05.10.2016, 13:49 Uhr

Vom Bauernbub zum Doppeldoktor

Dr. Mag. Rudolf Gstättner: Knapp vor seiner Pensionierung schreibt er noch an seiner zweiten Doktorarbeit.

Start der Serie "Typisch Original": Rudolf Gstättner ist eigentlich ziemlich untypisch. Dieser Lebenslauf ist einzigartig.

Intro:
Mit heutigem Tag starten wir in der WOCHE-Mürztal mit der Serie „Typisch Original“ (Siehe dazu Seiten 6/7). Wir haben in der Hochsteiermark eine wunderschöne Landschaft, herausragende Unternehmen, vielschichtige Dörfer und Städte – und ganz besonders:einzigartige Menschen, die unser Leben bereichern. Mit der Kraft unserer Worte versuchen wir, Menschenbilder zu zeichnen. Menschen aus unserer Region, die es Wert sind, bei uns in die Zeitung zu kommen. Dies können sein: Künstler, Historiker, Einsiedler, Initiatoren, Vereinsobleute, Buchautoren, Erfinder, Weltenbummler, Sammler, Lebenskünstler, Taugenichtse und Hüttenwirte.
Den Auftakt machen wir nicht zufällig mit dem Mitterdorfer Rudolf Gstättner. Sein unglaublicher Lebenslauf hat uns erst zu dieser Serie animiert. Schon dafür gebührt ihm ein herzliches Dankeschön.

Vom Bauernbub zum Doppeldoktor

Nachname: Gstättner; Vorname: Rudolf;
Wohnort: Mitterdorf, jetzt St. Barbara;
Beruf: Musikschullehrer, demnächst Pensionist.

Was soll daran "Typisch Original" sein?

Das Bemerkenswerte und Originelle liegt in der Vita des Rudi Gstättner: vom Bauernbub zum Doppeldoktor.
Rudolf Gstättner ist als Bauernbub in Pogier aufgewachsen. Nach Volks- und Hauptschule folgte die Lehre zum Radio- und Fernsehtechniker. Danach kam der Militärdienst: 14 Monate bei der Militärmusik – eine prägende Zeit. Danach der berufliche Alltag: Industrieelektriker bei Breitenfeld in Mitterdorf. Nachdem Rudi Gstättner bei Arbeitsunfällen drei Mal dem Tod nur knapp entronnen ist, warf er das Handtuch. "Zuletzt haben glühend heiße Tropfen von Wasserstoffexplosionen meinen Asbest-Anzug durchlöchert, aber von der Firma gab es keinen neuen Anzug – da habe ich gekündigt", erzählt Rudi Gstättner. Jetzt der Bruch im Lebenslauf:
Er begann bei Niedermeyer in Graz zu arbeiten. "Nach drei Wochen musste ich zum Chef, zum alten Niedermeyer." Statt der erwarteten Kündigung die Frohbotschaft: Er solle den Aufbau der Filiale in Kapfenberg organisieren, später auch leiten. Rudi Gstättner arbeitete sich schließlich bis zum Filialleiter und Filialinspektor hoch. Dann der Bruch im Lebenslauf.

1986 wieder Einrücken zum Bundesheer: Das Militär brauchte Musikoffiziere. Ohne Matura musste Gstättner den Umweg über die Unteroffizierslaufbahn nehmen. Nebenher die Ausbildung zum Gebirgsjäger und parallel die Matura nachgeholt sowie Musikschulstudium begonnen. Jetzt wieder der Bruch im Lebenslauf:
Der legendäre Krieglacher Musikschullehrer Rudi Zangl rief. "Ich hatte noch nicht einmal die Lehrbefähigungsprüfung abgelegt, habe ich bereits in der Musikschule Krieglach gearbeitet. Zwei Jahre später unterrichtete ich in der Musikschule Kindberg." Soweit der berufliche Werdegang des Rudolf Gstättner.

Der musikalische Weg ist nicht weniger spektakulär. "Schon mit sieben Jahren habe ich im Musikverein Pogier gespielt, mit elf Jahren bei der Stadtkapelle Kapfenberg, seit 1976 bin ich Mitglied der Mitterdorfer Trachtenkapelle." Bereits mit 13 Jahren war Rudi Gstättner Mitglied der Tanzmusik "Pogierer Buam". Danach spielte er bei verschiedenen Oberkrainer-Partien und bei den "Mürztaler Spatzen". 1998 hat Rudolf Gstättner mit Elisabeth und Klement Feichtenhofer die "Sonntagsmusi" gegründet, den legitimen Nachfolgern des Edler Trios. Gstättner spielt auch in verschiedenen Ensembles der Musikschule Kindberg.

Der ewige Forscher

Rudi Gstättner ist auch Musik- und Volkskundler sowie Kulturschaffender. Er hat den Doktortitel in Musikwissenschaft und schreibt derzeit an der Doktorarbeit für europäische Ethnologie – Thema: Das Veitscher Musikleben, Aspekte einer regionalen Musikkultur – 650 Seiten. Nebenher hat Rudi Gstättner auch schon einige Publikationen veröffentlicht.

Seit 1990 ist Rudolf Gstättner auf regionaler Ebene in verantwortlicher Position intensiv mit der Planung, Organisation und Durchführung von zum Teil langjährigen Kulturprojekten befasst wie zum Beispiel Kulturinitiative Mitterdorf (Gründungsmitglied), W.E.G.Art-Projekt, Kopf Hoch, Mürz Kraft.
Und welche Instrumente beherrscht nun der Herr Doktor der Musik? Rudi Gstättner: "Alle Holzblasinstrumente bis auf Querflöte, dazu Kontrabass und Schlagzeug."
Das Kuriose an der Geschichte: Dieser Lebenslauf ist nur ein Auszug, einige Aspekte konnten aus Platzgründen nicht einmal erwähnt werden.
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