23.06.2016, 09:00 Uhr

Waldenstein verliert den letzten Nahversorger

Nach 41 Jahren hört Herta Schnabl mit ihrer kleinen Greisslerei in Waldenstein auf.

Herta Schnabl sperrt nach 41 Jahren ihre Greisslerei zu. Eine unmittelbare Nachfolge ist nicht in Sicht.

WALDENSTEIN (eju). "Der Bürokratie-Aufwand und die Vorschriften werden immer unerträglicher. Das ist der Hauptgrund, weswegen ich mit Ende des Monats meine Greisslerei zusperre und den Hauszustelldienst in den Dörfern beende", erklärt Herta Schnabl.


Für ältere Menschen bitter

Die Marktgemeinde Waldenstein verliert damit ihren letzten Nahversorger. Das ist insofern bitter, als: "Viele meiner Kunden sind ältere Menschen, die oft kein Auto haben oder nicht mehr bis nach Gmünd fahren können. Eine ältere Frau im Ort hat geweint, als sie gehört hat, dass ich zusperre", berichtet Schnabl weiter.
In den Dörfern Albrechts, Nondorf, Großhöbarten, Reichenbach, Hörmanns, Großneusiedl und Kleinruprechts, die sie früher fast täglich, zuletzt regelmäßig am Samstag, abgefahren ist, um die BewohnerInnen mit dem Benötigten zu versorgen, sei die Versorgungssituation für manche ältere Einwohner nun noch schwieriger. Die Greisslerei sei zudem nicht nur ein Ort zum Einkaufen gewesen, sondern auch ein Ort der Kommunikation.


Bürokratie & andere Hürden

Herta Schnabl hatte die Greisslerei im Jahre 1975 übernommen und führt sie seit nunmehr 41,5 Jahren.
"Die Anfangszeit war hart, ich habe im Februar aufgesperrt und zwei Wochen später ist meine Mutter gestorben, da war ich 19 Jahre alt", erinnert sich die Kauffrau an ihre Anfänge. Nun – sie hat seit einem Jahr sogar die Pension, hat aber aus Freude am Beruf noch weiter gemacht – habe ihr der ausufernde Bürokratie-Dschungel die letzte Begeisterung genommen.


Angebot auch nutzen

Natürlich sei auch das Geschäft im Laufe der Jahre stetig weniger geworden: "Der Ort wird zwar immer größer, aber die jungen Leute kommen nicht ins Geschäft einkaufen. Man sieht sie vielleicht alle drei Monate, weil ihnen das Schlagobers ausgegangen ist. Das ist auf Dauer zu wenig. Wenn man so ein Geschäft haben will, muss man auch etwas kaufen", macht Schnabl klar. "Ich möchte mich auf jeden Fall bei all meinen Kunden der vergangenen Jahrzehnte herzlich für ihre Treue bedanken", so Herta Schnabl abschließend.
Eine Weiterführung ihres Geschäftes durch jemand anderen sei vorerst nicht in Sicht. Sie wisse auch nicht, ob seitens der Gemeinde diesbezügliche Aktivitäten angedacht seien.

Ersatz in Sicht?

Bgm. Alois Strondl ist auch nicht glücklich über den Verlust und erklärt: "Es gibt private Bestrebungen, dass es in absehbarer Zeit wieder einen Nahversorger in Waldenstein geben soll." Die Gemeinde unterstütze das, es liege aber nicht in ihrer Hand. Die Chancen auf einen neuen Nahversorger in der Marktgemeinde seien jedoch intakt.
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