25.08.2016, 11:12 Uhr

Wirt mit vier Leidenschaften

(Foto: Duchkowitsch)

Ein Wirt, der nur kocht, wenn er will, Kafka verehrt, Maler und Musiker werden wollte - das gibt es nur in Zwerndorf.

ZWERNDORF. Kompromissloses Kochen, das ist die Spezialität von Pepi Helm. Der 3er-Wirt von Zwerndorf, der Mann, der das Lokal notgedrungen übernommen hatte, dagegen angekämpft hatte und es doch nie zurücklassen konnte.
"Kochen ist meine dritte Leidenschaft", verrät er. Das bedeutet in Pepis Fall: nur frisches Gemüse vom Bio-Bauern, Wild vom örtlichen Jäger, selbst gefangener Fisch aus dem 3er-Teich - und auf keinen Fall Supermarktware. Wenn man dem Helm Pepi beim Häuten und Filtern des Wels zuschaut, ist das pure Virtuosität. Kein Wunder, dass die US-amerikanische Star-Gastronomin und Begründerin der California Cuisine, Alice Waters, beim Genuss von Pepis Spargelsuppe rief: "This soup is like an orgasm!"
Sie ist bei weitem nicht die einzige Prominente, die das Gasthaus an der Grenze zu Osteuropa besucht hatte. Hier gehen alle österreischischen Jazzmusiker von Joe Zawinul bis Harry Sokal ein und aus, hier gastierten Brian Auger und Willy deVille. Denn Pepis zweite Leidenschaft ist die Musik. Seine erste ist übrigens die Malerei, die hat er mit 17 Jahren wieder aufgegeben.
Das Gasthaus hatte er gegen seinen Willen vom Vater übernommen, das war 1979. Damals wollte der Pepi Musiker werden, war am besten Weg dazu. Er hatte sich selbst das Gitarrespielen beigebracht, war mit seinen Bands "Wacholder Salpeter" und "49/50" erfolgreiche Konzerte gegeben und sogar die ORF-Mitarbeiter verblüfft. 1973 landete Pepi auf Platz zwei der Hitparade und anschließend bei der Live-ORF-Show "Show-Chance", der Vorgänger von "Die große Chance".
Sein Hit "Leb'n mecht i" wurde mit der ORF-Bigband einstudiert, beim Live-Aufritt spielte der Helm Pepi zum Entsetzen des gesamten ORF-Teams ganz spontan einen anderen Song. "Ich hab plötzlich das Gefühl gehabt, das passt besser", schmunzelt er.
Später setzte er Jazz als Mittel gegen die Gäste ein. Mit dem Wirtshaus hatte 3er-Wirt nämlich auch Altlasten geerbt: "Eine richtig schlechte Köchin und dazu das Zwerndorfer Stammpublikum". Zwerndorf war urspürnglich ein kroatisches Dorf, "mit trinkfesten und lebenslustigen Leuten". Um die Gäste zu vertreiben, ließ sich der Jungwirt einiges einfallen: Er spielte Jazzmusik, hielt die Öffnungszeiten strikt nicht ein, ließ seine Gäste im Lokal sitzen und ging heim, kochte nur wenn er Lust hatte. Ohne Erfolg. Die Zwerndorfer blieben ihm und dem Lokal in der Einschicht hartnäckig treu.
Gekocht wird bis heute nach Lust und Laune: "Ich suche mir meine Gäste aus, bin wie ein Regisseur der Wirtshausabende", erklärt der Pepi, der den Zauber des Lokals nicht an unangenehme Gäste verlieren will.
Und wenn's ihn packt, wird er philosophisch. "Wer Kafka liest, hat vieles verstanden", ist er überzeugt. Kafka ist die vierte Leidenschaft des Helm Pepi.
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