23.03.2016, 07:11 Uhr

"Totschweigen ist keine Lösung"

Sozialarbeiterin Manuela Wresnik hofft, dass durch die aktuellle Entwicklung Hilfsmechanismen in Gang gesetzt werden (Foto: Friessnegg)

Zwei Drogentote innerhalb weniger Tage. Für Sozialarbeiterin Manuela Wresnik eine vorhersehbare Entwicklung.

FELDKIRCHEN (fri). "Grundsätzlich kann man sagen, dass es sich um kein Problem handelt, mit dem nur Feldkirchen zu kämpfen hat. Es betrifft ganz Kärnten", so Manuela Wresnik, die seit zwei Jahren die Mobile Jugendarbeit der Stadtgemeinde Feldkirchen leitet.


Absehbare Entwicklung

"Der Prozess zeichnet sich schon lange Zeit ab, war absehbar und es wird weitergehen. Es wird wieder Opfer geben. Das ist traurig und zugleich Spiegelbild der Gesellschaft", ist sich die Sozialarbeiterin, die lange Zeit in der Wiener Drogenszene als Streetworkerin tätig war, sicher. "Sucht ist eine Entwicklung, die in unterschiedlichen Stadien mit unterschiedlicher Geschwindigkeit passiert. Viele junge Menschen sind neugierig und probieren Suchtgifte aus. In vielen Fällen bleibt es beim bloßen Probieren, manche schaffen den Ausstieg nicht. Das Konsumverhalten verändert sich und es wird gefährlich. Denn Sucht ist eine Erkrankung, die sowohl physische als auch psychische Auswirkungen hat."


Mehr Risiko

Zusätzlich beobachtet die Sozialarbeiterin Verhaltensänderungen: "Die Konsumenten werden experimentierfreudiger und risikobereiter. Es ist relativ einfach in Kärnten an Drogen zu gelangen und viele Substanzen werden über das Internet organisiert. Das birgt neue Gefahren, denn dabei handelt es sich um sogenannte „Research Chemicals" (RCs) – chemische Verbindungen, über deren psychoaktive Wirkungen und Toxikologie wenig bekannt ist und die kaum bzw. noch nicht ausreichend erforscht sind."


Prävention und Hilfe

"Darum wäre es nötig präventiv aktiv zu werden", hofft Wresnik auf ein Umdenken aller verantwortlichen Institutionen. "Wir sind eine niederschwellige Einrichtung. Leute, die zu uns kommen, tun das freiwillig. Sie können Hilfe in Anspruch nehmen, sich beraten lassen. Wir unterliegen der Schweigepflicht. Das ist aber nicht genug. Die betroffenen Stellen müssten zusammenarbeiten, sich vernetzen und gemeinsam auftreten. Es wäre wichtig, in Feldkirchen eine Zweigstelle von Roots – Drogenambulanz in Villach – zu haben. Keine finanziellen Mittel heißt es dazu von offizieller Seite. Dem kann ich nur entgegenhalten, dass psychische und physische Folgeerkrankungen einer Sucht – HIV und Hepatitis C – wesentlich kostspieliger sind wesentich kostspieliger sind als effiziente Prävention. Wir haben auch zu wenig finanzielle und personelle Ressourcen."
Allein gelassen fühlen sich auch Betroffene und ihre Aussage klingt wie ein Hilfeschrei: "Wir stehen am Rand der Gesellschaft, funktionieren aus den unterschiedlichsten Gründen nicht wie gewünscht und haben deshalb keinen Platz. Es interessiert niemanden wirklich wie es uns geht und wo unsere Probleme sind."
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