21.03.2016, 11:08 Uhr

Massenschlägerei vor dem "Base 20": Bezirk setzt jetzt auf mehr Sicherheit

Lubna und Maha zeigen Figuren aus dem Latar Do Programm.

Das Jugendzentrum "Base 20" bei der Millenium City in der Engerthstraße sorgte für mediales Aufsehen. 50 Jugendliche sind aneinander geraten, mehrere wurden schwer verletzt.

BRIGITTENAU. Bezirksvorsteher Hannes Derfler will jetzt für mehr Sicherheit im Bezirk und für eine stärkere Kommunikation zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen sorgen: „Der Vorfall hatte eine eigene Dimension, da kann man nicht zur normalen Tagesordnung übergehen.“ Nach Gesprächen mit der zuständigen Bezirkspolizei wurde zugesagt, dass am Maria Restituta-Platz besonders an den Nachmittagen bis 22 Uhr mehr uniformierte Polizisten unterwegs sind. Gleichzeitig werden mehr uniformierte Bereitschaftseinheiten die U-Bahn-Station Handelskai bestreifen. Derfler: „Diese Maßnahmen heben das empfundene Sicherheitsgefühl.“


Diplomat bietet Selbstverteidigungskurse

Derfler initiierte auch eine erste Gesprächsrunde zwischen den Betreibern der Millenium City, mobiler Jugendarbeit Back Bone und dem Verein Toleranz von Adam Bisaev. Der gebürtige Tschetschene, Diplomingenieur und Diplomat betreibt seit 12 Jahren an der Brigittenauer Lände 170 ein Zentrum für Bildung und Sport Latar Do. Neben Sprach-, Koch-, Kampf- und Selbstverteidigungskurse vermittelt er besonders Jugendlichen aus verschiedenen ethnischen Gruppen Kultur- und Lebensverständnis.

Bisaev: „Viele Jugendliche kommen um zu kämpfen und lernen hier bei uns Respekt, Disziplin und eine starke Persönlichkeit zu sein.“ Für Bisaev ist deshalb Kampfkunst ein Mittel um Jugendliche zu erziehen. Um in der Zukunft Konflikte zwischen verschiedenen Ethnien zu verhindern, setzt er auf Kontakt zwischen den Jugendlichen, auf Kommunikation und gemeinsame Aktionen und auf Multiplikatoren: „Wir decken noch nicht alle Gruppierungen ab, aber der Weg dorthin ist vorhanden.“


Ein erster Schritt für die Deeskalation ist sicherlich auch eine Gesprächsrunde zwischen dem Rat der Tschetschenen und Inguschen und den Vertretern der Afghanen. Gemeinsam will man die Gründe für die Massenschlägerei ermitteln und zwischen den Jugendlichen vermitteln. Hintergrund dürfte ein privater Streit gewesen sein. Ein Bandenkrieg liegt sicherlich nicht vor, weil die Absicht zur wiederkehrenden Straftat fehlt.

Base20 wieder geöffnet

Das Base 20 war bis jetzt geschlossen und im Jugendtreff wurde die tragische Situation mit den Opfern, ihren Angehörigen aber auch mit zahlreichen jugendlichen Zeugen aufgearbeitet. Christian Holzhacker (Pädagogischer Bereichsleiter vom Verein Wiener Jugendzentren) betont: „Jugendliche brauchen Möglichkeiten, Perspektiven und ehrliche Beziehungs- und Gesprächsangebote. Jugendliche brauchen einen vollwertigen Platz in unserer Gesellschaft. Genau an diesen Punkten setzt unsere Arbeit und (Gewalt-)Prävention an."

Manuela Synek vom Back Bone stellt Jugendlichen erwachsene und unabhängige Bezugspersonen zur Verfügung, mit denen sensible und emotionale Themen und Fragen behandelt werden, aber auch Informationen weitergegeben werden: „So wird eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut und die Vorfälle können gemeinsam mit den Jugendlichen aufgearbeitet werden. Um die Vorgangsweise besser kooridinieren und planen zu können, ist eine regelmäßige Vernetzung aller im öffentlichen Raum tätigen notwendig.“
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