08.06.2016, 09:30 Uhr

Buch über die Anderlfabrik

Franz Schanza kennt die Anderlfabrik in- und auswendig, ihr widmete er ein Buch.

Franz Schanza aus Niederschrems kennt die Anderlfabrik wie seine Westentasche, er wuchs dort auf.

KLEEDORF (eju). "Ich bin in den Arbeiterhäusern der Anderlfabrik geboren und aufgewachsen und war von Kind an immer in der Fabrik, weil mein Vater dort als Heizer und als Schlosser beschäftigt war.


Traumhafte Kindheit

Wenn ich daran zurück denke, erinnere ich mich an eine schöne Zeit. Wir hatten dort eine Kindheit, die war ein Traum", erzählt der pensionierte Polizeibeamte Franz Schanza aus Niederschrems.
Er kannte den "alten Herrn Anderl" noch und ebenso dessen Nachfolger, Anderls Neffen Richard Hein, der die Geschicke der Fabrik bis zur endgültigen Schließung mangels vorhandener Auftragslage und Liquidität leitete.
Als Franz Schanza noch Kind war, begleitete er seinen Vater oftmals in die Fabrik, um die Garnspulen aus Pappendeckel zum Einheizen zu holen. Sein Vater kam häufig nicht einmal zum Essen heim, denn in der Früh war es seine Aufgabe, die Heizanlage anzuheizen und anschließend wechselte er in die fabriksinterne Schlosserei. "Er war oft von sechs Uhr früh bis 22 Uhr abends in der Fabrik", berichtet Schanza.


Großer Arbeitgeber

In der Anderlfabrik waren zu Zeiten von Johann Anderl 275 Personen beschäftigt, neben der Felten war das einer der größten Betriebe in der Gegend. "Als allerdings die Ergee aufgesperrt hat, hat das Sterben der Anderlfabrik begonnen. Viele Arbeiter sind in die Ergee abgewandert, die Auftragslage ging zurück. Die Anderlfabrik erzeugte Leintücher für die Spitäler in Wien, Windeln für die Baby-Pakete, Verbandsstoffe und Leinen für Semperit für die Reifenproduktion. Ich selbst habe ebenfalls kurz, neben meiner eigentlichen Arbeit in der Felten (Anm.: heute EATON), in der Anderlfabrik als Aushilfsheizer gearbeitet, um mir etwas dazu zu verdienen", erinnert sich Schanza.

Arbeiterhäuser verfallen

"Die Arbeiterhäuser, in denen ich und mein Cousin geboren wurden, sind heute nur noch Ruinen. Sie hätten vor Jahren einmal zu etwas Ähnlichem wie dem Hoteldorf Königsleitn umgebaut werden sollen, aber mangels Wasser und Kanal wurde das Projekt wieder verworfen, weil es zu teuer geworden wäre. Die Arbeiterhäuser waren bis in die 1990er-Jahre noch von türkischen Arbeitern bewohnt. Aber aus behördlichen Gründen wurden diese Häuser dann für das Wohnen gesperrt", so Schanza.


Bei Spazierer & Schanza

"Als ich gesehen habe, wie die Arbeiterhäuser zusehends verfallen und als Dr. Hein im Jahr 2011 gestorben ist, kam mir der Gedanke, dass man das alles dokumentieren sollte", erzählt Franz Schanza. Sein Buch "Anderlfabrik" ist bei ihm unter der Telefonnummer 02853/77164 zu bestellen, außerdem ist es in der Buchhandlung Spazierer erhältlich.
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