25.03.2016, 12:14 Uhr

Ein Thalgauer und das Oktoberfest: Carl von Moll

Den Thalgauer Carl von Moll könnte man fast schon einen Universalgelehrten nennen. (Foto: Repro: Franz Neumayr)
THALGAU (ck). “Seine Staatskunst gehörte dem Heimatlande, sein Forschen und Sammeln der Wissenschaft, sein ganzes Denken, Streben und Thun dem Geistesfortschritte der Menschheit.“, so steht es auf einer Erinnerungstafel am Universitätsplatz in Salzburg. Gemeint ist damit Carl Ehrenbert Freiherr von Moll. Der 1760 in Thalgau geborene Mann war ein umtriebiger Zeitgenosse. Nachdem er an der Universität Salzburg Rechtswissenschaften studierte, machte er sich einen Namen als Politiker, Naturforscher, Sammler, Autor und Mitbegründer des Münchner Oktoberfestes.

Der Staatsmann

Im Jahr 1782 nahm Moll seine erste Tätigkeit als Verwaltungsaccessist in Zell am Ziller auf. Nach mehrerer Beförderungen wurde er 1790 zum Direktor der Hofkammer in Salzburg ernannt und übernahm 1791 die Direktion des Salz-, Münz- und Bergwesens. Von 1800 bis 1803 war Carl Moll Mitglied der Statthalterei von Salzburg, welche die Regierungsgeschäfte für den vor den Franzosen nach Wien geflohenen Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo leitete. Als Salzburg 1803 in ein weltliches Fürstentum umgewandelt wurde, war Moll auch hier Teil des Regierungsapparates. Von 1804 an bis zu seinem Ruhestand 1832, arbeitete der Thalgauer in den Diensten der Kurfürsten von Bayern.

Der Naturforscher

Von großem Interesse für Moll waren Insekten. Bereits mit 23 Jahren publizierte er eine zweibändige Studie über sie. Zu seinen Freunden und Bekannten zählte neben dem berühmten Alexander von Humboldt auch der Insektenforscher Franz von Paula Schrank. Im Jahr 1795 wurde Moll zum Mitglied der Leopoldina gewählt. Damals wie heute galt die “Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina“ als eine der wichtigsten Gelehrtengesellschaften im deutschsprachigen Raum. Spätestens ab 1797 widmete er sich übrigens auch der Mineralogie und gab Jahrbücher zur Salzburger Landschaftskunde heraus.

Der Sammler

Eine Bibliothek mit über 80.000 Bänden, 5000 Mineralienstücke, 2000 getrocknete Pflanzen, über 300 Portraits und Kupfer - Carl von Moll kann man getrost als passionierten Sammler betiteln. In den 1790er Jahren war seine Sammlung so groß geworden, dass er Schloss Neudeck in Salzburg-Nonntal anzukaufen hatte, um sie im dreistöckigen Haus unterzubringen.

Der Schriftsteller

Neben seinen naturhistorischen Werken und etlichen von ihm herausgegebenen Periodika, betätigte sich Carl von Moll in seiner Jugendzeit auch als philosophischer Schriftsteller in der Tradition der Spätaufklärung. Damit lag er mit Persönlichkeiten wie Kaiser Joseph II. im Trend der Zeit. Vor allem die Kritik an der Kirche lag ihm dabei am Herzen. 1783 erschien “So machs ich mit den Mönchen“, worin er die Kapuzinermönche von Tamsweg der Volksverdummung und Geschäftemacherei beschuldigt. Im Jahr darauf, also 1784, kritisierte er in einer Schmähschrift einen Hirtenbrief des Fürsterzbischofs Hieronymus Graf Colloredo.

Der Mitbegründer des Oktoberfestes

Beschäftigt man sich mit der Geschichte des Oktoberfestes, stößt man unweigerlich auch auf den Namen Moll. Dieser war nämlich Vorstandssekretär des Landwirtschaftlichen Vereins in Bayern und als solcher einer der Väter einer alljährlich in München eingeführten Agrarausstellung. Sie entwickelte sich später zum “Oktoberfest“.
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