18.10.2016, 15:15 Uhr

Zahmer oder wilder?

Kletterer am Wilden Gamseck, eine der schönsten Bergtouren auf der Rax. Übrigens schon seit Ende des 19. Jhdts. begangen! (Foto: Steininger)

Ein herbstlich-prächtiger Buchenwald inklusive Felslandschaft – heute geht es in die Gamseckwände.

Das Gamseck ist mit 1.857m Seehöhe der westlichste Gipfel des Raxplateaus und über dieses von Osten her leicht erreichbar. Ein Besuch desselben lohnt sich daher auch für Wanderer, denn der unscheinbare Gipfel bietet das schönste Schneealmpanorama der Hochsteiermark.
Nähert man sich aber dem Gamseck von Westen, so müssen erst gar nicht so kleine Felswände überwunden werden, um den Gipfelsieg feiern zu können.

Zahm oder wild?
Dies kann auf zwei Arten erledigt werden – entweder (zahm) über das "Zahme Gamseck". Ein recht einfacher, allerdings etwas steinschlaggefährlicher, versicherter Steig, der mittels Stahlseilen und Leitern auf das Hochplateau führt.
Oder (wild) über das "Wilde Gamseck", einer Kletterroute im 2. Schwierigkeitsgrad, welche direkt beim Gamseckgipfel endet.

Wild hinauf, zahm hinunter
Wir sind heute unersättlich und absolvieren beide Varianten. Zunächst klettern wir über das "Wilde Gamseck" hinauf, um dann über das "Zahme Gamseck" abzusteigen. Eine sehr anspruchsvolle, allerdings auch sehr schöne Bergtour im Nordosten der Hochsteiermark.
Zuerst fahren wir nach Kapellen/M. und von dort über Altenberg an der Rax bis zum Parkplatz im hintersten Altenberger Tal. Ab hier leitet uns ein markierter Weg entlang einer Forststraße (Schranken) und kurz darauf links aufwärts (Hinweistafel) über einen Steig in zahlreichen Kehren zum Nasskamm.
Unser Weiterweg führt rechts aufwärts zur Zimmermann- und Gamseckerhütte. Obwohl die Hütten unbewirtschaftet sind, wählen wir diese Aufstiegsvariante. Denn kurz nach den beiden Hütten bringt uns ein teilweise steiler Steig auf den oberen Nasskamm. Hier eröffnet sich uns ein herrlicher Nahblick auf die Gamseckwände.

Entscheidende Wegteilung
Nun teilt sich der Weg. Geradeaus und im ersten Teil eher flach verläuft der markierte Steig zu den Versicherungen des "Zahmen Gamsecks".
Für trittsichere Wanderer, die keinerlei Kletterambitionen verspüren, ist dies der perfekte Anstieg zum Gamseckgipfel (Helm empfohlen).
Links aufwärts aber bringt uns ein unmarkierter Steig zum Einstieg des "Wilden Gamsecks".

Mit Seil und Haken
Wir folgen diesem unmarkierten Steig und erreichen so nach rund 15 Gehminuten die Gamseckwände. Wenn die Tour auch keine extrem schwierigen Kletterstellen aufweist, eine entsprechende Ausrüstung sowie Kenntnis der Seil- und Klettertechnik ist für diesen Anstieg natürlich Voraussetzung!
Zunächst führt eine Rechtsquerung (rote Markierungspunkte, Haken) in eine Schlucht. Diese klettern wir an ihrem rechten Rand aufwärts bis zu einer markanten Scharte (Tiefblick in die Kahlmäuer). Nun wieder rechtshaltend und über mehrere Wandstellen aufwärts bis zu einer Art Kamin (Schlüsselstelle, Haken). Hier geht es weiter gerade aufwärts in eine große Wandeinbuchtung und links über eine Rampe bis zur Buchstelle (kleine Höhle). Nun nach rechts über einen teilweise recht luftigen Grat sowie einen kleinen Felsturm (ausgesetzt!) zum Ausstieg direkt beim Gipfelkreuz.
Das Panorama? Schneealm, Hochschwab und Gesäuse lassen grüßen!

"Zahmer" Abstieg
Vom Gipfel halten wir uns rechts (südlich) auf einem durch Latschenfelder führenden Steig und erreichen so einen markierten Weg (Wegkreuzung, Hinweistafel), der uns zu den Versicherungen des "Zahmen Gamseck" leitet (bei Nebel nicht leicht zu finden!). Entlang dieser Versicherungen steigen wir ab (etwas steinschlaggefährlich!) bis zum oberen Nasskamm. Den kennen wir ja schon und so wandern wir ab hier gemütlich am Aufstiegsweg retour zum Parkplatz.

Tourinfo kompakt:
Ausgangs- und Endpunkt: P "in der Nass" im hintersten Altenbergertal
Gipfel: Gamseck, 1.857m
Aufstieg: ca. 900 Hm
Gehzeit: ca. 5 – 6 Stunden, davon 1 1/2 Stunden Kletterei
Stützpunkte entlang der Tour: keine, Karl Ludwighaus nur mit 1 1/2 Stunden Mehraufwand über die Hochfläche erreichbar
Familien- bzw. Kindereignung: nein, jedoch ideale Anfängerklettertour
Schwierigkeit: Wildes Gamseck SG 2, Zahmes Gamseck A/B, Trittsicherheit!
Hinweis: Klettertour nur mit entsprechender Ausrüstung begehen, bei Schneelage Finger weg, dann extreme Tour!
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