21.07.2016, 15:26 Uhr

Marcus-Wagen auf Sommerfrische im Mattseer Fahrtraum

Noch bis zum Ende der Sommerferien wird der Marcus Wagen in Mattsee ausgestellt. Im Bild: Ernst Piëch und Franz Reithuber.

Die HTL Steyr stellt dem Museum während der Sommerferien ihren funktionstüchtigen Nachbau des legendären Automobils zur Verfügung

MATTSEE (buk). Um ein außergewöhnliches Exponat hat der Mattseer fahr(T)raum nun seine Sammlung ergänzt. Die HTL Steyr hat dem Museum während der Sommerferien einen funktionstüchtigen Nachbau des legendären Marcus Wagens zur Verfügung gestellt. Insgesamt haben rund 120 Schüler zwölf Jahre lang an dem Fahrzeug getüftelt, alleine der Wert der Arbeitszeit kann – bei einem Stundensatz zwischen 20 und 30 Euro – mit 200.000 Euro angegeben werden.

Von der Kutsche zum Käfer

"Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass wir von der Kutsche bis zum Käfer alles ausstellen", erzählt Museums-Inhaber Ernst Piëch und ergänzt: "Ich selbst habe eine Sammelleidenschaft. Das ist wie eine Sucht. Lediglich der Platz im Museum ist mit 2.500 Quadratmetern begrenzt." Der Kontakt zur HTL Steyr sei zufällig entstanden.

Gegen den Willen des Kaisers

Der Marcus Wagen gilt als direkter Vorläufer des modernen Automobils. Er wurde von Siegfried Marcus um cirka 1875 entwickelt. Der Erfinder betrachtete das selbstfahrende Auto als ideal, um Menschen zu den Eisenbahn-Stationen zu befördern – sehr zum Missfallen des Österreichischen Kaisers, der hoffte, dass das "edle Ross nie durch das stinkende Automobil ersetzt wird".

Aufbau in Teilbereichen

Um das Fahrzeug überhaupt nachbauen zu können, wurde die Originalversion im technischen Museum Wien mittels 3D-Lasertechnik nachgemessen. "Wir haben versucht, alles original zu machen", sagt HTL-Steyr-Direktor Franz Reithuber. "Bloß in den Motor konnten wir nicht hineinschauen." Damit ein derartiges Projekt überhaupt in einer Schule gebaut werden kann, wurde es in mehrere Teilbereiche heruntergebrochen.

0,75 PS und zwölf km/h Spitze

Das Fahrzeug selbst hat einen 1.500 Kubikzentimeter großen Motor, der 0,75 PS mobilisiert und eine Höchstgeschwindigkeit von rund zwölf km/h schafft – für damals eine immense Geschwindigkeit. "Siegfried Marcus selbst hat Ende des 18. Jahrhunderts einen Strafzettel bekommen, weil sein Fahrzeug zu schnell und zu laut war zudem hat es sehr gestunken", weiß Reithuber. Im Gegensatz zu den ersten Daimler-Fahrzeugen, die mit Alkohol betrieben wurden, läuft der Marcus Wagen mit herkömmlichem Benzin.

Präsident Heinz Fischer als erster Fahrgast

Für die Jungfernfahrt hat die HTL Steyr Bundespräsident Heinz Fischer, Schirmherr des Projektes, eingeladen. "Im Oktober haben wir ihn gefragt, ob er bei der Erstfahrt mitmachen will. Als uns ein Datum genannt wurde, wussten wir: Bis dahin müssen wir fertig werden", schmunzelt Reithuber. Die Schüler und Lehrer hätten dafür sogar in den Ferien durchgearbeitet. Kutschiert wurde der Präsident von einem Schüler, der zuvor extra Trainingseinheiten einlegen musste. "Das Fahren ist alles andere als einfach. Statt einem Startschlüssel braucht man eine ganze Mannschaft, um den Marcus Wagen zu starten", sagt Reithuber.
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