25.05.2016, 00:00 Uhr

Wohin gehen, wenn die Milch ausgeht?

Der Greißler ums Eck ist praktisch, doch immer mehr Gemeinden müssen bereits ohne Nahversorger auskommen. (Foto: Bilderbox)

Idealerweise ins Geschäft ums Eck, wäre die logische Antwort. Doch immer mehr Gemeinden müssen ohne Nahversorger auskommen.

Die Butter, die Milch, das Brot – was unsere Großeltern beim Greißler ums Eck gekauft haben, holen wir uns heute sehr oft im Super- oder Hypermarkt im Rahmen des Wochenend-Großeinkaufs. Den "kleinen" Lebensmittelhändler im Ort suchen wir maximal noch für das auf, was bei der Einkaufsfahrt vergessen wurde. Für die Nahversorger ein Todesurteil, denn von diesen Minieinkäufen können sie kaum ihr Überleben sichern.
Die WOCHE als regionaler Informationsnahversorger, widmet sich daher mit dem Themenschwerpunkt "Wir kaufen daheim" den regionalen Unternehmen, Betrieben und Firmenniederlassungen, die dafür sorgen, dass die Arbeit und die Wertschöpfung in der Region bleiben. Ein Beispiel dafür sind die steirischen Nahversorger, deren Zahl laut Schätzungen der Wirtschaftskammer weiter zurückgehen wird.

Das Rezept: Mehr anbieten

Erhebungen der WKO zeigen ein wenig erfreuliches Bild: So muss aktuell jede dritte steirische Gemeinde ohne Nahversorger auskommen. "Grundsätzlich setzt aber ein Umdenken ein und wir erfahren sehr viel Unterstützung von den Kommunen", erklärt Alois Siegl, Gremial-Obmann des steirischen Lebensmittelhandels und selbst "Nah und Frisch"-Kaufmann. "Gemeinsam versuchen wir im Fall des Falles Nachfolger zu suchen und das gelingt auch immer öfter", so Siegl. Um sich gegen die "Big Player" zu behaupten, genüge aber nicht das reguläre Angebot, sondern man müsse sich schon etwas einfallen lassen wie Partyservice oder Hauszustellung. "Außerdem können wir wirklich durch Regionalität und Frische punkten", unterstreicht der Obmann für den Lebensmittelhandel.

Service ist selbstverständlich

Ein positives Beispiel in unserer Region ist Erwin Rossman, Nahversorger in Turnau. Partyservice, Hauszustellung, Regionalität und Frische sind für ihn schon längst Selbstverständlichkeit. "Unseren Betrieb gibts jetzt bereits seit 160 Jahren, ich führe ihn derzeit in fünfter Generation und meine ganze Familie arbeitet mit vollem Einsatz mit, das ist meiner Meinung nach das Um und Auf." Und das wissen die Turnauer auch zu schätzen, das Geschäft läuft. Rossmann hat also zur richtigen Zeit die Weichen richtig gestellt, wie er selbst sagt, und damit keine Sorgen um eine mögliche Nachfolge.
Was sind seiner Meinung nach die wirtschaftlichen Voraussetzungen, um als Nahversorger überleben zu können? "Die nötige Größe der Verkaufsfläche, ein starker Partner dahinter und natürlich motivierte Mitarbeiter; und die Leistung muss von den Menschen auch angenommen werden", so Rossmann.
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