17.10.2016, 11:31 Uhr

Döblinger Wirte stehen unter Druck

Eischer: Ein Traditionsheuriger in Neustift, wo trotz vier Kindern noch kein Nachfolger feststeht.

Fehlender Nachwuchs, drohendes Parkpickerl, Bürokratie: In der Döblinger Gastronomie herrscht Unfrieden.

DÖBLING. Die Nachricht hat viele schockiert: Seit wenigen Tagen hat der Bamkraxler in der Kahlenberger Straße geschlossen. Eine Mischung aus wirtschaftlichen und persönlichen Gründen hat das Inhaberpaar Leimer-Vozicky dazu bewogen, ihren Betrieb aufzugeben. Schade für die vielen Stammgäste und natürlich für die Mitarbeiter – und es stellt sich die Frage, ob die Döblinger Gastronomen in letzter Zeit vermehrt unter Druck stehen. Auch das Melrose in der Grinzinger Straße hat vor Kurzem seine Türen gesperrt.

263 Gastronomen mit aufrechtem Gewerbeschein gibt es derzeit in Döbling. 33 sind bis Ende September 2016 dazugekommen, 31 sind weggefallen. Eine leicht positive Bilanz, könnte man meinen, sie kann aber auch täuschen: "Die Frage ist, was da entsteht. Wenn ein Traditionsbetrieb zusperren muss und daneben eine Imbissbude aufsperrt, schaut das in der Bilanz gleichbleibend aus. Weh tut uns das trotzdem", sagt Peter Dobcak, Obmann der Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer.

Für Dobcak gibt es einige Probleme seines Wirtschaftszweigs, die spezifisch Döbling betreffen. "Viele Lokale und Heurigen sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr schlecht angebunden. Und die Gäste kommen ungern mit dem Auto, wenn sie trinken." Früher, als die Alkoholgrenze noch 0,8 Promille betragen hat, sei das weniger dramatisch gewesen. "Aber in Döbling gibt es zumindest noch kein Parkpickerl", sagt Dobcak. Im benachbarten Währing gebe es Probleme, da viele Gäste ungern die Kurzparkgebühr während eines Gasthausbesuchs bezahlen würden. Sollte das Parkpickerl in Döbling eingeführt werden, wünscht sich Dobcak lokale Ausnahmen.

"Fahre immer öffentlich"

Die Befürworter des Pickerls für Döbling sehen das anders: "Was ist denn der Unterschied zu Restaurants, die sich in einer bestehenden Kurzparkzone befinden?", fragt Bezirksvorsteher-Stellvertreter Anton Mandl (SPÖ). "Ich gehe außerdem auch gern zum Heurigen, fahre aber immer öffentlich, denn man trinkt halt ein Achterl." Bis auf wenige Ausnahmen seien die Heurigen gut angebunden: "In Grinzing brauch ich von der 38er-Station fünf Minuten in jeden Heurigen, in Sievering und Neustift ist es ähnlich", sagt Mandl.

Aber nicht nur das drohende Parkpickerl bereitet vielen Traditionsbetrieben Kopfschmerzen, oft fehlt auch williger Nachwuchs. "Viele sehen, was sich die Eltern jahrelang angetan haben, und wollen das sich und ihrer Familie nicht mehr zumuten", sagt Dobcak.

Gute Nachrichten gibt es in diesem Zusammenhang von gleich jenseits der Stadtgrenze: Franz und Susanne Nierscher haben ihre Weidlinger Buschenschank heuer aufgegeben. "Aber wir sind jetzt in Verhandlungen, und im April wird auf jeden Fall wieder eröffnet", sagt Franz Nierscher. "Wir hoffen, das vieles so bleibt wie bisher."
Für seine Zunft wünscht sich Dobcak niedrigere Strafen bei Verwaltungsübertretungen und bürokratische Erleichterungen. Dass es damit nicht getan ist, ist ihm klar: "Die Schuld am Scheitern muss der Gastronom immer zunächst bei sich selbst suchen. Viele Betriebe funktionieren ja auch."
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