22.09.2016, 22:36 Uhr

NEUER UMWELTSTADTRAT FÜR ENNS

Nach 6 Jahren legte Wolfgang Heinisch seine Funktion als Umweltstadtrat zurück. Bei der Gemeinderatssitzung am 22.September 2016 wurde Michael Reichhardt als neuer Vertreter der Grünen in den Stadtrat gewählt. Damit übernimmt er auch den Vorsitz im Ausschuss für Umweltschutz, Energie, Naturschutz sowie Wasserver- und -entsorgung.

Hier lesen sie, was die beiden dazu zu sagen haben:


Hr. Heinisch, ihr Rückzug aus dem Stadtrat kommt für viele doch überraschend. Was waren die Gründe?

"Ich habe erkannt, dass ich nicht mehr die Energie, Kraft und Lust habe, auf dieser Ebene mit Zuversicht für eine zukunftsweisende Entwicklung unserer Stadt zu kämpfen. Umweltpolitik bedeutet das „Bohren harter Bretter“ – das kann man nicht ewig machen. Wir haben ein starkes Grünes Team, in dem Gott sei Dank jemand anderer die Spitze übernehmen kann."

Inwieweit hat das politische Klima dabei mit eine Rolle gespielt?

"Es ist zumindest seit der Gemeinderatswahl 2015, bei der wir Stimmen und Mandate dazugewonnen haben, nicht besser geworden. Vor allem meine persönliche Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister ist mittlerweile auf einem Tiefpunkt angelangt."

Was von Ihren Vorhaben konnten Sie umsetzen? Gibt es da sowas wie eine grüne Handschrift?

"Ich freue mich über die Entwicklung und bisherige Umsetzung des Radfahrkonzeptes – hier hat sich auch bewusstseinsmäßig bereits vieles gebessert.
In Enns wurden Bodenschutz- und Energiethemen in der örtlichen Raumordnung verankert. Bei diesen Zukunftsthemen sind wir damit Vorreiter in Oberösterreich.
Der öffentliche Baumkataster und eine online-Plattform für Bürgermeldungen gehen ebenso auf Vorschläge von mir zurück, wie zB der Ökostrombezug und die Elektrotankstelle. Auch in das „Hochwasserprojekt“ mit den Aussiedlungen an der Donau habe ich viel Zeit investiert."

Welche Projekte hätten Sie noch gerne umgesetzt?

"Einen barrierefreien Bahnhof und die Nutzung öffentlicher Flächen mit biologischem Obst- und Gemüseanbau für die Bevölkerung."

Was möchten Sie dem neuen Umweltstadtrat mit auf den Weg geben?

"Erneuerbare Energie und Ausdauer bei der Fortführung unseres konstruktiven Weges."

Hr. Reichhardt, was hat sie dazu bewegt dieses Amt zu übernehmen?

"Zuerst war ich selbst überrascht, als ich um die Ausübung dieses Amts gefragt wurde. Als gebürtiger Ennser liegt mir die Stadt natürlich sehr am Herzen. Sie hat Lebensqualität und Potenzial. Gleichzeitig erleben wir aber auch umfassende Krisen. Die Frage, wie wir Zusammenleben und Wirtschaften wollen, muss neu gestellt werden. Die Antwort darauf, können wir uns täglich, unmittelbar in unserer Gemeinde selber geben."

Welche Schwerpunkte in der Stadtpolitik sehen Sie? Was sind die größten Herausforderungen/Ziele in den nächsten Jahren?

"Als Umweltstadtrat liegt mir natürlich das Projekt Energiespargemeinde (EGEM) sehr am Herzen.
Hier hat es bereits viele gute Schritte gegeben, Stichwort Umstellung auf Ökostrom und Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden. Nun gilt es auch die weniger leicht umzusetzenden Maßnahmen in Angriff zu nehmen. Das Prinzip „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“, bringt uns dabei nicht weiter. Eine weitere Herausforderung wird die Landesausstellung 2018 sein. Hier wird Enns mit einem intelligenten, umweltverträglichen Verkehrskonzept punkten können. Noch ein persönlicher Wunsch: Enns soll „die Fahrradstadt“ Oberösterreichs werden."

Sie haben eine von neun Stimmen im Stadtrat und ein „Umweltressort“ ohne eigenes Budget. Wie wollen Sie dennoch Ihre Ziele erreichen?

"Wie bisher soll ein konstruktives Miteinander im Vordergrund stehen. Parteipolitisches Hick-Hack interessiert keinen Menschen mehr. Wenn Enns enkeltauglich werden soll, braucht es eine finanzielle und personelle Grundausstattung im Umweltressort. Aus welchem Topf schließlich die einzelnen Maßnahmen finanziert werden, ist zweitrangig. Am Wichtigsten ist, die schwerwiegenden Folgen eines Nicht-Handelns im Bereich unserer Lebensgrundlagen zu verstehen. Ohne Ökologie gibt es keine Ökonomie. Erst dann lässt sich mit, aber auch ohne Geld so richtig viel machen."
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