09.03.2016, 07:58 Uhr

"Würde fängt schon sehr viel früher an"

Gerhard Haagen legt sehr viel Wert auf einen würdevollen Umgang miteinander – nicht nur am Ende des Lebens.

Reden wir doch über "Wahre Werte"! Heute in der WOCHE-Serie: Bestatter Gerhard Haagen über Würde.

Wenn von "Würde" die Rede ist, denken wohl sehr viele Menschen automatisch an einen würdevollen Abschied am Ende eines Lebens – doch wer bestimmt eigentlich, was ein würdevoller Abschied ist? Und sollte das Thema "Würde" nicht schon sehr viel früher im Leben seines Menschen anfangen? "Davon bin ich überzeugt", so Gerhard Haagen von der Bestattung in Mürzzuschlag. "Ich verstehe unter Würde einen respektvollen Umgang mit anderen, egal ob tot oder lebendig, ob Mensch, Tier oder Umwelt. Es geht darum jeden so zu behandeln, wie ich auch selbst behandelt werden möchte. Das fängt schon bei den Kindern an: ich bin der Meinung, dass es sehr sehr wichtig ist, Kinder in Würde groß werden zu lassen. Kinder sollten Kinder sein dürfen."
Dazu gehört für ihn auch, keine Vorurteile gegenüber anderen Menschen zu hegen. "Insbesondere in meinem Beruf ist das wichtig. Egal welchen äußerlichen Eindruck der Kunde macht – im Steirergwand oder komplett tätowiert – ich trete allen gleich gegenüber und respektiere die Art, wie jeder leben möchte", so Haagen.
Dann dem Verstorbenen einen würdevollen Abschied zu bereiten, darin liegt of die große Schwierigkeit, denn: "Nicht jeder versteht unter einem würdevollen Abschied dasselbe. Dazu kommt, dass die Hinterbliebenen oft andere Wünsche haben als der Verstorbene hatte. Die große Herausforderung für uns ist es dann, eine Lösung zu finden, die für alle passt: sowohl für den Verstorbenen – sofern er das in irgendeiner Form hinterlassen hat –, als auch für den Angehörigen und genauso für uns von der Bestattung", erklärt Gerhard Haagen.
Besonders wichtig: die Zierung danach. "Die ist aus psychologischer Sicht enorm wichtig. Mit dem Begräbnis ist der Tiefpunkt der Trauer erreicht, ein Abschluss gefunden, das Leben für die Hinterbliebenen muss weitergehen. Meist werden im Rahmen einer Zierung alte Geschichten über den Verstorbenen erzählt, wodurch er positiv in Erinnerung bleibt und die Menschen mit einem positiven Gefühl nach Hause gehen können."
Dass wir aber in einer Zeit leben, in der die Werte von früher immer mehr verloren gehen, sieht auch der Bestatter so. Schuld daran sind aber seiner Meinung nach nicht fremde Kulturen, sondern die allgemeine Entwicklung: "Die Menschen werden immer egoistischer, es fehlt an Kommunikation miteinander, familiäre Strukturen brechen immer öfter auf und auch der Wohlstand tut dieser Entwicklung nicht gut. Es fehlt an gegenseitigem Verständnis und damit immer öfter an Würde im Umgang miteinander."
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Ernest Ganster aus Mürztal | 09.03.2016 | 08:46   Melden
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