07.06.2016, 00:00 Uhr

"Alles zu seiner Zeit, nicht alles zu jeder Zeit"

Bei Heinz Reitbauer im Steirereck kommen nur frische, regionale Produkte auf den Tisch. (Foto: Pashkovskaya)

Steirereck-Wirt Heinz Reitbauer nimmt zum Thema Nachhaltigkeit vor allem die Supermärkte ins Visier.

Fleisch, Gemüse, Fisch, Geflügel, Milchprodukte, Wein – alles, was im Steirereck am Pogusch auf den Tisch kommt, stammt aus der Region. "Mit Ausnahme des Pfeffers, den gibts bei uns nämlich nicht", schmunzelt Heinz Reitbauer. Werden exotische Früchte wie Orangen oder Zitronen gebraucht, werden sie am Wiener Nachschmarkt organisiert. "Da kugel ich dann immer drei Tage lang auf der Suche nach frischen, ungespritzten und bio-dynamischen Lebensmitteln herum." Wobei Reitbauer immer streng nach seinem Grundsatz sucht: Alles zu seiner Zeit, und nicht alles zu jeder Zeit. So gibt es etwa Paradeiser, Spargel, Erdbeeren und Weintrauben nicht das ganze Jahr über. "Die Gäste fragen mich oft verwundert, warum es keinen Tomatensalat gibt. Wenn ich dann hingehe und es ihnen erkläre, verstehen die meisten das eh", so Reitbauer.
Gelebte Nachhaltigkeit
So wie in seinem Wirtshaus am Pogusch lebt Heinz Reitbauer mit seiner Familie den Nachhaltigkeitsgrundsatz auch im Privaten. Und das kann seiner Ansicht nach jeder auf ganz einfache Art und Weise tun: einfach im Geschäft auf das Etikett achten. "Wenn Lebensmittel von weit herkommen, lege ich sie zurück ins Regal. Und das sollten möglichst Viele auch machen, denn: Die Supermärkte müssen diesbezüglich mehr unter Druck gesetzt werden, Lebensmittel bei den heimischen Bauern zu kaufen. Die Märkte nämlich, und nicht die EU oder die Politik, haben es in der Hand, die Landwirtschaft zu retten, in dem sie die regionalen Lebensmittel ins Regal stellen." Weil sich aber nicht jeder teurere Lebensmittel leisten kann, wäre laut Reitbauer eine genaue Kennzeichnung wichtig, damit der Konsument frei wählen kann. Ebenso wichtig wären seiner Meinung nach regionale, personifizierte Marken anstatt der Eigenmarken der Supermärkte, dass der Handel eine Partnerschaft mit Bauern und Tourismus gründet und dass Schulen in die Supermärkte gebracht werden; über die Kinder verstehens auch die Eltern leichter.
Was passiert, wenn sie das nicht machen? Reitbauer: "Die Landwirte geben der Reihe nach auf. Sie können von ihren Produkten nicht mehr leben. Wenn aber die Regionalität mit ihren Besonderheiten verloren geht, Produkte vom Boden- bis zum Neusiedlersee gleich schmecken, dann wird auch der Tourismus nicht mehr funktionieren. Wenn der Gast nur mehr no name-Produkte bekommt, wird er ausbleiben. Landwirtschaft, Tourismus und der Handel sind in gewisser Weise eine Schicksalsgemeinschaft."
Angelika Kern
1
Einem Mitglied gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.