18.10.2016, 10:38 Uhr

Speis und Trank für Obdachlose in der Brigittenau

Karl-Heinz Koschutnig ist eigentlich schon in Pension. Dennoch zaubert er täglich Gerichte für Obdachlose.

In der Brigittenauer Pfarre Allerheiligen/Zwischenbrücken wird täglich für Bedürftige aufgekocht.

BRIGITTENAU. Um die fünf Grad Celsius hat es derzeit in den Nächten in Wien, es geht gegen Null. Die warmen Daunendecken werden bezogen und ein warmer Tee schmeckt am Abend besser als ein kühles Getränk. Was für die einen Vorfreude auf den Winter bedeutet, ist für andere eine existenzielle Bedrohung – für Menschen, die keine Wohnung haben, die auf der Straße leben.

Und davon gibt es in Wien viele – Schätzungen gehen davon aus, dass jede Nacht einige Hunderte Menschen kein Bett haben. Offizielle Zahlen gibt es nicht, da sich Wohnungslosigkeit im Schatten jeglicher Statistik abspielt. Damit auf den Brigittenauer Straßen in diesem Winter niemand erfriert, gilt es jetzt, Vorkehrungen zu treffen, also: Plätze zu finden, wo es beispielsweise eine warme Mahlzeit gibt.

Pfarre speist Arme

Eine Insel der Seligen ist die Pfarre Allerheiligen/Zwischenbrücken. Ganz die christliche Nächstenliebe lebend, gibt es im Pfarrsaal seit Jahren eine Armenspeisung. Hier kocht Karl-Heinz Koschutnig täglich Essen für die, die sich keines leisten können. Am Programm heute: Wurstnudeln mit Salat und literweise Früchtetee. Von Montag bis Freitag können Obdachlose im Pfarrsaal zwischen 10 und 12 Uhr speisen, wie es ihnen beliebt. "Wir haben jeden Tag an die 25–30 Personen, und wenn es richtig kalt wird, mehr, die bei uns eine Mahlzeit einnehmen", sagt der 65-jährige Hobbykoch. Eigentlich ist er schon in Pension. Doch so lange es noch geht, will er weiterarbeiten. Auch im Kloster der kleinen Schwestern vom Lamm in der Dammstraße ist eine Armenküche angedacht.

Quartiere fehlen im 20.

Übernachten können Obdachlose in der Brigittenauer Pfarre jedoch nicht. Im 20. Bezirk findet sich derzeit keine einzige diesbezügliche Schlafstätte. Um eine warme Unterkunft zu ergattern, müssen auch Brigittenauer Obdachlose zum Beispiel in die "Gruft" nach Mariahilf pilgern. Das Notquartier in der Barnabitengasse ist die älteste Einrichtung für obdachlose Menschen in Wien. Seit knapp 30 Jahren stehen dort warmes Essen, ein Schlafplatz, Kleidung und eine Dusche zur Verfügung. Derzeit arbeitet die Stadt Wien daran, mehr Plätze für Obdachlose zu schaffen – zwischen 500 und 600 zusätzliche soll es ab Anfang November im Rahmen des sogenannten "Winterpakets" des Fonds Soziales Wien (FSW) geben. Diese werden auch dringend benötigt, denn schon jetzt sind die regulären 300 Plätze in Nachtquartieren für obdachlose Menschen größtenteils vergeben.

Für Winterpaket spenden!

Insofern sind auch Initiativen abseits von Schlafplätzen wichtig – wie etwa das "Gruft-Winterpaket" der Caritas: Um 50 Euro kann man einen Schlafsack und warmes Essen spenden. Auch das Kältetelefon wird ab Anfang November wieder aktiv sein: Wer bemerkt, dass ein Mensch friert, kann unter 01/4804553 unkompliziert helfen.
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Berlie Leo20 aus Brigittenau | 30.10.2016 | 14:46   Melden
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