17.05.2016, 12:00 Uhr

Genießbares landet zu oft in der Tonne

Wer nicht verschwenderisch mit Lebensmittel umgehen möchte, kauft bewusst und nicht zu viel ein. (Foto: dkfotowelt/panthermedia.net)

Lebensmittelverschwendung kostet jeden Einzelnen etwas, schadet der Umwelt und dem Klima.

BEZIRK (ebba). In Oberösterreichs Haushalten werden jährlich rund 15,6 Kilogramm Lebensmittel pro Person in die Restmülltonne geworfen, hochgerechnet auf ganz OÖ sind das 22.500 Tonnen Lebensmittelmüll im Jahr. Der Wert weggeworfener Lebensmittel pro Haushalt entspricht rund 300 Euro.

Wir haben uns zu einer Wegwerfgesellschaft entwickelt. Täglich landen viele Lebensmittel, die noch genießbar wären, in den Mülltonnen der Verbraucher. Aus diesem Grund hat die EU-Kommission zum Thema gemacht, das irritierende Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) bei lang haltbaren Lebensmitteln abzuschaffen. Das Wegwerfen abgelaufener, jedoch noch zum Verbrauch geeigneter Produkte, soll so eingedämmt werden.

Viele Konsumenten wissen zu wenig Bescheid über das Mindesthaltbarkeitsdatum ("mindestens haltbar bis"). "Es ist kein Verfallsdatum", betont Ernährungsberaterin Elisabeth Ortner vom Krankenhaus Braunau. "Die Waren verderben nach Ablauf dieses Datums nicht schlagartig. Es kann allerdings sein, dass es beim Produkt durch eine längere Lagerung zu Qualitätsabstrichen kommt", erklärt Ortner. Die Verbrauchsfrist, die mit "Zu verbrauchen bis" auf leicht verderblichen Produkten wie Milch oder Frischfleisch angegeben wird, ist hingegen ernst zu nehmen, so Ortner. Hier kann der Verzehr nach dem Datum die Gesundheit gefährden.

Auf Sinne verlassen

Wird das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, gilt für den Konsumenten Folgendes: Richtig gelagerte und ungeöffnete Lebensmittel (z. B. Reis, Nudeln, Mehl) halten länger. Kontrollieren Sie Aussehen, Geruch und Geschmack kritisch, bevor Sie gewisse Produkte (wie Wurstwaren und Milchprodukte), die das MHD überschritten haben, essen. Bei Produkten wie Brot kann es zur Schimmelbildung kommen, dies ist dann gesundheitsgefährdend. Wenn ein Joghurt richtig gekühlt wird, hält es auch noch mehrere Tage nach Ablauf des MHD.

"Wir können fast rund um die Uhr einkaufen und es gibt viele Angebote, die zum Mehreinkauf verleiten. Ich finde, wir Konsumenten sollten kritischer einkaufen und mehr auf die Qualität der Ware achten, als auf die Menge", meint die Ernährungsexpertin, und ergänzt: "Ein Verbrauchsdatum finde ich als Orientierung trotzdem gut, denn viele Lebensmittel verlieren, auch wenn sie noch zum Verzehr geeignet sind, an Qualität. Ich rate zu einer vernünftigen Vorratshaltung. Gelagerte Produkte sollten regelmäßig kontrolliert werden."

Für Georg Steidl, Verbandssekretär beim Bezirksabfallverband Braunau, resultiert Lebensmittelverschwendung aus unseren Lebensgewohnheiten. "Früher hat man daran gerochen, um zu ermitteln, ob etwas noch in Ordnung ist. Aus Sicht der Abfallwirtschaft ist es sinnvoll, das Mindesthaltbarkeitsdatum abzuschaffen, welches viele Konsumenten dazu verleitet, Produkte zu früh zu entsorgen. Viele schmeißen Lebensmittel aber auch weg, weil sie schlicht nicht wissen, was sie damit anfangen sollen."

Demnach sollten Konsumenten weniger und bewusster einkaufen. "Das Problem fängt jedoch schon in der Produktion an und nicht erst im Einzelhandel. Wenn etwas nur die falsche Form hat, gelangt es gar nicht erst auf den Markt." In der Restmülltonne haben Lebensmittel übrigens überhaupt nichts verloren, betont Steidl. "Wenn, dann in die Biotonne damit!"
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