08.09.2016, 17:11 Uhr

Schreckschüsse in Eisenstadt: Brüderpaar erhält bedingte Freiheitsstrafe von sechs und acht Monaten

Das Brüderpaar musste sich am Donnerstagnachmittag am Landesgericht Eisenstadt verantworten.
EISENSTADT. Am Donnerstagnachmittag mussten sich jene zwei Brüder, die am 25. Juli 2016 im Stadtgebiet von Eisenstadt drei Schüsse aus einer Schreckschusspistole auf zwei Asylwerber abgefeuert haben sollen, (die BEZIRKSBLÄTTER berichteten) vor dem Landesgericht Eisenstadt verantworten. Richterin Gabriele Nemeskeri verurteilte die beiden Brüder nach einer zweieinhalb Stunden andauernden Verhandlung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs bzw. acht Monaten. Die Brüder nahmen das Urteil an und entschuldigten sich bei den beiden Irakern.

"Alles sehr unglaubwürdig"

"Ich habe Ihnen Ihre Version des Vorfalls nicht geglaubt und Sie waren auch nicht geständig", begründete Richterin Nemeskeri ihr Urteil in Richtung der beiden Brüder. Diese waren im Partnerlook vor Gericht erschienen und hatten dabei folgende Geschichte parat: nachdem sie an jenem Abend gegen 21 Uhr zuerst bei Mc Donald's essen und dann auf den EZE-Parkplatz gefahren waren, begaben sie sich in ihrem silbernen BMW auf den Bründlfeldweg hinter der Mattersburger Straße und von dort aus auf die Dr. Karl Renner Straße. Dann soll alles ganz schnell gegangen sein.

"Wollte Waffe nur ausprobieren"

Ohne des WIssens seines älteren Bruders hätte der Jüngere die Schreckschusspistole seiner Mutter in einer Jacke auf der Rückbank des Fahrzeuges versteckt: "Ich wollte die Waffe ausprobieren und wollte wissen, wie sie sich anfühlt", erklärte der spätere Schütze seine Absicht. Und das tat er dann auch. "Ich habe die Waffe schnell aus der Jacke genommen und aus dem halb offenen Fenster in die Luft geschossen." Etwaige Personen in der näheren Umgebung habe er dabei "nur aus dem Augenwinkel bemerkt" und das auch erst dann, als die Schüsse bereits gefallen waren. “Es tut mir sehr leid“, bereute der Schütze letztlich seine “dumme Idee“.

"Hatten große Angst"

Anders die Version der beiden Asylwerber: sie hätten den silbernen BMW bereits gegen 19 Uhr und auch danach noch ein paar mal bei ihnen vorbeifahren sehen. Den jüngeren der beiden Brüder hätten sie dann auch genau erkannt, als er sich aus dem Fenster gelehnt und in ihre Richtung geschossen haben soll. "Wir hatten große Angst und haben uns dann auf den Boden gelegt", schilderten die beiden Iraker, wovon sich einer nun in psychiatrischer Behandlung befindet, der Richterin.

Polizist hörte Schüsse

Zusätzlich belastet wurde das Brüderpaar von einem Polizisten. Dieser hatte nach eigenen Angaben die Schüsse an jenem Abend sowie die Worte "Polizei! Leg dich auf den Bauch du Sau und bleib liegen!" von seinem Balkon aus vernommen. Dass einer der beiden Angeklagten vor den Schüssen "Polizei" gerufen haben soll, bestätigten die Asylwerber. Die Aufforderung zum HInlegen sei jedoch nicht gefallen.

"Keine Kleinigkeit"

Obwohl die leitende Staatsanwältin auf schwere Nötigung – wofür man im schlimmsten Fall bis zu fünf Jahre ins Gefängnis muss – plädierte, hielt die Rechtsanwältin des Brüderpaares ihre Mandanten für "nicht schuldig". Schließlich seien widersprüchliche Zeugenaussagen – wie jene der Aufforderung zum Hinlegen – gefallen, das Brüderpaar hätte die Schüsse zugegeben und sich für den "Blödsinn" bei den Asylwerbern entschuldigt. Richterin Nemeskeri entschied sich schließlich für ein relativ mildes Urteil: der jüngere Bruder wurde aufgrund seines Alters zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bedingt verurteilt, sein älterer Bruder zu acht Monaten bedingt auf drei Jahre. Zusätzlich muss Letztgenannter, der parallel ein zweites Verfahren wegen Sachbeschädigung laufen hat, 300 Euro Strafe zahlen.
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