24.03.2016, 17:02 Uhr

Theater, Theater, der Flaschenverschluss geht auf...

Gruppenbild mit Siegern: Die Weinbauern haben gerne mitgemacht!
Von Josef Fürbass

Eine große Bühne für den Kürbis-Wein


Im Theater im Kürbis in Wies, das mit seinem intimen Charakter einzigartig ist, werden ganzjährig verschiedene Produktionen zur Aufführung gebracht. Nun gehörte die Bühne aber einem Akteur, der mit der Region ebenfalls tief verwurzelt ist – dem Wein! Eine abendfüllende Sondervorstellung, und am Ende gab es stehende Ovationen für die neuen „Kürbis-Weine“ und deren Produzenten.


Vierzig musste die 1976 gegründete Wieser Kulturinitiative werden, um den ersten Theaterwein zu kreieren. Kommt ein Jubilar in die Jahre, wird die obligate Frage nach dem Lebenselixier häufig mit dem täglichen Achterl Wein oder dem Stamperl Kernöl beantwortet. Im Fall des „Kürbis Wies“ ist es vermutlich beides, vor allem aber die unbändige Leidenschaft, die Bühnen im kleinen, aber feinen Theater, in der Schlosstenne Burgstall sowie im Atelier im Schwimmbad zu bespielen.

Weine von Aibl bis Sulmeck-Greith im spannenden Casting...


Ob Ausstellungen, Theater, Diskussionen, Lesungen, Konzerte, Kunst im öffentlichen Raum, Kinovorführungen – der Wieser Kulturkürbis setzt eine Vielzahl von Projekten um. Bei allen Veranstaltungen spielt auch der steirische Wein seine Rolle. Das hat Vereinsvorsitzende Uli Wonisch auf die Idee gebracht, eine eigene Wein-Edition für den Kürbis Wies zusammen zu stellen. Das „Casting“ durch Henry Sams (Weinjournalist), Roland Krois (Obmann Schilcherweinstraße), Mike Markart (Autor und Weinkenner), Vizebürgermeisterin Helga Cernko (Obfrau von Leibnitz KULT) sowie Richard Koinegg, Oskar Ribul, Wolfgang Pollanz vom Kürbis-Vorstand avancierte zur Performance ohne Publikum. Die von den Kürbis-Damen Uli Wonisch, Karla Ribul und Elfriede Roßmann eingeschenkten Weine glänzten in geheimer Mission, durften ihr wahres Gesicht allerdings erst nach Ende der Vorstellung zeigen. Spuk- und Schüttnapf bekleideten Nebenrollen. Elf Winzer – alle Mitglieder von Schilcherland Steiermark – hatten insgesamt 49 Weine eingereicht. Fachkundig moderiert wurde die verdeckte Verkostung in sechs Kategorien von Weinakademiker Gregor Waltl. Uli Wonisch: „Es gibt bei uns viele ausgezeichnete Weinbauern. Das ist eine faire Auslese.“

Ein Spiegelbild des Jahrgangs und der Region


Harte Arbeit für die Jury, bis sich die Kürbis-Weine im Rampenlicht sonnen durften. „Bei diesem Niveau einen Sieger herauszufiltern, ist keine leichte Aufgabe“, ächzte der Moderator ohne Stimmrecht. „Es gab knappe, aber auch einhellige Ergebnisse.“ Die Bewertung basierte auf keinem Punktesystem. „Mehrheitlich haben sich Weine, die sehr trinkfreudig sind, durchgesetzt“, so Gregor Waltl.
Die erfolgreichen Winzerinnen und Winzer hinter den für die Dauer eines Jahres bestellten Kürbis-Weinen wurden noch am selben Abend vor den Vorhang gebeten. Schilcher: Weingut Stefan und Andrea Pauritsch (Wernersdorf), Weißburgunder: Weingut Christian und Melanie Jauk (Pölfing-Brunn), Sauvignon: Weingut Jöbstl Stammhaus (Aibl) und Weingut Haring vulgo Pichlippi (Eibiswald), Rotwein: Weingut Haring vulgo Pichlippi (Eibiswald), Schilcherfrizzante: Weingut Thomas Kuntner (Sulmeck-Greith), Muskatellersekt: Weingut Thomas und Margaretha Strohmaier (Pölfing-Brunn).
„Als Kürbis-Weinbauer besteht die moralische Verpflichtung, dieses Haus mehrmals im Jahr zu betreten“, gab Waltl mit auf den Weg. „Ich finde die Idee genial, einen Kulturwein zu kreieren“, zeigte sich Helga Cernko begeistert. Und Henry Sams legte nach: „Ein Spiegelbild des Jahrgangs!“ 40 Jahre Kulturinitiative Kürbis, eine Weinverkostung, die Entscheidung. Kürbis-Weine werden entsprechend gekennzeichnet und bei den diversen Kulturveranstaltungen ausgeschenkt. Das erste Mal bei der Premiere der Komödie „Der Kurschatten“ von René Heinersdorff am 1. April. Kein Scherz!

Der Kürbis...


...prägt im südweststeirischen Wies nicht nur das Landschaftsbild, sondern drückt auch dem kulturellen Leben den Stempel auf. „Wir haben den Kürbis als Metapher genommen“, sagt Gründungsmitglied Karl Posch. „Er wächst bei uns, man kann ihn essen. Aus der Frucht lassen sich lauter Spezialitäten zubereiten. Auch unsere Kulturarbeit ist etwas ganz Spezielles“. In den Ölmühlen fließt das „Grüne Gold“, auf den abgeernteten Feldern steht im Herbst, vom Nebel mystisch umhüllt, der „Kürbislotter“ als stummer Darsteller. Der Kürbis kommt auf mannigfaltige Weise zum Einsatz. Und diese Vielfalt wird auch im Kürbis Wies gelebt. Seit vier Jahrzehnten leistet ein engagiertes Team Kulturarbeit auf höchstem Niveau!
Heuer im Jänner hat die Wieser Kulturinitiative den Österreichischen Kunstpreis erhalten. Ein bemerkenswerter Erfolg wenn man weiß, dass sich bundesweit über 70 Initiativen bemühen. „Der Kunstpreis für Kulturinitiativen wird seit drei Jahren vergeben“, so Karl Posch.

Fotos: Josef Fürbass
1
Einem Mitglied gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.