzert und auf das Jahr 2017, in dem Markus Fohr sein 25-Jahr-Jubiläum am Pult des Orchesters feiern wird.

Rezension von Paul Kornbeck
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