23.09.2016, 12:17 Uhr

So muss eine Welterberegion sein

Die Semmeringregion soll durch eine "In-Wert-Setzung" des Welterbes in allen Bereichen aufgewertet werden. (Foto: Horst Schröttner)

Die Gemeinden des Oberen Mürztales sollen zu einer Welterbe-Kleinregion zusammengefasst werden.

Die Viktor-Kaplan-Akademie soll gemeinsam mit dem Kunsthaus Mürz den Boden für eine Welterberegion in der Steiermark aufbereiten. Den Auftakt dazu gestaltet ein viertägiges Vorhaben, das wissenschaftlich und künstlerisch stets den Schulterschluss mit der Ghegabahn sucht. Das dazugehörige Programm ist auf www.kunsthausmuerz.at zu finden.

Potenzial ausschöpfen

Niederösterreich hat bereits eine Kleinregion "Welterberegion Semmering"; gegründet 2007. Diese Kleinregion ist die Plattform einer freiwilligen Zusammenarbeit der Mitgliedsgemeinden Breitenstein, Gloggnitz, Payerbach, Prigglitz, Reichenau, Schottwien, Schwarzau im Gebirge und Semmering.
Auf steirischer Seite sollen die Gemeinden Langenwang, Mürzzuschlag, Neuberg und Spital am Semmering zu einer Kleinregion zusammenfinden. Der Viktor-Kaplan-Akademie mit Geschäftsführer Robert Lotter wurde die Aufgabe übertragen, die Politik von diesem Projekt zu überzeugen. Grundlage ist der Managementplan für das Welterbe Semmeringbahn; dahinter verbergen sich die Republik Österreich mit den Bundesländern Niederösterreich und Steiermark und die ÖBB unter Einbindung relevanter Kräfte aus der Region (Regionalmanagement, Leadermanagement, Verein Freunde der Semmeringbahn) als Auftraggeber.

"Ursprünglich sind die Niederösterreicher vorgeprescht, sie haben schon die Kleinregion und haben auf diesem Weg der Semmeringbahn in der Tourismusstrategie 2020 eine hohe Priorität eingeräumt. Auf unserer Seite schöpfen wir das touristische Potenzial eines Welterbes nur minimal aus", erklärt Robert Lotter.

"In-Wert-Setzung"

Wobei die touristische Ausrichtung nur ein Teilaspekt in dieser "In-Wert-Setzung" einer Region sein kann. "Hinter all diesen Bemühungen steht ganz groß ,Abwanderung stoppen', in der Kleinregion sollen Aspekte wie Mobilität, Wohnraum, Industrie, Energieversorgung, Klimaschutz, Kultur, Bildung und eben Tourismus einfließen. Das an sich sperrige "In-Wert-setzen" hat übrigens Josef Ober kreiert. Er hat das Vulkanland ins Leben gerufen, das heute zu den aufstrebendsten und innovativsten Regionen Österreichs gehört. "

Josef Ober und die gesamte Region sind damals mit dem Rücken zur Wand gestanden, sie hatten nichts, auf das sie bauen konnten. Wir hingegen haben mit dem Welterbe Semmer-ingbahn einen ungeheuren Startvorteil", appelliert Lotter an Bevölkerung und Politik, diese Idee mitzutragen. "Nicht der Lotter macht was aus dem Welterbe, sondern im Idealfall wir alle. Ich gebe mit meinen Institutionen nur die Initialzündung."

Welterbe

Die Unesco verleiht den Titel Welterbe (Weltkulturerbe und Weltnaturerbe) an Stätten, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend sind und von den Staaten, in denen sie liegen, für den Titel vorgeschlagen werden.
Insgesamt umfasst die Unesco-Liste des Welterbes 1052 Denkmäler in 165 Ländern. Davon sind 814 als Kulturdenkmäler und 203 als Naturdenkmäler gelistet, weitere 35 Denkmäler werden sowohl als Kultur- als auch als Naturerbe geführt.
Die Unesco fügt akut gefährdete Welterbestätten ihrer Liste des gefährdeten Welterbes hinzu. Dabei ist es nachrangig, ob mit der Aufnahme den Verantwortlichen ein Signal gegeben werden soll, sich mehr um die Erhaltung der Güter zu bemühen oder, ob ein Staat um internationale Unterstützung bittet, weil er selbst mit den Schutzmaßnahmen überfordert ist.

Welterbestätten in Österreich:
In Österreich gibt es neun Welterbestätten. Darunter finden sich drei Kulturlandschaften (Neusiedlersee, Hallstatt–Dachstein, Wachau), drei Stadtlandschaften (Altstädte Salzburg, Graz, Wien), zwei Bauwerke (Bau-/Gartenbaudenkmal Schönbrunn und technisches Denkmal Semmeringbahn) sowie eine archäologische Stätte (Pfahlbauten um die Alpen) – sie sind sämtlich als Kultur-, nicht als Naturerbe geführt. Die erste Welterbestätte wurde 1996 ausgewiesen.

Zum Welterbe in Deutschland gehören 62 Kultur- und Naturgüter, davon 41 Welterbestätten und 21 Beiträge zum Weltdokumentenerbe. Nur in vier anderen Staaten wurden mehr Stätten in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Auch ist Deutschland das Land mit den meisten länderübergreifenden Welterbestätten (6). Welterbestätten sind unter anderen der Kölner Dom, die Wartburg in Eisenach, die Klosterinsel Reichenau am Bodensee sowie die Altstadt von Regensburg.
Das Welterbe in der Schweiz umfasst zwölf Kultur- und Naturgüter. Darunter sind beispielsweise die Fürstabtei St. Gallen, der Aletsch-Gletscher bei der Jungfrau oder die Rhätische Bahn.
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