11.10.2016, 00:00 Uhr

Die Schönkirchner Kies-Krise

Nur wenige Meter vor den Vertretern der Bürgerinitiative, Monika und Larry Busch, soll die Grube in Siedlungsnähe errichtet werden.

In Schönkirchen regt sich Wiederstand gegen die Ausbaupläne eines Schotterunternehmers.

SCHÖNKIRCHEN (up). Löcher in der Marchfelder Landschaft sind die Menschen hier gewohnt, ebenso wie Lkw-Verkehr und Staub. Doch immer öfter regt sich Widerstand gegen Pläne der Schotterunternehmer, aktuell in Schönkirchen, wo die Schönkirchner KiesgewinnungsgmbH den Abbau massiv erweitern will.
53,7 Hektar groß ist die Fläche, die das Unternehmen im Ortsgebiet Silberwald bis ins Jahr 2040 bewirtschaften will. 3,3 Millionen Kubikmeter Schotter sollen in dieser Zeit gewonnen werden. Die Gemeindevertretung steht dem Projekt positiv gegenüber. "Wir haben einen Konsens gesucht und Verbesserungen für die Anrainer erreicht", meint Bürgermeister Peter Hofinger. Besserer Staub- und Lärmschutz würden gewährleistet, die Betriebszeiten um zwei Stunden pro Tag gekürzt.
Vizebürgermeister Werner Kurz (SPÖ) lebt selbst im Ortsteil Silberwald. Er steht auf Hofingers Seite: "Wir können das Projekt nicht verhindern, wir können nur versuchen, die Bevölkerung bestmöglich zu schützen."

Bürger wollen mehr Information

Geschützt sehen sich die Anrainer ganz und gar nicht. Sie machen gegen die Schotterabbau-Pläne mobil: "Außer ein paar Worten in der Gemeindezeitung, aus denen nicht das Ausmaß des Projekts zu erkennen war, haben wir keine Information erhalten", ärgert sich der Anrainer Larry Busch. "Formalrechtlich war diese 'Information' möglicherweise korrekt, bürgernahe ist das nicht."
Die Anrainer wollen eine Bürgerinitiative gründen, um im Umweltprüfungsverfahren Parteienstellung zu erlangen. Der Grundtenor: Man hätte Fragen zu Lärm, Grundwasser, Verunreinigung und Staub schon vorab mit den Betroffenen klären sollen, nun fühlt man sich von der Gemeindeführung "überrollt".

Feinstaubsanierungsgebiet

Auch in der Nachbargemeinde Strasshof regt sich Widerstand. Bürgermeister Ludwig Deltl kritisiert das Verkehrskonzept, denn der Großteil der Lkw-Transporte führt durch Strasshofer Ortsgebiet. "Dass der Bahntransport wegfällt ist für uns unzumutbar, wir sind immerhin Feinstaubsanierungsgebiet", ärgert sich der Ortschef, der rechtliche Schritte gegen das Konzept einleiten will.

Lösung zum Schutz der Anrainer gesucht

Schotterunternehmer Andreas Kisling kalmiert: "Wir sind mit den Behörden im Gespräch, um einen höheren Erdwall und einen Windschutzgürtel für die Anrainer errichten zu können." 2000 Tonnen Aushubmaterial sollen täglich abtransportiert werden, das sind 96 Lkw-Fahrten pro Tag. Zwar habe man im Verkehrskonzept die maximal möglichen Tonnagen pro Tag beantragt, aber Kisling meint: "Das wird voraussichtlich nicht voll ausgeschöpft." Derzeit wird der Großteil des Aushubmaterials zur A 5 gebracht, diese Lkw fahren nicht durch Strasshof.
Das Füllmaterial wird zu 90 Prozent per Bahn geliefert: das Aushubmaterial des Semmeringbasistunnels.
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