03.08.2016, 09:00 Uhr

Schrems: Altes Stein-Denkmal vernichtet

Musiker Zappa Cermak wollte den Tumulus seinen Söhnen zeigen, zu spät!

Schrems: Tumulus im ehemaligen Stadtpark wurde mit Bagger zerstört, Bürgermeister: "Gefahr im Verzug".

SCHREMS (eju). "Kennen Sie in Schrems den Tumulus", fragte ein Mann, der extra deswegen ins BB-Büro nach Gmünd gekommen war, völlig fassungslos. Den gibt es nicht mehr, der wurde absichtlich von der Gemeinde mit dem Bagger zerstört und dem Erdboden gleich gemacht!"


Attraktion vernichtet

Ein Lokalaugenschein bestätigt die Worte des Schremsers. Vom Steingebilde, mit dem auf zahlreichen Internetseiten als Attraktion geworben wird, ist nur mehr ein Stein- und Erdhaufen übrig, umgeben von roten Absperrbändern. Daneben zeugt noch eine Tafel vom einstigen Bauwerk im ehemaligen Schremser Schlosspark. Das Schloss wurde 1635 errichtet, im Jahr 1777 stand es in Flammen, dabei wurden auch alle geschichtlichen Urkunden von Schrems ein Raub des Feuers. Im ehemaligen Schlosspark jedenfalls fanden sich bis vor kurzem zwei Attraktionen: Der Tumulus und oberhalb davon ein Dolmen, eine Steinformation mit "Dach".


Kein ausgewiesenes Denkmal

Solche Bauwerke werden über Europa verstreut vielerorts gefunden und datieren normalerweise in die Steinzeit. Dass es sich in Schrems ebenfalls um so alte Bauwerke handelt, ist zweifelhaft, in der Liste der Bodendenkmäler des Bundesdenkmalamtes jedenfalls finden sich die beiden Bauwerke nicht als geschütztes Kulturgut.
Beim BB-Lokalaugenschein war zufällig gleichzeitig auch der bekannte Waldviertler Musiker Zappa Cermak mit seinen beiden Söhnen beim Dolmen anzutreffen. Er wollte seinen Söhnen eigentlich die Stein-Bauten unserer Ahnen zeigen und war völlig fassungslos über die Zerstörung: "Ich wollte David und Jakob das alte Gewölbe zeigen und nun sehe ich das. Wenn es wirklich einsturzgefährdet gewesen sein sollte, dann müsste man es eben so renovieren, sodass es nicht einstürzt und absichern, damit nichts passieren kann. Aber wie kann man denn so etwas vernichten?"


Empörung auf Facebook

Zappa Cermak formulierte anschließend auf Facebook einen "Aufschrei" gegen die Zerstörung, der eine rege und durchwegs entrüstete Diskussion über dieses Vorgehen nach sich zog ebenso wie die Frage nach den Verantwortlichen bei der Gemeinde.
Dazu Bürgermeister Karl Harrer: "Es war Gefahr in Verzug. Durch den Regen der vergangenen Wochen sind bereits zwei Steine aus dem Gewölbe gefallen. Ich konnte nicht warten, bis der Gemeinderat im September wieder tagt und in der Zwischenzeit womöglich jemand zu Schaden kommt, somit habe ich die Abtragung beauftragt." Er habe die chronologische Vorgehesweise dokumentiert, es seien Spezialisten vor Ort gewesen, die bescheinigt hätten, dass das Gewölbe nicht sanierbar gewesen sei. eine Absperrung habe er für nicht sinnvoll gehalten denn: "Kinder halten sich an keine Absperrungen." Man denke jedenfalls einen Wiederaufbau des Tumulus an, so Harrer abschließend.

Der vollständige Wortlaut der Presseaussendung von Bgm. Karl Harrer lautet so:
"Tumulus“ war große Gefahr! Ein altes Kellergewölbe, das zu einem 1960 abgerissenen Gebäude gehörte, erhielt im Laufe der Jahre durch die Mystik-Welle im Waldviertel den Namen „Tumulus“. In dieser Höhle am Ende des Stadtparks (früher Göthepark) hinter der Hauptschule spielten die Kinder gerne Verstecken.
„Bei einem Fußballmatch im Mai machte mich ein Schremser darauf aufmerksam, dass das Kellergewölbe sehr baufällig erscheine und er sich sehr um seine Kinder sorge, denen er gerade dort das Spielen verboten hatte“, berichtet Bürgermeister Karl Harrer. Unverzüglich noch während des Fußballspiels hat er das Gewölbe mithilfe von Bierbankerl absperren lassen und am nächsten Tag persönlich das Gewölbe ordnungsgemäß mit Absperrbändern gesichert um vorausschauend schwere Verletzungen durch herabfallende Steine zu vermeiden. Das Gewölbe blieb auch nach Besichtigung durch zwei Baufirmen gesperrt, Fachleute bestätigten, dass das Gewölbe durch Abstützen oder Ähnliches nicht renoviert werden könne. Es drohte weiterhin Einsturzgefahr und daher blieb die Absperrung nach wie vor erhalten.
Durch die starken Regenfälle Anfang bis Mitte Juli wurde das Gestein weiter ausgewaschen und es löste sich ein weiterer Stein aus dem Gewölbe. „Kinder ignorieren auch Absperrungen und deswegen wollten wir nicht riskieren, dass durch die sich langsam lösenden Steine ein Kind verletzt oder sogar getötet wird. Es war schlichtweg Gefahr in Verzug“, so Bürgermeister Karl Harrer.
Am 15. Juli 2016 wurde der Keller durch die Bauhofmitarbeiter der Stadtgemeinde Schrems kontrolliert zum Einsturz gebracht. Die Steine wurden vor Ort belassen und das Gewölbe soll durch eine Fachfirma rekonstruiert werden. Eine umfangreiche Bilddokumentation hierfür wurde erstellt."
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