07.06.2016, 14:52 Uhr

Auch der Vatertag hat einen Vater!

Helmut Herz mit dem ersten Vatertagsplakat vom 8. Juni 1956, das er selbst gestaltet hat

Der 91-jährige Helmut Herz hat vor 60 Jahren den zweiten Sonntag im Juni zum Vatertag ernannt.

DÖBLING. Bei einer Geschäftsreise nach Deutschland las Helmut Herz vom "Männertag" zu Christi Himmelfahrt. "Die Herren der Schöpfung organisierten Sauf-Reisen, und ich dachte mir, wo bleibt da die Familie?", sagt der 91-jährige Döblinger. Damit diese Sitte nicht auch in Österreich Einzug hält, entstand die Idee des Vatertages.

Helmut Herz war damals Werbeleiter der Wiener Traditonsfirma Gloriette-Hemden. "Es begann 1955, der Textilbranche ging es schlecht und ich dachte darüber nach, womit wir 1956 den Umsatz ankurbeln könnten", so Herz weiter zur Entstehungsgeschichte des Vatertages.

Wirtschaftsbosse an Bord

Bei einem Gespräch mit Kinderdorf-Chef Hermann Gmeiner erzählte Herz ihm von seiner Idee und möglichen Problemen. "Ich wusste, wenn wir einen Vatertag einführen wollen, dann geht das nur firmenneutral, dann muss die Presse mitmachen, die Wirtschaftskammer und die Gremien."

Kurzerhand gründeten die beiden ein Vatertagskomitee und überzeugten nach und nach alle Branchenvorstände. Übrigens: Herz zeichnet nicht nur für die Idee des Vatertages verantwortlich, sondern auch für den Spruch "Vater sein ist vielfach Plag’, drum leb’ er hoch, der Vatertag!". Im Jänner 1956 war es dann so weit, die erste Vatertagskampagne erschien in den Zeitungen. Auch das Datum hatte der Döblinger bestimmt: Den zweiten Sonntag im Juni. "Nicht zu weit vom Muttertag entfernt, da haben die Frauen vielleicht noch ein schlechtes Gewissen wegen ihrer Geschenke", lacht Herz.

Vatertag macht Schule

Für einen gelungenen Vatertag braucht es natürlich Kinder: "Wir haben die Volksschulen in einem bundesweiten Zeichenwettbewerb mit eingebunden. Thema war der Beruf oder ein Bild des Vaters." 80.000 Bilder wurden dafür von den Kindern gemalt.

Doch bei den Erwachsenen gab es noch immer Skeptiker. "Ich bat einen Sekretär der Wirtschaftskammer, für unsere ers-te Vatertags-Aussendung die Einleitung zu schreiben. Das hat er zwar gemacht, meinte aber, das wird sowieso nix." Doch es kam ganz anders. "Der erste Anruf am Montagmorgen nach dem ersten Vatertag war von diesem Herrn. Er hat mir erzählt, dass ihm seine drei Kinder ein Gedicht vorgetragen und alles Gute zum Vatertag gewünscht haben!"

Das Ergebnis des ersten Vatertages: der Hemden-Umsatz von Gloriette hatte sich verdoppelt und auch die beteiligten Branchen spürten Aufwind. Selbst heute noch nimmt der Handel jährliche Vatertags-Umsätze jenseits von 100 Millionen Euro ein.
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