14.03.2016, 10:52 Uhr

Das weststeirische Bauernhaus, der Klassiker unter den Holzhäusern

So kennt man es, das weststeirische Bauernhaus - hier aus Rauchegg bei Mooskirchen mit Quergibel in Blockbau aus dem Jahr 1820.

Die kommende Print-Ausgabe der WOCHE ist ganz dem Werkstoff Holz gewidmet, hier ein Vorgeschmack: Klaus Seelos vom Österreichischen Freilichtmuseum Stübing über das weststeirische Bauernhaus und das Holz in der Hütt'n.

Ob im Tal oder in der Höhe: Das weststeirische Bauernhaus prägt die Kuturlandschaft wie kaum ein anderes altes Gebäude - und es ist aus Holz, das einige Jahrhunderte überdauert hat. Was die typischen Charakteristika dieses bäuerlichen Gebäudetyps in unserer Region sind und was den Baustoff Holz dabei auzeichnet, dazu befragten wir einen Spezialisten, nämlich Klaus Seelos, der seit 32 Jahren im Österreichischen Freilichtmuseum Stübing tätig ist, das heuer am 18. März mit einem Palmbuschenbinden seine Pforten öffnet. Seelos hat vom ersten bis zum letzten Haus im Freilichtmuseum Hand angelegt, nämlich vom Steine Mauern über das Aufstellen der Zäune bis zum Klieben der Dachschindeln und Eindecken der Strohdächer. Er kennt die Struktur alter Häuser wie kaum ein anderer.

Was ist der typische Grundriss für das weststeirische Bauernhaus?


Die ältere Form ist jene mit zwei Gibeln, durch Zubauten sind auch dreigibelige Bauernhäuser entstanden. Das ursprünglich einzellige Haus hat später ein Viedach dazu bekommen, die sogenannte Laube als offener Raum. Dazu kamen noch Rauchstube mit offenem Herd und ein Keller, sodass eine Dreiteiligkeit des Hauses typisch für viele Bauernhäuser ist. Wenn man noch mehr Platz gebraucht hat, hat man den sogenannten "Wiederkehr" dazugebaut, das ist ein im rechten Winkel dazu gebauter Teil, der meist niedriger als der First ist - dieser dreigibelige Grundriss ist typisch in der Weststeiermark.

Wie waren die Dächer gedeckt?
Bis etwa 1850 war die Weststeiermark eine reine Strohdachgegend.
Dachschindeln sind für Bauern erst leistbar geworden, als es maschinell gefertigte Nägel gab. In der Weststeiermark hatte man weniger Lärche sondern Schiefer-Schindeln aus Fichten.

Wie verhält es sich mit der Dachneigung?


Die Dachneigung ist sehr steil, es gibt auch kein 45 Grad-Dach. Früher sagte man "entweder 2 Schuhe unter 45 Grad oder zwei, drei Schuhe über 45 Grad".
Meist sind es so um die 50 Grad in der Dachneigung. Typisch in den Tallagen waren die Gitter in den Gibeln, weil man unter dem Dach, den Kukuruz getrocknet hat.

Was macht den Charme dieser Häuser Ihrer Meinung nach aus?


Bauern haben nicht nach Schönheit gebaut, sondern nur nach Zweckmäßigkleit und Langklebigkeit, also ganz anders als heute, wo jede Wand mit der Wasserwage ausgemessen wird. Damals waren die Wände nicht gerade und ebenmäßig, so wie es auch in der Natur nirgends eine gerade Linie oder einen rechten Winkel gibt - das ist für Menschen ansprechend. Dazu kommt, dass man nach Naturmaßen bzw Körpermaßen gearbeitet hat, sprich Elle, Fuß u.a.

Welches Holz wurde verwendet?

In den Berggebieten war es die Fichte. Das natürliche Vorkommen der Fichte ist ja ab 700 Meter aufwärts, deshalb hat man diese Baumstämme oft von oberen Lagen für den Hausbau heruntergebracht. In den Tal-Lagen wurde viel aus Föhrenholz gebaut. Föhre ist ein schönes, gerades Holz, das man daher gut aushacken kann. Damit die Wand dicht wird, ist sie innen und außen mit Lehm zugeschmiert worden.


Wie wurde das Holz für den Hausbau bearbeitet?


Man hat fast immer im Winter geschlägert, wo ja auch der Transport im Schnee talwärts leichter mit dem Schlitten zu bewältigen ist. Außerdem hat man sehr viel auf den Mond beim Schlägern geachtet. Es ist prinzipiell besser, wenn im Oktober geschlägert wird, als im Februar - denn wie schon eine alte Bauernregel besagt: "Ab Fabian und Sebastian fängt der Saft zu steigen an", das ist am 20. Jänner.

Diese Häuser sind ja bis zu 500 Jahre alt - wie kann diese Langlebigkeit beim Holz erreicht werden?

Waren die Holztram einmal beim künftigen Haus, wurden sie auf zwei Seiten ausgehackt und man hat sie zum Trocknen liegen gelassen. Somit konnte sich das Holz ausdrehen, denn der Kern ist beim alten Holz überall drin.
Die Qualität ist also ein Zeitfaktor, daraus entsteht dann die Langlebigkeit.
Das älteste Haus im Freilichtmuseum ist ein Getreidekasten aus 1452.
Grundvorraussetzung für den guten Zustand in der Bausubstanz eines Gebäudes aus Holz ist, dass keine Feuchtigkeit von unten heraufziehen kann und dass man genügend Vordach hat, damit der Regen nicht an die Wand kann. Wenn Holz so empfindlich wäre, wie viele glauben, hätten wir kein einziges Haus im Freilichtmuseum, die durchwegs um die 300 Jahre alt sind.

Der ökologische Apekt?


Diese Häuser hinterlassen keinen Müll. Wenn man so ein altes Objekt über einen Zeitraum von 100 Jahren zusammenrumpeln lassen würde, bliebe nur ein Steinhaufen, ein paar Glasscherben, ein paar stark verrostete Eisentrümmer vom Herd und von den Fenstern und einige irdene Keramikscherben aus der Küche. Durch Fußboden, Wände und das Dach würden schon die neuen Bäume herauswachsen, ohne, dass irgend jemand etwas dazu beiträgt. Damit schließt sich der Kreislauf.

Hier gehts zu www.freilichtmuseum.at

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