06.06.2016, 13:14 Uhr

Ein Nutz- und Erlebnisgarten für das Dorf

Noch ist im "Dorfgarten" in Bodensdorf viel zu tun. Organisator Richard Michael Pummer lädt Interessierte zum Mitmachen ein (Foto: Friessnegg)

Im Herzen von Bodensdorf wächst in einem "Dorfgarten" Gemüse & Co. Initiator ist Richard Michael Pummer.

BODENSDORF (fri). Ein 3.300 Quadratmeter großes Grundstück hat der Besitzer Richard Michael Pummer der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es soll ein Garten für alle sein. Dort wird gepflanzt, geerntet, weitergegeben. Ein Entwicklungsprozess ist im Gange.

WOCHE: Sie präsentieren Ihr Projekt "Dorfgarten" bei den "Tagen der Zukunft" in Arnoldstein. Wie ist es entstanden?

Richard Michael Pummer: Ich habe das Grundstück von meiner Mutter geerbt und mich hat die Idee, daraus ein Gartenprojekt zu machen, nicht mehr losgelassen. So wurde die Fläche bereits teilweise gerodet, Beete wurden angelegt und Hochbeete aufgestellt. Im Herbst des Vorjahres haben wir dann einen Verein gegründet, der derzeit acht Mitglieder hat. Es sind aber nicht nur die Mitglieder, die bei uns aktiv werden, auch Asylwerber, die im Ort leben, bringen sich ein und arbeiten mit.

Welche Grundwerte liegen dem zugrunde?
Grundsätzlich wollen wir Menschen die Möglichkeit bieten ihr eigenes Gemüse oder Obst anzubauen, zu ernten und vielleicht sogar weiterzuverarbeiten. Zudem besteht die Möglichkeit zum Austausch – auf allen Ebenen.

Welches sind die nächsten Schritte?

Wir sind jetzt gerade dabei das Gebäude, das sich auf dem Grundstück befindet, zu adaptieren. Dort soll später ein Hofladen Platz finden, in dem überschüssige Lebensmittel verkauft werden. Wir wollen Produkte selbst einkochen und anbieten. Zeitgleich entsteht ein Hühnerstall, den einige Mitglieder errichten. Der Fokus liegt auf der Erzeugung eigener Lebensmittel. Mein Bestreben ist es eine Art globale Selbstversorgung zu ermöglichen. Wenn man sich die Geschichte der Menschheit genauer ansieht, erkennt man, wie Menschen sich in Abhängigkeit begeben haben oder dazu gezwungen wurden. Mit kleinen Schritten könnte man den Menschen ihre Selbstständigkeit und zugleich Eigenverantwortung zurückgeben.

Kann so ein Projekt in einer ländlichen Region funktionieren?

Meine Erfahrung zeigt, dass Bodensdorf ein im wahrsten Sinne des Wortes 'guter Boden' dafür ist. Es gibt keine starren Strukturen und die Bewohner sind offen für Neues. Man geht aufeinander zu. Das zeigt sich auch im Umgang mit den Asylwerbern. Hier sind Leute aktiv geworden. Einmal wöchentlich gibt es einen Deutschkurs, Altkleider werden gesammelt und 18 Fahrräder wurden repariert, fahrtauglich gemacht und den Flüchtlingen zur Verfügung gestellt. Der "Dorfgarten" ist ein weiterer Schritt.

Welche Ziele haben Sie?

Wenn es uns auch gelingt die Produkte selbst zu verarbeiten, kann daraus ein kleines, unabhängiges Unternehmen entstehen. Darum sind Sponsoren oder Betriebe, die sich finanziell bei uns beteiligen wollen, jederzeit willkommen.


"Brutkasten" im Süden Österreichs

„Mit 37 Einreichungen haben sich heuer so viele Teams wie nie zu vor für diesen einzigartigen Zukunftsbrutkaten beworben“, sagt IFZ-Geschäftsführer Harald Schellander. Eine Jury wählte die vielversprechendsten Projekte aus, die nach Arnoldstein eingeladen werden. „Erstmals werden wir mehrere Teams miteinander vernetzen, die an ähnlichen Lösungen arbeiten. Dabei geht es um die Themenkreise Integration und Landwirtschaft." Wegen des großen Interesses, auch von Gemeinden, wird es zum Themenbereich Regionalwährung am 15. Juni einen öffentlich zugänglichen Workshop geben.
Zusätzlich wurden Einzelteams mit Projekten aus den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Gesellschaft, Architektur und Gesundheit ausgewählt.
Öffentliche Kongresstage: 16. & 17. Juni in Arnoldstein.

Zur Sache

Der Zukunftsbrutkasten im Süden Östereichs 

Zum insgesamt zehnten Mal gestaltet das Institut für Zukunftskompetenzen (IFZ) heuer die Tage der Zukunft in Arnoldstein. 18 Teams aus sechs Nationen werden an ihren Projekten für eine lebenswerte Zukunft arbeiten. Davon können sich Unternehmen, Gründer und Start-ups aber auch Organisationen und Kommunen inspirieren lassen.
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