24.03.2016, 18:06 Uhr

Familie zittert um Eigenheim

Direkt vor Roland Klappachers Haus soll ein Rückhaltebecken entstehen. Der Bürgermeister zeigt sich kompromissbereit.

Der Hochwasserschutz an der Grundstücksgrenze lässt die Wogen hochgehen.

GRÖDIG. Bereits 2014 haben im Grödiger Ortsteil Fürstenbrunn die Planungsarbeiten für den Hochwasserschutz begonnen. Nun zittert eine Familie, die mit zwei Generationen in einem Haus am Lettensteiggraben wohnt, um ihr Eigenheim. "Wir haben Angst. Rein theoretisch könnten jederzeit die Bagger kommen", sagt Anita Klappacher, denn: Unmittelbar unterhalb des Hauses soll ein Rückhaltebecken entstehen, das rund 3.000 Kubikmeter Wasser fassen kann. "Wenn das so kommt, dann wird unser Haus abrutschen", ist Roland Klappacher überzeugt. Er stützt sich dabei auf eine Aussage des Landesgeologen Rainer Braunstingl.

Just diesen Experten hat Grödigs Bürgermeister Richard Hemetsberger laut eigener Aussage für die Begutachtung eingeladen. Auch er bestätigt, dass Braunstingl hier von einem "sensiblen Bereich" spricht, vertraut jedoch auf die Kompetenz der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV), die für die Arbeiten verantwortlich zeichnet. Die Gemeinde Grödig fungiert hier lediglich als Auftraggeber.

Unverständlich für das Ehepaar ist, wie die Genehmigung des Projektes zustande gekommen ist. "Wir sind nicht informiert worden und werden jetzt als Hochwasserschutz-Gegner hingestellt", erzählt Anita Klappacher. Eine Begehung des planenden Ingenieurs, Anton Pichler, habe es bislang zudem nicht gegeben. "Auch die Fürstenbrunner wurden nicht informiert, sondern lediglich gegen uns aufgehetzt", sagt Roland Klappacher. Zudem habe es bei seinem Haus, das seit 50 Jahren an diesem Ort steht, noch nie ein Problem mit Hochwasser oder Muren gegeben.

Der Bürgermeister spricht von einer "sehr emotionalen" Angelegenheit. Dass bislang noch nie etwas passiert ist, sei ein "Riesenglück". Vor allem aber durch den Klimawandel bestehe akuter Handlungsbedarf. "Mir tut die Familie leid, aber Einzelinteressen dürfen so ein Projekt nicht kippen", so Hemetsberger. Dennoch zeigt sich der Ortschef kompromissbereit – sofern es eine Alternative gibt.

"Sind keine Schutz-Gegner"

Familie Klappacher sieht sich selbst nicht als Hochwasserschutz-Gegner, dennoch fordert sie ganz klar, dass das geplante Projekt unterhalb ihres Hauses abgeändert wird – obwohl sie als Grundstücksnachbar keinen Parteistatus hat. "Eine Variante in Naturbauweise können wir gutheißen, aber eine hohe Mauer und große Ausbaggerungen dürfen nicht kommen", so Roland Klappacher. "Wir haben das Vertrauen verloren. Auch ein Bau oberhalb des Hauses mit 3.600 Kubikmetern Fassungsvermögen würde uns nicht mehr ruhig schlafen lassen", ergänzt Anita Klappacher.

Dass es hier zu einer Gefährdung kommen könnte, glaubt Hemetsberger nicht: "Die Leute der WLV sind Profis, die würden nie etwas machen, wo ein Objekt Schaden leidet." Für den Standort oberhalb des Hauses spricht laut Bürgermeister, dass das Eigenheim dadurch ebenfalls vor Naturgewalten geschützt werden könnte.

Familie fordert mehrere Becken

Dennoch wünscht sich Familie Klappacher eine Aufteilung auf mehrere kleine Rückhaltebecken und das Gutachten eines unabhängigen Geologen aus Bayern oder Wien. "Drei Riesenflüsse und unser winziger Bach speisen die Glan. Jetzt werden Gemeindevertreter durch die Wahl pro oder kontra Hochwasserschutz gegeneinander aufgebracht", sagt Roland Klappacher. "Und das, ohne auch nur annähernd über die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen zu sprechen."
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