12.08.2016, 21:54 Uhr

"Kreditopfer" erheben Vorwürfe gegen steirische Raiffeisenbank

Deutschlandsberg: Deutschlandsberg | Der ehemalige Eigentümer des Modelleisenbahnbauers Roco kämpft auch zehn Jahre nach seiner Pleite gegen Raiffeisen Salzburg. Der Wiener "Kreditopferverein" erhebt schwere Vorwürfe gegen die Raiffeisenbank Deutschlandsberg.
Der Wiener "Kreditopferverein" hat erneut schwere Vorwürfe gegen Raiffeisen erhoben. Es geht um einen Kunden, der von der Raiffeisenbank Deutschlandsberg angezeigt und in der Folge verurteilt wurde, weil er von zwei Konten, die unter seinem Namen liefen, Überweisungen getätigt hat.
Es handelte sich dabei um interne Wertberichtigungskonten, die der Kunde nie zu Gesicht bekommen hätte dürfen. Ein EDV-Fehler, sagt Raiffeisen.
Dem Kunden wurde voriges Jahr der Prozess in Graz gemacht. Er wurde zu einer Haftstrafe von mehreren Monaten verurteilt, bedingt auf drei Jahre. Er ging in Berufung, die Staatsanwaltschaft plädiert nun auf unbedingt.
Der "Kreditopferverein" (KOV) kämpft in der Öffentlichkeit für ihn. Bei einer Pressekonferenz in Wien erläuterte KOV-Vorsitzende Isabella Heydarfadai den Fall: Der Mann habe im Jahr 2014 von seinem Konto bei der Raiffeisenbank Deutschlandsberg 24.000 auf sein Firmenkonto überwiesen und von dort später 4.000 Euro abgehoben. Zwei Wochen später habe er 33.000 Euro auf ein Konto einer Fremdbank überwiesen. Beide Male sei er dafür extra zum Bankschalter gegangen.
Kurz darauf habe er einen Anruf von der Bank bekommen, dass das Geld nicht seines sei, so Heydarfadai. Der Mann sollte eine Schad-und Klagloserklärung unterschreiben, was er nicht getan habe.
Die Erklärung der Bank: Die Konten seien nicht die echten Konten des Mannes gewesen, sondern interne Wertberichtigungskonten. "Wenn ein Kunde zum Beispiel zahlungsunfähig ist und wir einen Ausfall befürchten, sind wir steuerrechtlich und vom UGB (Unternehmensgesetzbuch) verpflichtet, eine Risikovorsorge einzubuchen. Da wird zum Konto ein Subkonto mit einem Guthabenstand angelegt", erklärte der Direktor der Raiffeisenbank Deutschlandsberg, Georg Lampl, auf APA-Anfrage. "Das ist internes Konto, das sieht der Kunde nicht."
Im konkreten Fall sei aber "in der EDV etwas passiert", sodass der Kunde das interne Konto mit dem Guthaben gesehen habe. Bei einem Telefonat sei der Kunde aufgeklärt worden, dass es nicht sein Geld sei. Warum er dann später dennoch am Bankschalter die Überweisung tätigen konnte? "Da sind technisches und menschliches Fehlverhalten zusammengekommen", so der Bankchef. "Schlussendlich hat sich der Kunde Geld genommen, das nicht ihm gehört." Der EDV-Fehler sei jedenfalls behoben.
Eine andere Sicht der Dinge hat der "Kreditopferverein". Vor dem Deutschlandsberger Fall habe sich etwas Ähnliches bei der Raiffeisenbank in Ilz ereignet. Auf dem Wertberichtigungskonto eines Kunden sei ein Guthaben von 163.000 Euro aufgeschienen. "Den Vorwurf eines IT-Fehlers weist Raiffeisen zurück", so Heydarfadai. Raiffeisen spiele die Sache gezielt herunter, die Schuld werde dem "Mädchen am Schalter" zugeschoben, das dann entlassen worden sei. Stimmt nicht, sagt Bankdirektor Lampl: Die Schaltermitarbeiterin habe Raiffeisen verlassen, weil sie ein Studium begonnen habe ....

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