28.06.2016, 19:27 Uhr

Zu wenig: 28 Cent für ein Liter Milch

Karl Krammer ist Milchbauer in Wolfsthal und der östlichste Rinderzüchter Österreichs: "Ich finde den Trend zur Regionalität sehr gut! Die Konsumenten wollen wissen, woher ihre Lebensmittel kommen."

Landwirte und Bauern sind die Nahversorger am Land. Sie erzeugen tolle Produkte, erzielen aber schlechte Preise.

WOLFSTHAL. Die Bezirksbauernkammer Bruck und Schwechat präsentierte jüngst ihre neuesten Zahlen. Der heutige Kammerbezirk Bruck/L.-Schwechat besteht aus dem Verwaltungsbezirk Bruck und zusätzlich aus dem Gerichtsbezirk Schwechat, einem Teil des Verwaltungsbezirkes Wien-Umgebung. Er beinhaltet somit die Bereiche der ehemaligen Bezirksbauernkammern Bruck, Hainburg und Schwechat.

Zahlen der Bauernkammer

Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche von 45.200 Hektar wird von 820 Betrieben bewirtschaftet. Der Anteil der Biobetriebe liegt bei etwa elf Prozent. Die durchschnittliche Betriebsgröße beträgt 56,5 Hektar. Als häufigsten Betriebstyp findet man den reinen Ackerbaubetrieb, gefolgt vom Acker-Weinbaubetrieb und den reinen Weinbaubetrieben. Der Anteil der tierhaltenden Betriebe liegt unter 20 Prozent.

Ab Hof in Wolfsthal

Höfleins Bürgermeister Otto Auer ist Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich und nennt einen der wenigen tierhaltenden Betriebe im Bezirk: "Karl Krammer in Wolfsthal ist erfolgreicher Rinderzüchter und Milchbauer, ein Vorzeigebetrieb in der Region. Er betreibt auch einen Ab Hof-Verkauf mit Milch und Milchprodukten."

Familienbetrieb

Der Betrieb in der Hauptstraße 11 präsentiert sich als alter Streckhof. Im "Stammsitz" der Familie wohnt die 83-jährige Oma mit den Enkeln, die allesamt im Betrieb mitarbeiten. Karl Krammer leitet mit seiner Gattin Manuela die "Wolfsthaler Milchprodukte" mit 30 Milchkühen, die die Freilaufstallhaltung genießen.

30 glückliche Kühe

"Wir haben 1998 auf die freie Haltung umgestellt, weil uns die Erfahrung gezeigt hat, dass angebundene Tiere wesentlich krankheitsanfälliger sind, die Geburten sind deutlich komplizierter, die Kuh leidet unter dieser Haltung. Unsere älteste Kuh ist bereits 16 Jahre alt, das ist in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit. Sie hat gerade ihren 100.000. Liter Milch gegeben, ist topfit und lebensfroh. Wir hatten noch nie so eine alte, aber gleichzeitig so wertvolle Kuh", berichtet Karl Krammer stolz.

Erschreckender Preisverfall

Mit seinen Kühen hat Krammer keine Sorgen, wohl aber mit dem Preisverfall der Milch: "Gegen Ende der 1970er-Jahre lag der Milchpreis auf dem selben Niveau wie heute, rund 28 Cent ist der Liter Milch wert, wenn ich ihn der Molkerei verkaufe. Doch die Konsumenten wissen immer mehr die Regionalität zu schätzen, darüber bin ich sehr dankbar. Das ermöglicht mir, meine Produkte beispielsweise im Lagerhaus Bruck, bei Adeg und Spar anbieten zu können."
Ab Hof ist der Einkauf täglich von 7 bis 11 Uhr und von 17.30 bis 19 Uhr möglich.
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