27.04.2016, 12:21 Uhr

Welpenhandel: Das dreckige Geschäft mit dem Leid

Die beiden Tierärztinnen Jasmin Thielmann und Katia Waitz setzen sich gegen den illegalen Welpenhandel ein.

Seit der Einführung des EU-Heimtierpasses geht der illegale Welpenhandel zurück, aber: es gibt immer noch schwarze Schafe.

BEZIRK (eju). "Endlich werden Leute, die Welpen aus Vermehrungsbetrieben in Tschechien – teils in größerem Stil – nach Österreich holen, amtlich kontrolliert. Das und die Einführung des neuen EU-Heimtierpasses hat die angespannte Situation entschärft", ist die Gmünder Tierärztin Katia Waitz erleichtert.


Kranke Billigwelpen

Sie und viele andere Tierärzte in der Grenzregion waren regelmäßig mit todkranken Welpen konfrontiert. Die Tiere waren zuvor unter unsäglichen Bedingungen in Vermehrungsfabriken in Tschechien "produziert", entweder gar nicht oder ebenfalls zu früh geimpft und meist bereits krank nach Österreich exportiert worden. Hier konnte man mit der Mitleidsmasche Geld verdienen, was einige skrupellose Personen aus der Region auch lange Zeit in großem Stil getan hätten, so Waitz.


Beim Import strafbar

Wer nun in Tschechien aus dem Kofferraum oder im Supermarkt einen Welpen kauft, macht sich bereits beim Import nach Österreich nach den Veterinärbestimmungen, welche die Ausbreitung von Tierseuchen verhindern sollen, strafbar, außer: "Der Hund ist gechipt und hat einen ausgefüllten EU-Heimtierpass, in dem auch der tschechische Züchter oder Händler eingetragen ist. Das haben diese Hunde aber in der Regel nicht", weiß Waitz. "Seit es die neuen, fälschungssicheren EU-Heimtierpässe gibt, ist der illegale Welpenhandel spürbar weniger geworden." Früher seien die Welpen mit falschen Impfpässen ins Land gebracht worden. In Österreich dürfe ein EU-Pass für einen illegal importierten Welpen erst nach einem Zeitraum von ca. einem halben Jahr ausgestellt werden, nachdem sichergestellt ist, dass der Hund keine Tollwut mitgebracht hat.


Straßenhändlerwelpen sind fast immer krank

"Diese von Straßenhändlern gekauften Hunde sind so gut wie immer krank, haben fast immer Giardien (einzellige Darmparasiten), oft Parvovirose (Katzenseuche), manchmal Staupe. Das ist für Hunde in Österreich auch gefährlich, weil viele Hundehalter hier darauf vertrauen, dass diese Seuche hier als ausgerottet gilt und dagegen nicht mehr impfen lassen", berichtet Waitz und weiter:

"Wer billig kauft, kauft teuer!"

"Früher hatten wir fast jeden Tag so einen armen Welpen, die sind gestorben wie die Fliegen. Leute beklagen sich, dass man sich in Österreich keinen Rassehund leisten kann. Dann kaufen sie einen billigen, kranken Ost-Welpen um 200 Euro und zahlen schließlich 1.500 Euro in der Tierklinik, um ihn aufpäppeln zu lassen." Es gebe natürlich in Österreich und Tschechien viele seriöse Hundezüchter, diese jedoch würden ihre Welpen nie über die Straße verkaufen.

Zur Sache

Die Internet-Plattform "willhaben.at" hat ein Welpen-Zertifikat eingeführt, das den illegalen Welpenhandel über diese Plattform eindämmen soll. Jeder, der Welpen über "willhaben.at" anbietet, braucht ein von einem Tierarzt ausgefülltes Zertifikat, das bestätigt, dass die Welpen gesundheitlich durchgecheckt worden sind. Dokumentiert werden mehr als 20 Untersuchungsschritte, die Krankheiten und Auffälligkeiten aufdecken sollen. Nur mehr mit einem solchen Attest kann man auf "willhaben.at" Welpen inserieren. Damit wurde ein noch nie dagewesener Standard geschaffen, der sicherstellen soll, dass nur mehr gesunde Tiere von verantwortungsvollen Besitzern angeboten werden.

Was tut die Behörde gegen illegalen Welpenhandel:
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