14.06.2016, 00:00 Uhr

Onlinehandel bekommt Aufwind in der Plusregion

Wiebke Best-Wagner
Zahlreiche Händler der Plusregion nutzen das Internet als Plattform zur Information über ihr Angebot. Der Kauf von Waren und Produkten wird vorwiegend noch vor Ort in den Betrieben abgewickelt.
Der Online-Handel wächst in Österreich schneller als in Deutschland. Hauptsächlich große Händler wie Amazon profitieren vom Geschäft im Netz. Immer mehr Menschen nutzen das Internet für ihren Einkauf. Es ist bequem vom Sofa aus rund um die Uhr zu shoppen und sich auf eine virtuelle Einkaufstour zu begeben. Elektronik, Mode und Haushaltswaren führen die Liste der am meisten bestellten Konsumgüter an. Experten sehen im digitalen Wandel große Chancen für den Handel. Mithilfe von neuen Technologien lassen sich Prozesse im Unternehmen verbessern und Werbungen für die Kunden zielgerichtet platzieren – eine gute Basis, um potentielle neue Kunden zu gewinnen. Für die Unternehmer der Plusregion sind oft die Beratung und das persönliche Verkaufsgespräch maßgeblich für einen erfolgreichen Kaufabschluss. Dass der Handel im Internet den traditionellen Handel verdrängt, daran glaubt niemand. "Wir haben vor zwei Jahren mit Investitionen in den Online-Handel begonnen und unsere Homepage benutzerfreundlich gestaltet", erzählt Gerd Haslinger von EZA Fairer Handel GmbH in Köstendorf. Im ländlichen Raum ist der Faire Handel mit seinen Weltläden noch nicht flächendeckend installiert. "Es ist ein Trend, an dem niemand vorbei kommt. Deshalb setzen wir auf eine Parallelstrategie als Ergänzung zum lokalen Handel. Bei uns betragen die Bestellungen über das Internet allerdings nur zwei Prozent des Gesamtumsatzes", berichtet Haslinger, der sich mehr Präsenz im ländlichen Raum wünscht und künftig fünf bis zehn Prozent im Online-Handel erzielen will. "Wir merken, dass sich viele unserer Kunden vorab auf unserer Homepage informieren, um danach im Weltladen einzukaufen", so Haslinger, der bei kleineren Bestellungen über das Internet und dem Postversand auch eine Kostenfrage sieht. Online bestellt werden bei EZA Fairer Handel Produkte wie Kaffee, Tee, Schokolade, Gewürze und auch Kunsthandwerk. "Alle unsere Produkte – wir führen 14.000 – in der Homepage aufzulisten, ist unmöglich. Nähere Informationen über unser Angebot geben die Mitarbeiter in den Weltläden. Das Internet stellt für uns daher eine zusätzliche Verkaufsschiene dar. Wir wollen unserer eigenen Struktur nicht schaden. Sollte es eine Umsatzsteigerung über den Bezug im Internet geben, müssen wir natürlich auch Personalressourcen schaffen", fügt er hinzu.
Völlig anders gestaltet Werbung für ihr Sortiment Wiebke Best-Wagner in Straßwalchen. In ihrem Geschäft “Bunte Liebe” bietet sie alles rund ums Kleinkind – wie Baby-Erstausstattungen, Bilder mit Stoffelementen und Widmung sowie persönliche Accessoires, Baby-Decken, Hauben, Shirts und Hosen an. Aktuelle Waren preist die Geschäftsführerin hauptsächlich über Facebook an. “Ich poste zum Beispiel, dass Hauben bei mir um 15 Prozent günstiger zu erwerben sind. Auf solche Postings reagieren die Leute. Ich bin gut vernetzt und erhalte sehr gute Resonanz direkt auf mein Handy”, erzählt sie. Über eine eigene Online-Seite hat sich Best-Wagner noch nicht gewagt. “Ich weiß nicht, was mich tatsächlich erwartet. Als Ein-Person-Unternehmen muss ich die Waren selbst produzieren, verkaufen und anbieten, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt”, weiß die Straßwalchenerin, die sich über Stammkunden freut und viele ihrer Eigenkreationen über Mundpropaganda verkauft. Ein hauptsächliches Argument dafür sind ihre individuellen Angebote. “Ich gehe auf die Wünsche meiner Kunden ein. Es wäre ein zu großer Aufwand, solche Einzelanfertigungen im Internet anzubieten. Deshalb ist für mich nur die Geschäftsanbahnung wie über Facebook interessant, wo junge Mütter in sozialen Medien unterwegs sind. Die Kaufabwicklung findet bei mir im Geschäft statt”, so Best-Wagner. Mit dem Slogan “Fahr nicht fort, kauf im Ort” geht die Straßwalchenerin auf die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten ein und ihre Kunden fühlen sich in der persönlichen Absprache mit ihr sehr wohl.
Eine interessante Art der Geschäftsanbahnung ist im Autohaus Reiser in Straßwalchen möglich. Auf der Homepage können sich die potentiellen Kunden ihr individuelles Angebot der angebotenen Automarken selbst zusammenstellen. “Die Kunden können auf unserer Homepage über den Konfigurator ihr Automodell selbst wählen. Bei Neuwagen können sie Design, Farbe, Sonderausstattung und Zubehör auswählen. Das Programm berechnet den Preis und auch die Finanzierung”, erklärt Firmeninhaber Anton Reiser. Vorteil dabei ist, dass die Angebote sofort verfügbar sind und auch eine Probefahrt mit einem der Modelle vereinbart werden kann. “Natürlich ist es notwendig, dass sich die Kunden mit uns persönlich in Verbindung setzen. Bei einer Investition in einen Neuwagen soll das Erlebnis Auto spürbar werden. Das Fühlen und Spüren bei einer Probefahrt ist durch nichts zu ersetzen”, so Reiser, der auch Gebrauchtwagen im Internet zum Verkauf anbietet. Spezielle Konditionen werden allerdings nur über den Kauf im Geschäft vereinbart. “Beide Welten – sowohl der Online-Handel als auch der persönliche Kontakt – sollen sich verzahnen. Für Beratungen über verschiedene Dinge – wie der Autoservice abgewickelt wird und ob ein Leihauto notwendig ist – braucht man auf jeden Fall den Menschen dahinter”, ist Reiser überzeugt.
Ähnlich wie im Autohaus funktionieren die Geschäftsanbahnung und der Verkauf bei Wohnideen Maislinger in Neumarkt. „Wir haben keinen Online-Shop, präsentieren aber in unserer Plattform 'Wohnsinns-Preise' Abverkaufsware, wenn unsere Ausstellung umgebaut wird“, berichtet Geschäftsführer Fritz Maislinger, der in seiner Homepage einen Online-Küchenplaner eingerichtet hat und dem die Homepage und der Web-Auftritt wichtig sind. Im Internet können die Kunden die geeignete Küchenform, die Front und das Material auswählen. Schritt für Schritt verschaffen die Eingaben der notwendigen Maße, Geräte und Serviceleistungen wie die Montage auch einen Blick auf den jeweiligen Preis. „Im Vordergrund steht für uns dabei die Informationsvermittlung, denn jeder Kunde will vorab wissen, was ihn erwartet“, erklärt Maislinger. Beim Kauf einer Küche oder einer Couch ist der Eindruck genauso wichtig wie die persönliche Beratung. „Nur über das Gespräch können wir fachmännisch beraten, kompetent planen und einen Terminplan erstellen“, betont der Wohnideen-Chef, der entsprechend seiner Firmenphilosophie auf die individuellen Bedürfnisse seiner Kunden setzt. „Das Internet kann bei uns nur punktuelle Informationen bieten. Ein Fachhändler beschäftigt sich jeden Tag mit Einrichtungen und kann daher am besten einschätzen, was ein Kunde will“, ergänzt Maislinger. Der Neumarkter Betrieb hat auch eine Facebook-Seite eingerichtet, die mehr der Image-Werbung dienen soll und auf der hauptsächlich Neues gepostet wird.
Bei Fischwenger Reisen in Straßwalchen wird zwischen Bus- und Flugtouristik unterschieden. Bei Busreisen verzeichnet das Reisebüro einen steigenden Trend bei Online-Buchungen. „Etwa 30 Prozent wird über Internet gebucht. Die beliebtesten Formen bei Buchungen sind aber immer noch die über Telefon und den persönlichen Kontakt“, erzählt Hannes Fischwenger, der mit Bruder Andreas die Geschäfte führt und sich über den Online-Vertrieb in der Touristik bereits selbst Gedanken machte: Wohin geht die Reise? „Das Buchungsverhalten im klassischen Reisebüro bei Flug- und Schiffsreisen teilt sich – wie folgt – auf: ein Drittel der Urlauber bucht seine Reise zuletzt im Reisebüro, der Rest verteilt sich auf Online-Buchungstools, diverse Homepages und Bestellungen vor Ort“, so Fischwenger, der auf die Vorteile im Reisebüro verweist. „Zwar steigt die Zahl derer, die Reisen online buchen, weil das schnell geht und die Auswahl groß ist. Das Reisebüro hat andere Vorzüge: Hier gibt es individuelle Beratung und Sonderwünsche werden erfüllt. An dem Gerücht, dass online gebuchte Reisen billiger sind, entspricht oft nicht der Tatsache“, weiß der Irrsdorfer, der sich im weltweiten Netz neu ausrichtet. „Wir haben unsere Webseite www.fischwenger.at speziell für die Nutzung auf mobilen Endgeräten wie Smartphones optimiert“, so der Unternehmer. Seit heuer ist es möglich, Gutscheine online zu bestellen und auszudrucken – auch rund um die Uhr. Innovationen setzt Fischwenger ab Sommer auf dem Internet-Sektor mit einer neuen Reisebüro-Homepage www.schmetterlingreisebuero.at und integrierten Flug-Suchmaschinen sowie mit der neuen Bus-Plattform für Gruppenreisende www.bus-angebot.at. „Ähnlich wie 'booking.com' kommt im Sommer das erste Online-Tool auf den Markt, welches die Möglichkeit für Gruppenreisende (Senioren, Lehrer, Vereine, Firmen, usw.) bietet, Busangebote aus ganz Österreich schnell und übersichtlich vergleichen zu können“, freut sich Fischwenger.

Ein anderes Konzept – in Kooperation von Expert-Österreich – bietet Expert-Partner Franz Schwab aus Köstendorf. „Auf der Homepage sehen die Kunden, welche Produkte im Zentrallager zur Verfügung stehen und in 24 Stunden lieferbar sind. Aktuell sind es zum Beispiel über 100 Fernsehapparate“, erzählt Schwab. „Meine Kunden informieren sich über das Internet und kaufen gezielt ein Gerät“, berichtet der Köstendorfer, der aber seinen potentiellen Käufern gerne Tipps gibt, ob das jeweilige Gerät dem Wunsch des Kunden entspricht oder eine alternative Lösung besser ist. Expert übernimmt dabei auch die Abwicklung der Bezahlung. Gegen Bezahlung von Versandkosten werden die Produkte direkt nach Hause geliefert. Versandkosten frei ist die Abholung der Bestellung beim Fachhändler. Der Lieferservice beinhaltet die Aufstellung des Geräts und Inbetriebnahme beim Kunden. Die Bezahlung erfolgt bereits online. „Wenn die Ware lagernd ist, trete ich mit dem Kunden sofort in Kontakt, sonst erfolgt der Versand durch Expert. Die meisten Kunden nehmen das gerne in Anspruch“, weiß Schwab, der von der Zustellung bis zum fachmännischen Einbau, die Inbetriebnahme und Installation des bestellten Geräts beim Kunden vor Ort übernimmt. „Die Internet-Präsenz ist auch für mich sehr wichtig. Trotzdem ist der Fachmann bei den Kunden erwünscht, weil bei der großen Produktvielfalt an Haushaltsgeräten, Fernsehapparten und dergleichen mehr immer wieder Fragen auftauchen – bezüglich der Installation oder der Programmierung“, so Schwab.
Die meisten Aufträge werden bei Josef Vitzthum im Fotogeschäft Költringer in Straßwalchen online durchgeführt. Was früher auf Film belichtet, entwickelt, beschriftet und geordnet werden musste, funktioniert im Internet-Zeitalter anders. Seit Beginn des Unternehmens vor 120 Jahren hat sich das Foto-Geschäft von Grund auf geändert. „Nach einer Veranstaltung, wie eine Erstkommunion, Firmung oder eine Hochzeit, stelle ich die Fotografien auf unsere Homepage“, erklärt Vitzthum. Auch Familienaufnahmen, Schul- und Kinderfotografien und dergleichen mehr können bequem zu Hause besichtigt und über die Internet-Plattform bestellt werden. Der Link zu den Fotoseiten kann auch an Verwandte und Freunde gesendet werden. „Das alles hat einen großen Vorteil für die Schulen, weil nur noch ein geringer administrativer Aufwand besteht. Es werden keine Fotos mehr produziert, die nicht bestellt werden. Das ist Ressourcen schonend und umweltfreundlich“, betont Vitzthum, der neben Fotopapier auch T-Shirts, Kappen, Tassen, Alu, Glas und Steinbilder bedruckt. Wesentlich ist für Vitzthum deshalb die Kombination zwischen Online-Handel und der Beratung vor Ort. „Auf einer Hochzeitsgesellschaft verteile ich ein Passwort für die Internetseite. Wenn die Fotos online sind, sendet das System dem Passwort-Inhaber per E-Mail eine Nachricht“, so der Fotograf, der Bewerbungsfotos 30 Tage kostenlos online stellt. „Heute bleibt wieder mehr Zeit zum Fotografieren. Der Aufwand im Hintergrund ist weniger geworden“, freut sich der Fotograf über die Vorteile in seiner Branche.
Wenig interessant ist Online-Marketing über Newsletter. „Solche E-Mails sind eher lästig“, stellt Systemadministrator Christian Dyadio fest. „Man muss sich vorstellen, dass der Internet-Auftritt wie ein virtuelles Schaufenster ist und es an Qualität nicht mangeln darf. Das heißt, die Web-Seite muss unbedingt aktuell, übersichtlich, leicht erreichbar sein und zum Kundenservice passen“, empfiehlt Dyadio, der seit über 20 Jahren in der IT-Branche tätig ist. „Jedes fünfte Einzelunternehmen hat eine eigene Internetpräsenz und bietet sein Sortiment an. Es ist vor allem ein günstiger Weg, sich zu präsentieren“, so der IT-Spezialist, der aus dem Bereich Programmierung mit Web-Entwicklung kommt. Dyadio sieht im Web-Auftritt mit Content-Management im Hintergrund die beste Basis, Produkte und sein Unternehmen zu präsentieren. „Die Homepage sollte deshalb bestens gestaltet sein, weil wir weltweit abrufbar sind. Das wird leicht vergessen“, argumentiert der Köstendorfer, der für die Gestaltung der Web-Seiten seiner Kunden in der Region bereits sehr gute Referenzen hat. Die Informationen, wo bei seinen Klienten der Schuh drückt, sammelt Dyadio in einem persönlichen Gespräch. „Nur auf diese Weise erfahre ich, was der Kunde tatsächlich braucht und darstellen will“, spricht er aus Erfahrung und fügt hinzu: „Zu berücksichtigen ist der Vertriebsweg, denn die Waren müssen auch verfügbar sein. Abzuwägen ist dabei ein Online-Shop, in dem die Produkte auf Rechnung, Vorauszahlung oder mit Kreditkarte bezogen werden können“, so Dyadio.
Für den Kunden ist es positiv, wenn es immer etwas Neues gibt. Für die Händler ist es eine Herausforderung. Kaum ist eine Web-Seite fertiggestellt, ist wieder eine Aktualisierung notwendig, weil es neue Browser-Versionen oder Geräte gibt. Sicher sei, dass der Online-Handel den stationären Handel nicht verdrängen wird. Zu dieser Erkenntnis kamen Experten beim Salzburger Handelstag. „Es wird ein Miteinander sein. Im Idealfall bringt eine Online-Recherche Kunden ins Geschäft und umgekehrt“, so Internetexpertin Barbara Thaler.
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