13.03.2016, 00:00 Uhr

Meister des Wiener Geflechts

Robert Roth ist der letzte Sesselflechter Wiens.

Robert Roth gibt alten Thonet-Sesseln neue Sitzflächen. Aus einem Hobby machte der ehemalige Architekt einen Beruf, den es in Wien sonst gar nicht mehr gibt.

FAVORITEN. Die Werkstatt in der Friedhofstraße 20 ist voll von Holz-Stühlen, die auf eine Wiederbelebung warten. Einem nach dem anderen restauriert Robert Roth. Er flechtet für sie neue Sitzflächen im alten Stil.

"Begonnen hat es mit einem Sessel vom Urgroßvater", so Wiens letzter Korbflechter. Der Sessel stand am Dachboden eines ehemaligen Wirtshauses. Roths Schwester hatte ihn in ihrer Studentenbude benutzt und grün angemalt.

"Ich habe das Holz bearbeitet, wollte aber auch das Geflecht selber fertigen. So habe ich einen Kurs im Kloster Schlierbach in Oberösterreich gemacht", erzählt Roth.

Der Einzige seiner Art

Das Arbeiten machte ihm Spaß und der Lehrer lobte sein Talent. Es kam, wie es kommen musste: Schon bald hängte Roth seinen Beruf als Architekt an den Nagel und wurde der einzige Sesselflechter Wiens.

"Meinen ersten Kunden hat mir mein Lehrer geschickt, bei dem ich das Flechten lernte. Ich wollte den Auftrag zuerst gar nicht annehmen", so der 63-Jährige. Mittlerweile ist er froh, den Beruf gewechselt zu haben.

"Seit wir bei der EU sind, ist es schwieriger geworden, Aufträge zu bekommen, da die Konkurrenz größer geworden ist." Aber Roth genießt die Arbeit an den Sesseln, findet sie sehr medidativ.".

Geflecht für die Ewigkeit

Die Geflechte für die Stühle fertigt Roth aus Rattanpalme. "Das ist eine Lianenpalme. Sie wird seit Erfindung des Geflechts verwendet.".

Für einen Sessel benötigt Roth etwas mehr als einen Tag, etwa zwölf Stunden. "Wenn mir aber dreimal der Faden bei einem Geflecht abreißt, dann nehm ich mir einen anderen her."

Pro Loch verlangt Roth 2,50 Euro. Ein Thonet-Stuhl mit einer runden Sitzfläche hat etwa 80 Löcher. Das neue Geflecht kommt somit auf 200 Euro. Eine Investition, die sich lohnt: "Bei widmungsgemäßen Gebraucht hält das Geflecht 30 bis 50 Jahre. Man sollte sich halt nicht auf den Sessel stellen, um Vorhänge aufzuhängen oder Glühbirnen auszuwechseln. Das schädigt das Geflecht schon", so der Sesselflechter.

Robert Roth würde sich freuen, wenn er einen Nachfolger finden würde, damit der Beruf nicht ausstirbt. In seinen Kursen, die er am Polycollege oder im Stift Schlierbach anbietet, hat er ihn noch nicht gefunden. "Die meisten, die kommen, wollen nur den Sessel reparieren, den sie zuhause haben", so Roth.

Mehr Infos finden Sie hier. http://www.sesselflechten.at/
Info zu den Kursen gibt’s hier
und auf Stift Schlierbach.
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