01.05.2016, 06:57 Uhr

Das Ende einer 100-jährigen Obstbau-Ära

Frost und Schnee sorgten für katastrophale Zustände in der Land- und Forstwirtschaft. Von der einstigen Tafelapfelanlage der Familie Jöbstl in Wernersdorf blieb nur ein Trümmerhaufen übrig...
Von Josef Fürbass

Das kurze Intermezzo von General Winter hat in der Land- und Forstwirtschaft enorme Schäden angerichtet. Am Schilcherberg in Wernersdorf hat der nasse, schwere Schnee eine 100-jährige Obstbau-Tradition zunichte gemacht. Der Frost hat aber auch den Schilcherweingärten arg zugesetzt.

WERNERSDORF. Erst vor ein paar Tagen wurden die Hagelnetze als Schutzmaßnahme über die Apfelbäume gespannt, nunmehr liegen sie unter dem nassen, schweren Schnee begraben. Die Intensität des späten Wintereinbruchs hat überrascht. Fassungslos steht Johannes Jöbstl mit Ehefrau Luise und Vater Johann auf der Obstanlage, die einem Schlachtfeld gleicht. 1916 hatte sein Urgroßvater Peter Masser „auf dem Acker oberm Haus“ die ersten Bäume gepflanzt, 100 Jahre später fand die Obstbau-Ära ein jähes Ende.


Kein „Auffangnetz“ für bäuerliche Existenzen...

„Es gab Jahre, wo es schon Mitte April gehagelt hat“, erinnert sich Johannes Jöbstl. Doch der Schneelast konnten die Netze, die auch Schutz vor Kälte bieten sollten, nicht standhalten. Auf der drei Hektar großen Fläche, wo einst Arlet, Golden Delicious, Jonagold und Idared heranreiften, bietet sich jetzt ein trauriges Bild: entwurzelte Bäume, gekappte fingerdicke Stahlseile, ausgerissene Betonfundamente.

„Neben dem Preisverfall war der verspätete Wintereinbruch die ‚Sterbehilfe’ für die Obstbauern.“

Obst- und Weinbauer Johannes Jöbstl

Die Wiederherstellung der Anlage mit Pflanzen, Hagelnetzen, Ankern und Seilen beziffert Johannes Jöbstl mit rund 150.000 Euro. „Und bis zur vollwertigen Ernte dauert es fünf Jahre. Erst heuer haben wir den Arlet-Bestand auf einem halben Hektar erneuert.“ Die Zukunft des Edelapfelanbaues mit 100-jähriger Geschichte auf dem Pionierbetrieb am Schilcherberg ist mehr als fraglich. Schwer getroffen hat es auch die Weinstöcke. Johannes Jöbstl befürchtet, „dass der Schilcher heuer knapp werden wird, weil Schilchertrauben nicht austauschbar sind...“
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