09.09.2016, 06:00 Uhr

Thalgauerinnen bewahren Tradition des Kopftuchbindens

Schon Greisbergers Mutter und Großmutter trugen die schwarze Kopftuchtracht. (Foto: Evelyn Baier)

Rund 25 aktive Mitglieder verschreiben sich der Tradition des 200 Jahre alten Brauchs des Kopftuchbindens.

THALGAU (eve). Das kunstvolle Binden der schwarzen Kopftuchtracht ist Geschicklichkeitsspiel und Tradition. Der Verein der Kopftuchgruppe Thalgau besteht seit 1974 und wurde gegründet, um den Brauchtum weiterzuführen. Das Kopftuchbinden selbst fordert Geschick und Wissen um die richtige Technik. "Bürgermeistergattin Maria Schmidinger hat damals gemeint, wir sollten das unbedingt weitermachen, damit diese alte Tradition nicht in Vergessenheit gerät, und hat deswegen den Verein gegründet", erzählt Ehrenobfrau Katharina Greisberger, die 23 Jahre lang aktive Obfrau des Traditionsvereins war. Derzeit zählt die Gruppe rund 25 aktive Mitglieder.

Knoten bleibt im Stoff

40 verschiedene Varianten gibt es, das Tuch zu formen. Die reine Seide wird zuerst mit Bier besprüht. Um den Stoff zu stärken, wird das Tuch feucht gebügelt und dann in Form gebracht. Geübt wird bei den Frauen intern im Gruppenzusammenhalt. "Zwei bis drei können es sehr gut und üben das meistens einmal im Jahr mit uns", meint Greisberger. Die Kunst dabei ist es, das Kopftuch so zu befestigen, dass es gut sitzt und hält. Das Tuch misst dabei meist eine Länge von 1,50 Meter. Der Knoten wird üblicherweise nicht aufgelöst und bleibt im Stoff, während das Tuch nicht benützt wird. An feierlichen Anlässen wie zu Trachtenfesten oder Jubiläen wird es aufgelegt und je nach Haarlänge der Trägerin weiter oben oder unten am Hinterkopf befestigt. Die Kopftuchfrauen orientierten sich gleich zu Beginn an alten Bildern und der ursprünglichen Form und Fabgebung. Dementsprechend sind Tücher und zweiteiliges Trachtengewand, das meist aus Wolle ist, schwarz.

Überlieferte Tradition

Seit 200 Jahren wird das Kopftuch in Salzburg getragen. "Nach den Napoleonischen Kriegen ist es immer beliebter geworden und nach 1948 richtig aufgeblüht. Die Stoffe wurden schöne und die Trägerinnen stolzer", erzählt Greisberger. Auch ihre Mutter und Großmutter pflegten die Tradition. Die Kleidung wurde dabei zum Kopftuch ausgewählt, nicht umgekehrt. Getragen wurde es an Sonntagen und zu Festtagen vor allem im Raum Bayern, Innviertel und Salzburg. "Es wird jetzt noch Flügelhaube genannt, der Name hat uns aber nicht so gut gefallen", sagt Greisberger. Mit Kopftuchträgerinnen anderer Religionen hat die Traditionsfrau übrigens kein Problem. Die schwarzen Prachtgewänder können das nächste Mal beim Erntedankfest bewundert werden, dann packen die Thalgauer Kopftuchfrauen wieder die Tracht aus.
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