23.03.2016, 12:21 Uhr

Das Ziel ist die Vollbeschäftigung

AK-Außenstellenleiterin Renate Wilhelm, WOCHE Deutschlandsberg-Redakteurin Susanne Veronik und AK-Präsident Josef Pesserl in Deutschlandsberg.

Arbeiterkammer-Präsident Josef Pesserl und AK Deutschlandsberg Außenstellenleiterin Renate Wilhelm auf Stippvisite im WOCHE-Büro Deutschlandsberg.

DEUTSCHLANDSBERG. Die Präsentation einer Bilanz über das vergangene Jahr war Anlass für Arbeiterkammer-Präsident Josef Pesserl und Außenstellenleiterin der AK Deutschlandsberg Renate Wilhelm der WOCHE Deutschlandsberg Rede und Antwort zu stehen.

Breites Aufgabengebiet

Insgesamt hat die AK Steiermark in ihrer Funktion als Arbeitenehmervertretung 43 Millionen Euro in Arbeitsrechts-, Insolvenzrechts- und Konsumentenschutzangelegenheiten für ihre Mitglieder erstritten. Die Außenstelle in Deutschlandsberg ist eine von insgesamt 13 AK-Einrichtungen in der ganzen Steiermark. Vier Mitarbeiterinnen (zwei Rechtsexperten, zwei Schreibkräfte) in der Außenstelle Deutschlandsberg sind mit dem klassischen Aufgabengebiet rund um das Arbeitsrecht beschäftigt. "Wir zählen 1800 Vorsprechenden pro Jahr rund ums Arbeitsrecht", erklärt Wilhelm und ergänzt: "Im Themenkreis Arbeitsrecht geht es vor allem um Kündigungen, einvernehmliche Auflösungen von Arbeitsverhältnissen, fristlose Entlassungen sowie Dienstverträge die auf entsprechende Klauseln von uns geprüft werden. Probleme bei der Rückerstattung von Ausbildungskosten und Regelungen rund um die Arbeitszeiten werden ebenfalls angepackt." Aber auch Altersteilzeit, Bildungskarenz, Entgeltzahlungen im Krankheitsfall und bei Arbeitsunfällen sowie alles rund um Karenz und Mutterschutz sind u.a. dringende Themen.


Im Fall der Fälle

Wenn es um nicht erfolgte Auszahlungen von Seiten des Arbeitgebers geht, wird ein Akt aufgenommen, um beim Arbeitgeber zu intervenieren und im Fall der Fälle auch zu urgieren. Falls keine außergerichtliche Einigung möglich ist, wird der Akt nach Graz zur Einbringung der Klage entsendet, dafür ist nämlich das Landesgericht zuständig.
Willhelm: "Wir haben im Vorjahr 176 solcher Arbeitsrechtsklagen im Bezirk Deutschlandsberg aufgenommen, davon wurden 49 zur Klagseinbringung in die Zentrale weitergeleitet."

Auch Lehrbetriebserhebungen werden von der AK durchgeführt, um die Umstände vor Ort von der Ausstattung bis zu den Kompetenzen der Ausbildner zu überprüfen, wenn ein Betrieb erstmals einen Lehrling aufnimmt oder einen neuen Lehrberuf ausbildet.
"Ich gehe auch in die polytechnischen Lehrgänge für Vorträge, damit die Schüler über ihre Rechte und Pflichten in einem Lehrberuf bescheid wissen, nämlich nach dem Berufsausbildungsgesetz und nach dem Kinder- und Jugendlichenbeschäftigungsgesetz", so Wilhelm.

In Sachen Konsumentenschutz wurden 50 Akte im Vorjahr aufgenommen und 7.400 Euro auf außergerichtlichem Wege erstritten. Gründe sind u.a. Inkassoforderungen und die vorzeitige Vertragsauflösung bei Fitnesscentern und natürlich kostenpflichtige Internetdienste.


Arbeitsrecht und Konsumentenschutz

Insgesamt wurden 2.133 Rechtsauskünfte erteilt, davon 1836 persönlich. der Löwenanteil entfiel dabei mit 1.736 auf arbeitsrechtliche Angelegenheiten. Auf dem Interventionsweg erreichten die Mitarbeiter der AK-Außenstelle Deutschlandsberg in Arbeitsrechtssachen (inklusive Jugendschutz) 200.521 Euro. Von 176 angelegten Akten wurden 49 zur Klagsführung weitergeleitet. Hauptverfahrensgründe waren Sonderzahlungen, Entgeltstreitigkeiten und Urlaubsersatzleistungen. Mehr als 7.000 Euro wurden in Konsumentenschutzsachen erstritten.

Investition in die Zukunft

Sorgen bereiten AK-Präsident Josef Pesserl die Jugendarbeitslosigkeit, gerade vor dem Hintergrund des Facharbeitermangels.
"Mein Ziel ist die Vollbeschäftigung" so Pesserl und ergänzt: "Die Ausbildung von jungen Leuten ist eine Investition in die Zukunft für die Betriebe" und zieht einen Vergleich mit einem Landwirt, der nur ernten kann, wenn er jetzt im Frühjahr auch aussät. "Es wird also ein umfassendes Konzept zur Beteiligung an den Ausbildungskosten für Lehrlinge geben müssen, und das für alle Betriebe", wirft Pesserl den Ball der Politik zu.
Und wie steht es mit der Altersarbeitslosigkeit bei einem angestrebten gesetzlichen erhöhten Pensions-Antrittsalters?
Pesserl: "Die Pension kann nur über die Beschäftigung auf Schiene gebracht werden. Die Menschen müssen von den Einkommen leben können, damit auch die Wirtschaft leben und sich die Konjunktur entwickeln kann. Damit würde sich das Pensions-Thema von selbst erledigen, denn die Kosten wäre dann gedeckt."
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