07.09.2016, 06:00 Uhr

"Glück hilft am Weg zur Profi-Spielerin"

"Runterkommen" steht nun auf Barbara Hansels Agenda ganz oben. Bislang trainierte sie rund 30 Stunden pro Woche.

Nach 14 Jahren hängt Barbara Hansel den Beachvolleyball an den Nagel – und will nochmals studieren

NEUMARKT (buk). Mit einem Paukenschlag zum Abschluss ihrer Karriere hat Barbara Hansel gemeinsam mit ihrer Partnerin Stefanie Schwaiger ungeschlagen den Staatsmeistertitel im Beachvolleyball geholt – und sich damit binnen 14 Jahren Profi-Karriere zum siebten Mal zur Österreich-Meisterin gekrönt: "Diese Medaille bekommt einen speziellen Platz. Immerhin ist es die letzte."

Schwaiger verzögerte das Aus

Die Entscheidung, dass sie ihre Profi-Karriere an den Nagel hängt, sei bereits vor zwei Jahren gefallen. Durch die Möglichkeit, mit Schwaiger ein neues Team zu bilden, wurde das Karriere-Aus allerdings verschoben. "Unser großes Ziel war es, zur Olympiade nach Rio de Janeiro zu fahren", sagt Hansel. Während es zu Beginn der Qualifikation noch gut ausgesehen hat, vereitelte eine Niederlage im letzten Satz dieses Vorhaben. "Die Tage danach waren sehr hart – vor allem, weil es so knapp war."

Vertrauen im Mittelpunkt

Eine der größten Herausforderungen beim Beachvolleyball ist laut Hansel das Vertrauen in das Team. "Der Respekt muss passen", erzählt sie. Man müsse sich – ähnlich wie in einer Partnerschaft – vollkommen auf den anderen verlassen können. "Viele vergleichen das sogar mit einer Ehe. Teilweise verbringt man im Sport aber noch mehr Zeit miteinander", grinst die Neumarkterin.

Russische Staatsmeisterin

Auf internationaler Ebene hat Hansel bei der World Tour – der Weltmeisterschaft – einmal Bronze und einmal Silber ergattert, einen Vizeeuropameistertitel abgeräumt und ist einmal russische Staatsmeisterin geworden. "In Russland müssen die Spielerinnen im gleichen Verein spielen, aber nur eine davon muss Russin sein." Nach einer Anfrage hat sich die Neumarkterin rasch angemeldet und das Turnier bestritten.

Die Schülerliga als Beginn

Mit dem Volleyball selbst hat Hansel in der Schülerliga angefangen, zwei Jahre mit ihrer Schwester Julia gespielt. Nach der Matura wurde sie von Sarah Montagnolli gefragt, ob sie mit ihr ein Team bilden wolle – und ist nach Innsbruck gezogen. Anfangs mussten die beiden ihre Preisgelder noch in Flüge investieren. "Mir haben oft der Zufall und das Glück geholfen. Auch meine Eltern haben mich voll unterstützt", sagt Hansel. Um Profi zu werden, müssten mehrere Komponenten zusammenspielen – vom Team bis zum Umfeld. "Leider gibt es in Österreich kaum Zentren, wo Beachvolleyball als Leistungssport angeboten wird." Hallenvolleyball sei deshalb eine gute Grundlage, eine entsprechende Körpergröße – Hansel ist 1,86 Meter groß – sei von Vorteil. Dennoch habe sich der Sport weiterentwickelt: "Kleinere Spielerinnen sind oft extrem schnell und wendig."

Zukunft völlig offen

Wie es nun konkret weitergeht, kann Hansel selbst noch nicht sagen. Ihr Pädagogik-Studium hat sie "nach langer Zeit" trotz Sportler-Karriere abgeschlossen. Nun will sie die Berufsförderung des Heeressportes nutzen, um auch noch BWL anzuhängen. "Ein Grundwissen schadet hier nie. Lässig wäre es, beides zu vereinen." Was den Sport betrifft, freut sich die Neumarkterin darauf, Neues auszuprobieren: "Skifahren zu gehen habe ich mich etwa wegen der Verletzungsgefahr während der letzten Jahre nicht mehr getraut". Und auch Tennis steht auf der Wunschliste weit oben: "Das war bisher nicht möglich, weil ich sonst den Fokus auf die Ballabstände verloren hätte."
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